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Walter Lange: Der Traum von den exklusiven Uhren

Der Fall der Mauer vor nunmehr 15 Jahren hat nicht nur gewaltige politische Veränderungen mit sich gebracht, auch eine Traditionsmarke konnte nach 50jähriger Unterbrechung mit neuem Leben erfüllt werden.

Seit der Neugründung der Lange Uhren GmbH 1990 durch Walter Lange, den Urenkel von Ferdinand Adolph Lange, entstehen unter den Händen der Uhrmacher im sächsischen Glashütte wieder exklusive Armbanduhren. Die handgefertigten Zeitmesser transportieren den Mythos schon vergangen geglaubter Zeiten, sind selbst längst wieder zum Mythos geworden.

Der Marke neues Leben eingehaucht

Zu Mythen gehören immer Menschen und ihre Geschichten. Im Fall der Lange Uhren von heute sind es die Geschichten, die sich um Walter Lange ranken. Er, dessen Familie von den Sozialisten enteignet worden war und der der Zwangsversetzung in den Uranbergbau nur durch Flucht entgehen konnte, kehrte 1990 wieder nach Glashütte zurück und erfüllte sich einen Traum: 66 Jahre war er alt, als er die Lange Uhren GmbH neu gründete am 7.Dezember 1990, auf den Tag genau 145Jahre nach der Ansiedelung seines Urgroßvaters im sächsischen Glashütte. "Geschichte wiederholt sich zwar nicht, aber sie kennt Parallelen", stellt das Unternehmen nicht zu Unrecht fest.

Seit 1976 hatte Lange den Kontakt zu den Uhrmachern in seiner Heimatstadt gepflegt, nun zahlte sich aus, dass der Name Lange in der sächsischen Provinz noch immer einen mehr als guten Klang hatte: Lange hatte kaum Schwierigkeiten, die besten Uhrmacher für seine Idee zu gewinnen, wieder exklusive Uhren herzustellen, die mit Recht den Namen "A. Lange & Söhne" tragen durften und dürfen.

Lange Familientradition als Uhrmacher

Auf nahezu 160 Jahre Uhrmachertradition kann das Unternehmen Lange Uhren inzwischen zurückschauen. Deutlich wird das bereits bei einem Blick auf die Zifferblätter der Edelchronometer aus Glashütte: "A. Lange & Söhne" steht dort, auch wenn man offiziell tatsächlich als Lange Uhren GmbH firmiert. Aber die Erinnerung an den legendären Firmengründer Ferdinand Adolph Lange lebt und - selbst wenn es eigentlich gar nicht nötig ist - man hat ihm auch auf diese Weise ein Denkmal gesetzt.

Ferdinand Adolph Lange hatte beim sächsischen Hofuhrmacher Johann Christian Friedrich Gutkaes sein Handwerk erlernt. Nach Wanderjahren durch die Schweiz, Frankreich und England kehrte Lange nach Dresden zurück, heiratete die Tochter seines Lehrherren und wurde dessen Teilhaber. Doch die Not im Erzgebirge trieb den tiefreligiösen und sozial engagierten Mann dazu, in Glashütte eine Uhrenfabrikation aufzubauen. Außer seinem eigenen Unternehmen konnte Adolph Lange, der 18 Jahre lang auch Bürgermeister in Glashütte war, kleine Spezialwerkstätten erblühen sehen.

Exklusive Zeitmesser aus Glashütte

Nach dem Tod Langes, der mit nur 60 Jahren starb, übernahmen seine Söhne und Enkel den Betrieb. 1924 kam dann Walter Lange zur Welt, der sich wie seine Vorväter dem Uhrmacherhandwerk verschrieb. Bis zur Enteignung des Unternehmens war Lange als Meisteruhrmacher im elterlichen Betrieb in Glashütte tätig, musste 1948 vor den Repressalien des Regimes in den Westen flüchten und ließ sich in der Nähe von Pforzheim nieder. Die Marke "A.Lange & Söhne" erlosch mit der Zwangszusammenlegung der Glashütter Firmen zum Kombinat "VEB Glashütter Uhrenbetriebe" im Jahr 1951.

Unmittelbar nach der politischen Wende machte sich Lange auf den Weg zurück nach Glashütte - und schrieb weiter an der Uhrmachergeschichte: Am 7.Dezember 1990 meldete er beim Handelsregister in Dresden die "Lange Uhren GmbH, Glashütte" an und ließ die Traditionsmarke "A.Lange & Svhne" wieder weltweit eintragen und schützen. Eines der wichtigsten Erbstücke beim Neubeginn war das Wander- und Skizzenbuch seines Urgroßvaters mit Uhrwerks- und Detailzeichnungen sowie mathematischen Berechnungen für Räder und Triebe.

Mehrere hundert Einzelteile

Nach der Neugründung des Unternehmens bekamen die Uhrmacher in Glashütte ausreichend Zeit, um vier Uhren zu entwickeln, die am 24. Oktober 1994 der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Inzwischen umfasst die Modellpalette acht so genannte Basiskaliber, auf denen 19 verschiedene Werke entstehen. Fast alle der mehreren hundert Einzelteile einer Uhr werden in Glashütte in der Manufaktur gefertigt. Dazu zählen Platinen, Brücken, Triebe, Federn und Räder. Ausstattungsteile wie Gehäuse, Zifferblätter und Zeiger werden zugekauft. In der Manufaktur achten die Uhrmacher auch auf kleinste Details. So werden selbst die Oberflächen verziert, die in der fertigen Uhr dem Blick des Betrachters gar nicht offenliegen. Der Unruhkloben wird von Hand im freien Schnitt graviert, er macht jede Lange-Uhr zu einem unverwechselbaren Einzelstück.

Der heute 80-jährige Walter Lange, seit 1995 Ehrenbürger seiner Heimatstadt Glashütte, hat die aktive Geschäftsführung inzwischen in die Hände von Hartmut Knothe und Fabian Krone gelegt, ist dem Unternehmen aber als Repräsentant der Marke weiter treu.

Jörg Aberger, AP / AP
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