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Versicherungen für Elektroräder: Damit aus Fahrspaß nicht Frust wird

Fahrräder mit Elektromotor liegen voll im Trend. Doch bei Diebstahl oder einem Crash ist der Ärger groß. Wie Sie sich gegen Langfinger und teure Unfallfolgen schützen.

Von Anna Gentrup

Kein Winter in Sicht? Dann eben Radfahren statt Rodeln. Besonders bequem ist das, wenn dabei ein Elektromotor anschiebt. 420.000 Räder mit Motorunterstützung kauften die Deutschen im vergangenen Jahr. 2014 erwartet die Fahrradindustrie weiter steigende Verkaufszahlen. Durchschnittlich kostet ein motorisiertes Rad im Fachhandel 2000 Euro. Je nach Modell kann ein solches Gefährt aber auch das Dreifache kosten.

Räder dieser Preisklasse sind ein echter Hingucker – für Radfahrer genauso wie für Langfinger. Auch wenn das Rad beschädigt wird, ist der Ärger groß. Und wer mit einem Elektrorad einen Unfall verursacht, kann in finanzielle Not geraten. Eine Versicherung schützt Zweirad und Halter vor finanziellen Schäden. Mit dem passenden Diebstahl- und Haftpflichtschutz können Radler beruhigt in die Pedale treten. Für die Wahl der richtigen Police muss klar sein, zu welcher Kategorie das Rad zählt. Per Gesetz gelten nicht alle Elektroräder als Fahrräder.

Welche Versicherung für welches E-Rad?

Ob das eigene Rad noch als Fahrrad oder schon als Kleinkraftrad zählt, ist leicht zu klären: Auf den Motor kommt es an. Nur Pedelecs (Pedal Electric Cycle) gelten rechtlich als Fahrräder. Sie haben einen Motor mit maximal 250 Watt Leistung, der sich spätestens bei einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern automatisch abschaltet. Ob der Motor den Radler bereits ohne Pedaltritt beim Schieben oder Anfahren unterstützt, ist dabei unwichtig. Mit einem Rad dieser Klasse darf der Fahrer alles, was auch Fahrradfahrer dürfen. Zum Beispiel dürfen Radwege befahren werden, und eine Helmpflicht gibt es nicht.

Die richtige Haftpflicht

Ganz anders sieht es aus, wenn der Motor mehr Leistung bringt. S-Pedelecs, also schnelle Pedelecs, auch Schweizer Klasse genannt, oder E-Bikes haben stärkere Motoren. Außerdem schalten sie sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten ab. Einige Modelle können bis zu 45 Stundenkilometer schnell fahren.

Solche Zweiräder gelten nicht mehr als Fahrrad, sondern als Kleinkraftrad ähnlich einem Mofa. Deswegen braucht der Fahrer eine Mofa-Prüfbescheinigung. Die muss aber nur absolvieren, wer keinen Führerschein hat. Außerdem wichtig: Fahrer von S-Pedelecs und E-Bikes müssen einen Helm tragen. Radwege dürfen sie nicht befahren. Für diese Räder müssen Besitzer eine Mofa-Haftpflichtversicherung abschließen. Die gibt es zusammen mit dem vorgeschriebenen Versicherungskennzeichen beim Kfz-Versicherer.

Für Besitzer von Pedelecs reicht eine private Haftpflichtversicherung aus. Die sollte grundsätzlich jeder besitzen. Denn wer einen Sach- oder Personenschaden verursacht, haftet dem Gesetz nach unbegrenzt mit seinem Privatvermögen, und das bis zur Pfändungsgrenze. Unfälle mit einem Pedelec sind in der Regel durch Haftpflichtpolicen abgesichert. "Versicherte sollten vorsichtshalber nachfragen. Ein kurzer Anruf beim Versicherer schafft Klarheit", sagt der Münchener Rechtsanwalt Siegfried Spatzl.

Reicht die Hausratversicherung?

Auch für die Wahl des richtigen Schaden- und Diebstahlschutzes muss klar sein, zu welcher Kategorie ein Elektrorad gehört. Eine Hausratversicherung sichert nur Pedelecs automatisch mit ab. S-Pedelecs und E-Bikes müssen gesondert in die Versicherung aufgenommen werden.

Ältere Verträge enthalten häufig eine Nachtzeitklausel. Dadurch ist das Rad zwischen 22 und 6 Uhr nur abgesichert, wenn es benutzt wird oder in einem abschließbaren Raum steht. Gerade für Stadtbewohner ist das ein Problem. Bei neueren Verträgen entfällt diese Klausel. Auch wenn Elektroräder meistens untergestellt werden, kann es doch vorkommen, dass sei einmal nachts im Freien bleiben, dann wären sie nicht versichert.

Besitzer sollten sich in jedem Fall erkundigen, bis zu welchem Wert die Hausratversicherung das Elektrorad absichert. Meist sind Räder nur bis zu einem niedrigen Prozentsatz der Versicherungssumme geschützt. Dann erhält der Versicherte im Schadensfall unter Umständen nicht mehr als einige hundert Euro, obwohl das Rad deutlich teurer war. Ein normales Elektrorad kostet etwa 2000 Euro. Diese Summe wird vermutlich bei weitem nicht von der Hausratversicherung abgedeckt.

Alternative: Diebstahlversicherung

Umfassenderen Schutz bietet eine Diebstahlversicherung. Policen für Elektroräder erstatten den gesamten Wert des Rades. "Eine Diebstahlversicherung für S-Pedelecs und E-Bikes kostet meist weniger als eine bestehende Hausratpolice aufzustocken", sagt Roland Huhn, Rechtsexperte beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Eine Diebstahlversicherung schützt das Rad rund um die Uhr – auch wenn es draußen angeschlossen ist. Der ADFC, Eurocard und der niederländische Versicherer Enra bieten solche Policen für alle Elektroräder an. Für ein Rad im Wert von 2.000 Euro kostet der Schutz etwa 15 bis 20 Euro im Monat.

Der Kunde steht vor einer paradoxen Situation. Für ein Pedelec kostet die freiwillige Diebstahlversicherung zwischen 200 und 250 Euro im Jahr. Ein schnelles E-Bike unterliegt einer Versicherungspflicht. Haftpflicht und Kaskoversicherung - die bei Diebstahl entschädigt - sind so teuer wie die Versicherungen für Moped und Motorroller. Sie kosten nur etwa 100 Euro im Jahr, selbst wenn das E-Bike einen Preis von 4000 Euro hatte. Trotzdem muss es nicht klüger sein, ein schnelles E-Bike zu fahren. Die Räder sind deutlich teurer als Pedelecs und dürfen nicht auf Radwegen benutzt werden.

Damit die Versicherung im Zweifelsfall tatsächlich zahlt, gilt es vorzusorgen. Wer ein teures Rad mit einem günstigen Schloss sichert, kann nicht auf Entschädigung hoffen. Als Anhaltspunkt sagen Experten, ein Schloss sollte etwa zehn Prozent des Fahrradwertes kosten. Doch die Regel hat Grenzen: Auch Versicherer verlangen kein 300-Euro-Schloss für ein Rad im Wert von 3000 Euro. "Es sollte ein hochwertiges Falt- oder Bügelschloss sein", weiß ADFC-Experte Huhn. Er gibt Besitzern einen Tipp, der alle Elektroräder schützt: "Nehmen Sie den Akku mit, wenn Sie das Rad über Nacht anschließen. Ohne den ist das Gefährt für Diebe uninteressant."