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Wettbewerb: Lernen von der Wirtschaft

Neue Medien für Senioren und Hochzeitsplaner - Ideen, die Schüler zu Unternehmen ausgebaut haben. Gefördert und unterstützt werden sie von "business@school".

Die Geschäftsidee kam Julianna, Katharina und Alexander im Erdkundeunterricht. Dort erfuhren die Schüler, dass alleine in ihrem Heimatort Ottobrunn bei München rund 40 Prozent der Einwohner älter als 50 Jahre sind. Da auch diese Gruppe Zugang zu Computer, Handy und Internet haben möchte, oftmals jedoch Berührungsängste hat, gründete das Trio kurzerhand ein eigenes Unternehmen. Dabei war der Leitgedanke, sich ausschließlich um die Belange der älteren Generation zu kümmern - von der Einkaufshilfe bis hin zur kostenlosen Kundendienst-Hotline.

Sieger in der Regionalentscheidung

Mit ihrem Geschäftsmodell "Neue Medien für Senioren" setzten sich die Zwölftklässler in Spardorf (Landkreis Erlangen- Höchstadt) im bayerischen Regionalentscheid des Projekts "business@school" gegen vier Mitbewerber durch. Am 23. Juni müssen sie sich in München der bundesweiten Konkurrenz stellen.

Wettbewerb will Wirtschaftskompetenzen näher bringen

"business@school" - eine Idee der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) - inspiriert seit 1998 jedes Jahr mehr als 1000 Gymnasiasten aus Deutschland und Österreich. "Wir wollen Schülern Wirtschaft und Schlüsselkompetenzen näher bringen", erklärt BCG-Sprecherin Maike Zander. Mehrere Berater begleiten die Nachwuchsunternehmer von der Idee bis zum fertigen Businessplan. Dem Bundessieger winkt ein bezahltes Praktikum bei BCG.

Hochzeits-Planer

Der Hauptpreis alleine lockt die Schüler nicht zur Extraarbeit. "Wir wussten überhaupt nicht, dass es was zu gewinnen gibt", erklärt der 17-jährige Daniel vom Spardorfer Emil-von-Behring-Gymnasium. Mit neun Kameraden gründete er die "Trau Dich GmbH", eine Agentur zur Organisation von Hochzeiten. "Das ist in Franken eine absolute Marktlücke", erzählt Anna Schatz. Sie und ihre Mitschülerinnen Carolina, Paulina und Sabrina hatten die Idee zur Hochzeits-Firma, als sie im Kino den Hollywood-Streifen "The Wedding Planner" mit Jennifer Lopez sahen.

Die Idee mit der "Trau Dich GmbH" soll auch ohne Preisgeld realisiert werden. Das Stammkapital von 25.000 Euro zur Gründung der GmbH sei "aus privaten Mitteln" zur Verfügung gestellt worden, erzählen die Jungunternehmer. "Bei den Vorbereitungen haben wir auf jeden Fall viel gelernt, etwa mit Stress umzugehen und auch mal auf banale Dinge zu achten, wie die Ersatzstrumpfhose für die Braut einzupacken", erzählt Daniel.

Power-Piont statt Tafel

Auch Felix, Sandra und Christian vom Elsa-Brändström-Gymnasium in München-Puchheim begeisterte vor allem die Möglichkeit, mit professioneller Unterstützung ins Wirtschaftsleben zu schnuppern und Grundkenntnisse für ihr angestrebtes BWL-Studium zu sammeln. "Die machen das aus ganzem Herzen", erzählt ihr Betreuer Thomas Götz. Obwohl seine Schützlinge leer ausgegangen seien, hätten sie doch wichtige Erfahrungen für ihr Leben gemacht. "Bei Referaten und Vorträgen setzen sie jetzt immer Folien und Power-Point- Präsentationen ein und machen das schon richtig professionell", schildert der Wirtschaftslehrer.

Überlebensfähig?

Ob die Geschäftsideen der Schüler im Alltag überlebensfähig sind, darf angezweifelt werden. Die realistische Durchführbarkeit ist zwar eines der Hauptkriterien der Jury, der unter anderem Karl Matthäus Schmidt vom Discount Broker Cortal Consors angehörte. Tatsächlich aber zeichnen sich die Schülerentwürfe vor allem durch ihr extremes Preis-Dumping aus. Bei angesetzten Stundenlöhnen von etwa 11 bis 14 Euro ist dies auch leicht möglich. Ob aus den lukrativen Schülerjobs somit jemals richtige Arbeitsplätze werden, stellt sich wohl erst heraus, wenn die Nachwuchsunternehmer eines Tages von ihrer Firma leben wollen - und Sozialabgaben zahlen müssen.

Brigitte Caspary / DPA