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Pick-up Volkswagen Amarok - Ein Bulle wird die Welt erobern

In der Heavy-Duty-Version, mit zuschaltbaren Allradantrieb und Untersetzung fürchtet der VW keine Steigung
In der Heavy-Duty-Version, mit zuschaltbaren Allradantrieb und Untersetzung fürchtet der VW keine Steigung
© Volskwagen
Ein Pick-up soll die Welt für Volkswagen erobern. Der mächtige Amarok glänzt mit eindrucksvollem Äußeren, einem kräftigen und sparsamen Triebwerk und rabiaten Geländefähigkeiten. Außerdem greift er die Konkurrenz mit Kampfpreisen an.

Mit dem Amarok baut Volkswagen erstmals einen eigenen "mid size" Pick-up. Übersetzt für deutsche Verhältnisse bedeutet "mid size" "sehr groß" und Pick-up "sehr selten". Mit dem Fahrzeugkonzept einer Fahrerkabine und einer offenen Ladefläche mochten sich im Stammland des Automobils bislang nicht einmal die Gärtner anfreunden. Entsprechend gering ist der Absatz, vor der Krise lag er bei etwa 12.000 Pick-ups im Jahr, 2009 blieb davon nicht einmal die Hälfte. Trotzdem soll ausgerechnet ein Pick-up Vollkswagen zum Autobauer Nummer Eins in der Welt machen. Woanders sieht das Bild nämlich anders aus. Nicht der Kombi, der SUV, der Kompaktwagen oder die Limousine führt die Hitliste der meistverkauften Bauformen an, sondern der Pick-up. Logisch also, dass ein Hersteller, der gar kein Modell im beliebtesten Segment der Welt anbietet, nur schwer der größte werden kann.

Ein Pick-up ist nicht das richtige Fahrzeug, wenn man in engen Gassen unterwegs ist, vom Parkplatzmangel gequält wird und Dauerregen obendrein die Ladefläche flutet. Aber vonm diesen Einschränkungen abgesehen ist das Konzept extrem vielseitig. Die große Stärke des Pick-ups ist seine Fähigkeit, privaten und beruflichen Nutzen zu vereinbaren. Er dient als landwirtschaftliches oder handwerkliches Nutzfahrzeug und steht mit einer separaten Kabine als sauberer Pkw-Ersatz zur Verfügung . Der Freizeitattitüde einiger Hobby-Cowboys verdankt der Pick-up weltweit jedenfalls nicht seinen Erfolg. Für Farmer in Nordafrika oder Südamerika ist ein Pick-up die erste Wahl. Auch den Fernsehzuschauern sind die robusten Geländefahrzeuge wohl bekannt, denn keine Bürgerkriegsmiliz kommt ohne den Toyota Hilux aus.

In der Heavy-Duty-Version, mit zuschaltbaren Allradantrieb und Untersetzung fürchtet der VW keine Steigung
In der Heavy-Duty-Version, mit zuschaltbaren Allradantrieb und Untersetzung fürchtet der VW keine Steigung
© Volskwagen

Mit dem Amarok stellt Volkswagen einen echten und ausgewachsenen Pick-up vor. Mit 5,25 Metern Länge ist der Amarok mehr als ausgewachsen. Ausgestattet mit Leiterrahmen, Starrachse mit Blattfedern hinten, großer Bodenfreiheit und großen Böschungswinkel kneift der Amarok weder im Gelände noch bei schlechtem Wetter. Im Double-Cab bietet er bequemen Platz für fünf Personen und besitzt eine großzügige Ladefläche von 1,56 Meter Breite und 1,62 Meter Länge. Eine Nutzlast von einer runden Tonne kann sich ebenfalls sehen lassen. 2011 wird eine zweitürige Single-Cab-Version mit zwei Sitzen und längerer Ladefläche folgen – dieses Modell ist hauptsächlich fürs Gewerbe interessant. Neben den beiden Kabinenformen wird der Amarok in drei Antriebsversionen hergestellt. Mit Heckantrieb, oder zuschaltbarem oder permanentem Allradantrieb. In Deutschland sollte der automatische Allradantrieb die bessere Wahl sein, allerdings gibt es eine Untersetzung nur mit dem zuschaltbaren Allradantrieb. Der reine Heckantrieb wird in Deutschland kaum eine Rolle spielen. Wegen des geringeren Preises wird er weltweit aber nachgefragt. Mit Allrad zeigt der Amarok echte Offroad-Qualitäten. 100 Prozent Steigung sind selbst bei voller Zuladung kein Problem. Immer ist eine elektronische Differenzialsperre mit automatischem Bremseingriff an Bord. Eine mechanische Differenzialsperre für die Hinterachse gibt es als Extra. Die Fähigkeiten, die bei einem Edel-SUV niemals abgerufen werden, machen hier Sinn, denn bei einem Pick-up im Forst oder auf Baustellen kommen sie häufig zum Einsatz.

Unterwegs war der Amarok mit einem 163 PS starken Zweiliter-TDI mit Common-Rail-Direkteinspritzung und zweistufiger Bi-Turboaufladung. Der Diesel liefert bei 1500 Umdrehungen ein Drehmoment von 400 Nm ab. Damit ist der Pick-up sehr standesgemäß unterwegs und genehmigt sich doch nur einen Verbrauch von 7,8 Litern. Ein kleiner Motor mit 122 PS wird folgen. Für den privaten Käufer ist er eher uninteressant, denn die Freizeitkunden werden eher nach einem stattlichen Sechszylinder verlangen. Neben der überzeugenden Geländeperformance fährt sich der Amarok im Straßenverkehr sehr zivil. Die Fahrerkabine bietet Wohnkomfort wie in einem Pkw und ist schallgedämpfter, als erwartet. Im Alltag muss man natürlich immer Rücksicht auf Wendekreis und Größe des Fahrzeuges nehmen. Üble Überraschungen im Fahrverhalten spürt man dagegen nicht.

Der private Interessent sollte sich nicht von angekündigten günstigen Gewerbemodellen blenden lassen. Ein Pick-up als Lust-Laster geht ins Geld. Mit Allradantrieb, stärkeren Motor und etwas Ausstattung kostet der Geländebulle schnell 34.000 Euro – ist damit allerdings immer noch wesentlich günstiger als ein großer SUV. Anders als von VW Nutzfahrzeuge gewohnt, startet der Amarok mehr oder weniger gleichauf mit den Listenpreisen der Konkurrenz, der sonst übliche Volkswagen-Aufschlag entfällt zunächst. In Deutschland strebt Volkswagen die Marktführerschaft an. Das wird auch gelingen, die Konkurrenz von Toyota, Mitsubishi, Nissan und Mazda ist dem Vertrieb des Giganten aus Hannover nicht gewachsen. Zumal das Produkt keinen Vergleich zu scheuen braucht. In einem Land ohne Pick-up-Tradition wird eine Autolegende wie der Toyota Hilux kaum von seinem Ruf profitieren – einfach weil ihn hier niemand kennt.

Sicherlich wird das Engagement von Volkswagen auch dazu führen, dass der Pick-up insgesamt beliebter wird. Aber Wunder wird der Amarok nicht wirken können. Der Fahrkomfort des Leiterrahmen-Autos ist gut, kann aber nicht mit einem SUV oder Kombi konkurrieren. Auch die Double-Cab ist beileibe nicht die Lösung für alle Probleme. Wenn vier Personen an Bord sind, muss etwaiges Gepäck auf die offene Ladefläche. Spannend ist der Amarok also für Kunden, die mit ihm ihr Hobby pflegen wollen, für Reiter und Motorradfahrer etwa. Punkten wird er auch als Alternative für Handwerker, die mit einem Allradantrieb liebäugeln und ein ansehnliches Auto für private Zwecke und Gewerbe suchen. Wer bislang zwei Autos unterhielt, wird den Offroad-Zuschlag leicht verdauen können. Und neben einem biederen Lieferwagen sieht der Amarok einfach mächtig aus.

Anmerkung zu den Kommentaren

Die Steigungen im Straßenbau werden anders berechnet als die Gradzahlen beim Geo-Dreieck. 100 Prozent Steigung entprechen 45 Grad – eben 1 Meter Höhe auf 1 Meter Bodenlänge.

Im Artikel steht es bereits, aber zur Verdeutlichung: VW wird mit dem Amarok Deutschland nicht in ein Pick-up-Land verwandeln. Innerhalb des in Deutschlands kleinen Segments "Mid Size Pick-p" wird der Amarok aber fraglos eine Rolle spielen. Über Erfolg oder Misserfolg der Reihe entscheiden andere Märkte auf der Welt.

Unnötig? In Ländern in denen Pick-ups erfolgreich sind, werden sie entsprechend benutzt. Als reines Freizeitfahrzeug spielt der Pick-Up nur eine untergeordnete Rolle.


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