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Yukos-Manager: Flucht statt Festnahme

Die Management-Riege des angeschlagenen russischen Ölkonzerns Yukos hat Russland fluchtartig verlassen und den durch astronomische Steuerforderungen vom Konkurs bedrohten Konzern führungslos zurück gelassen. Der Aktienkurs fiel sofort.

Aus Angst vor Festnahmen im Zuge der Zerschlagung des Unternehmens hat jetzt die höchste Management-Ebene das Land verlassen. Die Nachricht löste einen erneuten Kurssturz der Yukos-Aktie aus. "Alle Top-Manager haben das Land wegen einer Atmosphäre aus Angst und Terror, die das Unternehmen lahm legen soll, verlassen", hieß es am Donnerstag aus Unternehmenskreisen. Chief Executive Officer Steven Theede und Finanzchef Bruce Misamore, beide US-Staatsbürger, seien nach London geflogen und hätten den durch Steuernachforderungen in Höhe von 18,8 Milliarden Euro vom Konkurs bedrohten Konzern führungslos zurückgelassen.

Unternehmen arbeitet normal - noch

Drei weitere Manager, darunter der Chef der Ölproduktion Juri Beilin, hätten Russland ebenfalls verlassen. Marketingchef, Pjotr Soloterew, habe gekündigt, hieß es weiter. Yukos-Sprecher Alexander Schadrin kommentierte die Angaben aus Unternehmenskreisen nicht. Er sagte lediglich, die Zentrale arbeite normal und das Unternehmen fördere die gewohnte Menge Öl.

Der Kurs der Yukos-Aktie fiel am Donnerstag um fast 30 Prozent auf 95 Cent. Der Kurs lag damit um 94 Prozent unter dem im vergangenen Jahr verzeichneten Höchststand. Analysten bewerten den Steuerstreit als politisch motiviertes Vorgehen der russischen Regierung und des Präsidenten Wladimir Putin, weil der frühere Yukos-Chef Michail Chodorkowski politische Ambitionen gezeigt hatte. Gegen den in Haft sitzenden Manager läuft ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung und Betrugs.

Erste Zwangsversteigerung Mitte Dezember

Die russische Regierung will die sibirische Yukos-Tochter Yuganskneftegaz am 19. Dezember zwangsversteigern. Das Mindestgebot liegt bei umgerechnet 6,6 Milliarden Euro. Analysten zufolge könne die Regierung nach der Auktion weiteres Yukos-Vermögen veräußern, um die noch ausstehenden Steuerschulden einzutreiben. (Reuters)

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