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"Cnetz": Union gründet eigenen Internetverein

Multikulti im Internet: Um den Erfolg der Piraten zu kontern, haben christliche Politiker einen eigenen netzpolitischen Verein gegründet. Das Gespött ist groß. "Netzgemeinde?" Haha.

Von Christoph Fröhlich

Das Ziel ist groß: "Wir wollen ein Internet der Freiheit", heißt es auf der Webseite des neu eingetragenen Vereins für Netzpolitik "Cnetz". Gegründet wurde er von Union-Politikern und deren Sympathisanten, im Vorstand sitzen unter anderem CDU-Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier und Erika Steinbach, Präsidentin des Bundes der Vertriebenen. Weiter heißt es: "Wir wollen eine bürgerliche und verantwortungsvolle Netzpolitik." Die Netzgemeinde rätselt: Handelt es sich bei "Cnetz" um einen verspäteten Aprilscherz? Um den kläglichen Versuch, die zumeist jungen Piratenwähler zu erreichen? Oder ist es ein erster Schritt in die richtige Richtung?

Spott im Netz

Die Agenda der neu gegründeten Netzvereinigung ist lang: Das Bewusstsein "für den durch das Internet stattfindenden gesellschaftlichen Wandel" soll gestärkt werden, heißt es in der Satzung des Vereins. Auch für die "Begleitung politischer Entscheidungsprozesse zu netzpolitisch relevanten Fragen" fühlt man sich verantwortlich. Selbstverständlich alles unter dem Banner der konservativen Werte, "die sich für unser Land als förderlich und segensreich erwiesen haben". Christlich unterwegs im Web sozusagen. "Jetzt, da die christlichen Werte in die Netzpolitik getragen werden sollen, ergibt der Begriff 'Netzgemeinde' auf einmal Sinn", meint der deutsche Journalist Mario Sixtus mit einem Augenzwinkern.

Doch jene Netzgemeinde weiß nicht so recht, wie sie auf den Vorstoß der Union reagieren soll. Vor allem der Name "Cnetz" wird zur Zielscheibe des Spotts: "Im Ernst, Cnetz ist einfach ein reichlich bescheuerter Name mit Analog-Assoziation", schreibt der Nutzer ker0zene. Das C-Netz war ein analoges Mobilfunknetz aus dem Jahre 1984 und der Vorgänger des bis heute verwendeten D-Netzes. "So gesehen natürlich konsequent", meint der Nutzer in Anspielung auf die häufig antiquiert wirkenden Aussagen von Union-Politikern in Sachen Netzpolitik. Süffisant fragt der User svente_fox: "Ich dachte, das #cnetz wäre schon vor Jahren abgeschaltet worden?"

Selbstverständlich twittert das "Cnetz" auch. Die erste Botschaft an die Zielgruppe: "Wir sind das #cnetz. Bürgerliche Netzpolitik mit Maß und Mitte." Die ersten Kommentare ließen nicht lange auf sich warten: Die Botschaft klinge wie "Wir sind die Borg. Widerstand ist zwecklos", meint Nutzer Robin und bezieht sich dabei auf das Volk im Star-Trek-Universum, das von einer mächtigen Borg-Königin beherrscht wird. Einige Nutzer sehen darin Parallelen zur Union.

Auf den Spuren der Piraten?

Die Piratenpartei ist derzeit im Aufwind und bereits in zwei Landtagen vertreten. Vor allem den klassischen Parteien droht ein Stimmverlust. Unter diesen Umständen wirkt das "Cnetz" eher wie eine Antwort auf die neue Politentwicklung statt eines wirklichen Umdenkens. So ist auch das "c" im "Cnetz"-Logo in einem Orange-Farbton gehalten, der gewisse Ähnlichkeit mit dem der Piraten hat. Auch das entgeht der Netzgemeinde nicht: "Themen kopieren reicht nicht. Ihr müsst eure Strukturen verändern", mahnt Twitter-Nutzer Christophe Chan Hin.

"Ist doch gut, wenn sie sich mit Netzpolitik beschäftigen", meint ein User, der den ganzen Spott nicht versteht. "Egal unter welchem Namen." Die Aufmerksamkeit ist dem noch jungen Portal jedenfalls sicher: "#Cnetz" ist derzeit das angesagteste Thema bei Twitter.