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19. Juni 2010, 12:27 Uhr

Ein Bulle wird die Welt erobern

Ein Pick-up soll die Welt für Volkswagen erobern. Der mächtige Amarok glänzt mit eindrucksvollem Äußeren, einem kräftigen und sparsamen Triebwerk und rabiaten Geländefähigkeiten. Außerdem greift er die Konkurrenz mit Kampfpreisen an. Von Gernot Kramper

Pick-up, Amarok, Volkswagen, VW, Hilux, Navarra, Bt 50

Im Vergleich zu einem großen SUV ist der Amarok sehr günstig© Volkswagen

Mit dem Amarok baut Volkswagen erstmals einen eigenen "mid size" Pick-up. Übersetzt für deutsche Verhältnisse bedeutet "mid size" "sehr groß" und Pick-up "sehr selten". Mit dem Fahrzeugkonzept einer Fahrerkabine und einer offenen Ladefläche mochten sich im Stammland des Automobils bislang nicht einmal die Gärtner anfreunden. Entsprechend gering ist der Absatz, vor der Krise lag er bei etwa 12.000 Pick-ups im Jahr, 2009 blieb davon nicht einmal die Hälfte. Trotzdem soll ausgerechnet ein Pick-up Vollkswagen zum Autobauer Nummer Eins in der Welt machen. Woanders sieht das Bild nämlich anders aus. Nicht der Kombi, der SUV, der Kompaktwagen oder die Limousine führt die Hitliste der meistverkauften Bauformen an, sondern der Pick-up. Logisch also, dass ein Hersteller, der gar kein Modell im beliebtesten Segment der Welt anbietet, nur schwer der größte werden kann.

Ein Pick-up ist nicht das richtige Fahrzeug, wenn man in engen Gassen unterwegs ist, vom Parkplatzmangel gequält wird und Dauerregen obendrein die Ladefläche flutet. Aber vonm diesen Einschränkungen abgesehen ist das Konzept extrem vielseitig. Die große Stärke des Pick-ups ist seine Fähigkeit, privaten und beruflichen Nutzen zu vereinbaren. Er dient als landwirtschaftliches oder handwerkliches Nutzfahrzeug und steht mit einer separaten Kabine als sauberer Pkw-Ersatz zur Verfügung . Der Freizeitattitüde einiger Hobby-Cowboys verdankt der Pick-up weltweit jedenfalls nicht seinen Erfolg. Für Farmer in Nordafrika oder Südamerika ist ein Pick-up die erste Wahl. Auch den Fernsehzuschauern sind die robusten Geländefahrzeuge wohl bekannt, denn keine Bürgerkriegsmiliz kommt ohne den Toyota Hilux aus.

Pick-up, Amarok, Volkswagen, VW, Hilux, Navarra, Bt 50

In der Heavy-Duty-Version, mit zuschaltbaren Allradantrieb und Untersetzung fürchtet der VW keine Steigung© Volskwagen

Mit dem Amarok stellt Volkswagen einen echten und ausgewachsenen Pick-up vor. Mit 5,25 Metern Länge ist der Amarok mehr als ausgewachsen. Ausgestattet mit Leiterrahmen, Starrachse mit Blattfedern hinten, großer Bodenfreiheit und großen Böschungswinkel kneift der Amarok weder im Gelände noch bei schlechtem Wetter. Im Double-Cab bietet er bequemen Platz für fünf Personen und besitzt eine großzügige Ladefläche von 1,56 Meter Breite und 1,62 Meter Länge. Eine Nutzlast von einer runden Tonne kann sich ebenfalls sehen lassen. 2011 wird eine zweitürige Single-Cab-Version mit zwei Sitzen und längerer Ladefläche folgen – dieses Modell ist hauptsächlich fürs Gewerbe interessant. Neben den beiden Kabinenformen wird der Amarok in drei Antriebsversionen hergestellt. Mit Heckantrieb, oder zuschaltbarem oder permanentem Allradantrieb. In Deutschland sollte der automatische Allradantrieb die bessere Wahl sein, allerdings gibt es eine Untersetzung nur mit dem zuschaltbaren Allradantrieb. Der reine Heckantrieb wird in Deutschland kaum eine Rolle spielen. Wegen des geringeren Preises wird er weltweit aber nachgefragt. Mit Allrad zeigt der Amarok echte Offroad-Qualitäten. 100 Prozent Steigung sind selbst bei voller Zuladung kein Problem. Immer ist eine elektronische Differenzialsperre mit automatischem Bremseingriff an Bord. Eine mechanische Differenzialsperre für die Hinterachse gibt es als Extra. Die Fähigkeiten, die bei einem Edel-SUV niemals abgerufen werden, machen hier Sinn, denn bei einem Pick-up im Forst oder auf Baustellen kommen sie häufig zum Einsatz.

Unterwegs war der Amarok mit einem 163 PS starken Zweiliter-TDI mit Common-Rail-Direkteinspritzung und zweistufiger Bi-Turboaufladung. Der Diesel liefert bei 1500 Umdrehungen ein Drehmoment von 400 Nm ab. Damit ist der Pick-up sehr standesgemäß unterwegs und genehmigt sich doch nur einen Verbrauch von 7,8 Litern. Ein kleiner Motor mit 122 PS wird folgen. Für den privaten Käufer ist er eher uninteressant, denn die Freizeitkunden werden eher nach einem stattlichen Sechszylinder verlangen. Neben der überzeugenden Geländeperformance fährt sich der Amarok im Straßenverkehr sehr zivil. Die Fahrerkabine bietet Wohnkomfort wie in einem Pkw und ist schallgedämpfter, als erwartet. Im Alltag muss man natürlich immer Rücksicht auf Wendekreis und Größe des Fahrzeuges nehmen. Üble Überraschungen im Fahrverhalten spürt man dagegen nicht.

Pick-up, Amarok, Volkswagen, VW, Hilux, Navarra, Bt 50

Die Plätze in der zweiten Reihe sind durchaus bequem© Volkswagen

Der private Interessent sollte sich nicht von angekündigten günstigen Gewerbemodellen blenden lassen. Ein Pick-up als Lust-Laster geht ins Geld. Mit Allradantrieb, stärkeren Motor und etwas Ausstattung kostet der Geländebulle schnell 34.000 Euro – ist damit allerdings immer noch wesentlich günstiger als ein großer SUV. Anders als von VW Nutzfahrzeuge gewohnt, startet der Amarok mehr oder weniger gleichauf mit den Listenpreisen der Konkurrenz, der sonst übliche Volkswagen-Aufschlag entfällt zunächst. In Deutschland strebt Volkswagen die Marktführerschaft an. Das wird auch gelingen, die Konkurrenz von Toyota, Mitsubishi, Nissan und Mazda ist dem Vertrieb des Giganten aus Hannover nicht gewachsen. Zumal das Produkt keinen Vergleich zu scheuen braucht. In einem Land ohne Pick-up-Tradition wird eine Autolegende wie der Toyota Hilux kaum von seinem Ruf profitieren – einfach weil ihn hier niemand kennt.

Sicherlich wird das Engagement von Volkswagen auch dazu führen, dass der Pick-up insgesamt beliebter wird. Aber Wunder wird der Amarok nicht wirken können. Der Fahrkomfort des Leiterrahmen-Autos ist gut, kann aber nicht mit einem SUV oder Kombi konkurrieren. Auch die Double-Cab ist beileibe nicht die Lösung für alle Probleme. Wenn vier Personen an Bord sind, muss etwaiges Gepäck auf die offene Ladefläche. Spannend ist der Amarok also für Kunden, die mit ihm ihr Hobby pflegen wollen, für Reiter und Motorradfahrer etwa. Punkten wird er auch als Alternative für Handwerker, die mit einem Allradantrieb liebäugeln und ein ansehnliches Auto für private Zwecke und Gewerbe suchen. Wer bislang zwei Autos unterhielt, wird den Offroad-Zuschlag leicht verdauen können. Und neben einem biederen Lieferwagen sieht der Amarok einfach mächtig aus.

Anmerkung zu den Kommentaren

Die Steigungen im Straßenbau werden anders berechnet als die Gradzahlen beim Geo-Dreieck. 100 Prozent Steigung entprechen 45 Grad – eben 1 Meter Höhe auf 1 Meter Bodenlänge.

Im Artikel steht es bereits, aber zur Verdeutlichung: VW wird mit dem Amarok Deutschland nicht in ein Pick-up-Land verwandeln. Innerhalb des in Deutschlands kleinen Segments "Mid Size Pick-p" wird der Amarok aber fraglos eine Rolle spielen. Über Erfolg oder Misserfolg der Reihe entscheiden andere Märkte auf der Welt.

Unnötig? In Ländern in denen Pick-ups erfolgreich sind, werden sie entsprechend benutzt. Als reines Freizeitfahrzeug spielt der Pick-Up nur eine untergeordnete Rolle.

Von Gernot Kramper
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
ozziozzi (21.06.2010, 12:14 Uhr)
Also ich finde es gut das VW jetzt auch in den Pickup markt einsteigt, allerdinds wuerde ich VW auch empfehlen fuer das fahrzeug zumindest fuer den Australischen mark gleich mit einen 2 inch liftkit anzubieten. Das ist das minimum was sich Leute die wirklich in Bush campen fahren in ihre Fahrzeuge bauen um gut vorran zu kommen.
Und wie hier schon einige so treffend bemerken das Fahrzeug wurde ja nicht fuer den Deutschen Markt konziepiert sondern fuer den weltmarkt.
Stirb_Susi (20.06.2010, 10:05 Uhr)
VW ist bisher noch mit all seinen
Pickup Plänen voll vor die Wand gerauscht - hier wird es nicht anders sein.

In Deutschland verkaufen die Teile sich eh nicht (seit nicht mehr so ohne weiteres als LKW steuerlich akzeptiert selbst der G wird nicht mehr als Pickup angeboten - war auch so ein Ladenhüter)
Und wer wirklich einen braucht kauft einen Navarra oder einen Defender mit Ladefläche (besser und günstiger) oder einen Igelhaut Sprinter und für Amerika ist das Teil eh zu teuer. Vielleicht verkaufen die ja ein paar Stück an die Bundesregierung im Rahmen von UN Einsätzen oder als Geschenke für Afgahnistan.

Aber wir können sicher sein, das die Medien in Deutschland dieses Teil wieder wie üblich bejubeln werden.
JRx1 (20.06.2010, 04:09 Uhr)
Zu teuer fuer die USA
und die brauchen sowas - nicht Deutschland! Schade VW - das war daneben!
inspiration (20.06.2010, 03:20 Uhr)
at Lauterbach
Leider haben Sie meinen Kommentar nicht richtig gelesen oder verstanden. Von Haltbarkeit bei Chevrolet sprach ich in keinster Weise. Ebenso wuerde ich mir nach einigen GM Produkten keine Empfehlung erlauben.
Ich binde mich nicht an bestimmte Marken, habe Benzin im Blut und bestimmt schon Fahrzeuge von 25+ verschiedenen Herstellern gehabt.
In einigen Punkten haben Sie ganz recht. Die US-Diesel sind Entwicklungsstand
80er Jahre und machen in vielerlei Hinsicht keinen Sinn hier. Diesel ist etwa Preisgleich mit Superbenzin (uebrigens gibt es kaum noch deutsche Autos die mit Normalbenzin fahren). Allerdings gibt es(je nach Staat) auch keine "Diesel-Straf-Steuer" wie in Deutschland.
Die Isuzu Trucks sind nahezu baugleich mit GM Derivaten. Ebenso Mazda mit Ford. Suzuki mit Nissan, u.s.w. Und diese Marken sind weit verbreitete einsteiger Fahrzeuge.
Warum ich hier kommentierte: Ich fuhr auch VW. Leider!
Nachdem Sie sich wohl auskennen, brauche ich Ihnen zu diesem leidigen Thema nichts weiter zu sagen.
Gruesse wohin auch immer von der Westcoast. :-)
Lauterbach (20.06.2010, 01:35 Uhr)
@inspiration
Wieviele Diesel aus US Fertigung haben Sie bereits gefahren. Der Powerstroke Ford Diesel von unseren Bekannten steht laufend in der Werkstatt und verbraucht als Achtzylinder sogar mehr Diesel als die Benzin V8 Version.
Bei Chrevrolet von Haltbarkeit zu sprechen halte ich ebenfalls fuer sehr gewagt.

Schon mal einen Chevy Truck repariert? Wir fahren einen ISUZU Truck der auch in einer Chevy Verion angeboten wird, unsere Version ist dank einiger Modifikationen seitens ISUZU allerdings wesentlich stabiler.

Beim Amarok scheint mir der Verbrauch zu hoch sein und da man in den USA mit 55 Meilen und nur in einigen Bundesstaaten schneller unterwegs ist, sollte VW die PS Zahl und den Verbrauch zum Wohle des Drehmoments reduzieren.

Uebrigens ist Diesel in den USA teurer als Benzing. Der Vorteil beim VW Motor liegt auch u. a. darin das man Oelwechsel nur alle 15-20000 Meilen benoetigt. Das sieht bei den von Ihnen gelobten Chevys anders aus, da wird der Oelwechsel alle 5000 Meilen faellig und bei Trockensumpfschmierung werden schon mal 8-10 Liter Oel faellig.

Pickups machen schon Sinn, sind allerdings voellig sinnlos wenn man rasen will, da die Aereo-Dynamik den Express-Zuschlag fordert.
inspiration (19.06.2010, 21:19 Uhr)
Es wird genug Kaeufer geben. VW zehrt vom grossen Marketing. Auf dem amerikanischen Kontinent wird die Sache aber neutraler gesehen. Da befindet sich VW von der Zuverlaessigkeit und Langlebigkeit auf dem Level von Chevrolet und eben ganz hinten in der Liste.
Weniger Technikgimmigs sind zwangslaeufig haltbarer. Wer nicht durch Verbrauchsvorgaben gegaengelt wird, sollte einen Saugmotor bevorzugen.
Das mit den nicht haltbaren Softlacken, und in mode gekommenen Kunststoffen, im Innenraum scheint VW gut zu wissen und verwendet mehr Hartplastik im Amarok.
Eine extreme Gelaendefaehigkeit spreche ich diesem Fahrzeug ab. Schlaglochpisten oder gleichmaessige Steigungen moege er noch bewaeltigen. In lockerem Sand, Kies oder Schlamm wird sein Gewicht schnell zu erfahren sein. Ebenso die Laenge von weit ueber 5 Meter ist offroad absolut kontraproduktiv. Aufsitzen der Karosserie, ein grosser Wendekreis und doch stattliche Ueberhaenge.
Nachdem er sich auf der Strasse halbwegs angenehm faehrt, heisst das schlichtweg, im Gelaende fehlt es an Federweg und Verschraenkung.
Ach und abschliessend noch ein Wort zum Preis. Natuerlich laesst VW dieses Fahrzeug wieder billig im Ausland produzieren, gibt diese Preise aber nicht an den europaeischen Kunden weiter.
Vergleichbare Pick-up der Konkurrenz kosten bei uns in USA um die $ 20,000.
http://www.edmunds.com/truck/index.html?mktcat=new-truck-price&kw=truck+price+guide&mktid=ga30209542
Uebrigens hatte VW vor vielen Jahren schon mal Pick-up angeboten.
Nicht sehr erfolgreich.
Sunny greetings
H.
Bauzeichner (19.06.2010, 20:05 Uhr)
@susiwolf
Womit haben Sie nun ein Problem? 100% sind 45°. Auch wenn solche Steigungen im öffentlichen Verkehrsnetz sehr selten vorkommen, es sagt doch nur eine max. Grenze dessen aus, was dieses Auto leisen kann. Das sieht weltweit sicher anders aus, und dafür ist dieser Wagen hauptsächlich geplant worden.
susiwolf (19.06.2010, 18:44 Uhr)
bullige Steigung - vollbeladen.
Eine Steigung von 100% soll der 'Amarok' schaffen ...
Nun bin ich aber ein Freizeit-Cowboy mit großer Famiie und zerbreche mir gerade den Kopf, wie ich meine Klettertouren im Gelände planen sollte.
-
Nach Rücksprache sind z.B. Rampen im öffentl. Bereich mit max. 6% auszuführen (DIN 18024) ...
Im Straßenbaubereich wird doch mit Steigungenin Prozent gerechnet.
(tan *100) ...
oder muß ich den Pythagoras bemühen ?
-
Muß ich doch wohl die potenten Pickup-Käufer fragen ... ? Oder den VW-Vorstand?
Ein Studienkollege hat mir 'ne Übungsaufgabe gegeben:
Gegebene Funktion ...
f durch f (x) = 0,5 ^2 - x .. und ich soll f (3) ermitteln und die Steigung der Parabel an der Stelle x = 3 mittels Differentialquotient.
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Wer kann mir helfen? Ich will doch nur'n Amarok kaufen.
susiwolf (19.06.2010, 17:37 Uhr)
Verkaufsbeginn - heute !
Da hat der Oberverkäufer von VW - Gernot Kramper - tatsächlich einen midsized pickup so plaziert, daß dem VW-Vorstand die Tränen in den Augen stehen müssen ... Freudentränen.
-
Die 'Krise' sind aber nicht die Stückzahlen, sondern der Gebrauchswert.
Der 'motorradfahrende Reiter' oder 'gärtnernde Handwerker' als Zielgruppe ... ?
Nun gut, wieder ein Pickup mehr auf deutschen Straßen; aber wenn "Amarok" - dann nur mit Anorak beim Familienausflug.
Ansonsten: Reiten, Motorrad fahren, gärtnern oder handwerkeln.
Transporte kann man auch billiger durchführen.
troller (19.06.2010, 15:17 Uhr)
Sieht
man sich die Daten und Preise an, ist es ein Fahrzeug, welches auch die Mitbewerber anbieten. Die Zielgruppe wird dies schnell erkennen.
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