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29. Januar 2010, 09:09 Uhr

Mein Leben ohne Apple

iPod, iPhone, iTunes - und jetzt iPad. Alle lieben Apple, alle leben in der iWelt. Wirklich alle? Nicht so Philipp Engel. Unser Autor versteht den ganzen Hype nicht. Und fühlt sich auch ohne Apple wohl. Ein Erlebnisbericht.

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Das ist kein Smartphone, kein iPhone, sondern ein normales Handy - mehr braucht unser Autor nicht© Johannes Eisele/DDP

Einer meiner Lieblingsfilme ist "Forrest Gump". In einer Szene erfährt Forrest, dass Dan, sein Freund, sein Geld investiert hat - und zwar in irgendein Unternehmen, das mit Obst zu tun hat. In der Hand hält Forrest einen Brief, auf dem ein angebissener Apfel zu sehen ist - das Apple-Logo.

Mein Verhältnis zu Apple war lange ähnlich. Zwar wusste ich immerhin, dass die Computer herstellen. Mehr aber auch nicht. Ich konnte ja auch damals schon mit dem Netscape Navigator ins Internet, der PC funktionierte. Ein paar Nerds hatten sich Macs hingestellt. Aber das war eine Randerscheinung.

Heute ist Apple einfach überall. Keine Bahnfahrt, ohne dass jemand seinen iPod zückt, dauernd wischt jemand mit den Fingern auf seinem iPhone herum. Im Sprachgebrauch hat Apple die Ei-laute erobert und hält sie besetzt: iPod, iPhone, iTunes, iBook, iTunes, jetzt noch iPad. Einigkeit? Eierbecher? Einheimische? Vergessen Sie's. Wortschatz-Randerscheinungen.

Technisch zufrieden, sozial ausgegrenzt

Ich bin in dieser iWelt ein Außenseiter - aber das stört mich nicht. Seit gut zwei Jahren habe ich einen Mp3-Player. Schwarz-Weiß-Display, es werden keine Cover angezeigt. Alles, was nur drangeklebt war, ist mittlerweile ab. Das Display ist zerkratzt. Er ist mir x-mal runtergefallen, ich habe Flaschen mit ihm geöffnet und sogar eine Waschmaschine hat er schon von Innen gesehen: 40 Grad, Schleudergang. Aber er funktioniert, erfüllt seine Pflicht und hat nur 20 Euro gekostet. Wenn er den Geist aufgibt, ist es kein großer Verlust. Wozu brauch' ich einen iPod?

Und ich habe ein Handy. Das ist ein Jahr alt. Ich kann damit telefonieren, SMS schreiben und schlechte Fotos machen. Ich bin zwar nicht immer online, aber, wenn's unbedingt nötig ist, komme ich mit dem Ding auch ins Internet. Ich kann damit leben, offline zu sein - sogar eine, zwei, drei Stunden. Wozu brauche ich also ein iPhone? Und wozu brauche ich Apps, wenn ich mir eine Url merken kann? Wozu brauche ich iTunes, wenn ich weiß, wo ich meine Musik auf meiner Festplatte finde?

Nein. Technisch bin ich vollauf zufrieden. Und eigentlich finde ich mich ganz vernünftig, erwachsen sogar. Denn ich verhalte mich nicht wie ein vierjähriges Kind, das den unbändigen Drang verspürt, jedes mir hingehaltene, völlig überteuerte Spielzeug sofort haben zu wollen. Aber der Preis ist hoch. Denn die kindische iBohème straft mit sozialer Ächtung. Bei jeder lustigen Runde, in der man sich unterhält, holt irgendwer irgendwann ein iPhone raus. Dann redet man über neue Apps, neue Versionen, Probleme mit dem Gerät und darüber, was man damit alles machen kann. Und jeder kann was zur Diskussion beisteuern - außer mir. Ich kann mich nicht einmal in den Disput zwischen Apple-Hassern und -liebhabern einmischen, denn es interessiert mich schlicht nicht. So lädt man mich künftig nicht mehr ein in die erlesene Runde der Obstler, man meidet mich wie der Apfel den Wurm, wie die genmanipulierte Obstplantage den Umweltaktivisten.

Ich mache mir nichts vor: Apple wird so schnell nicht verschwinden. Im Gegenteil. Die kleinen Designerspielzeuge werden das Leben irgendwann derart durchziehen, dass ich wirke wie ein Dinosaurier, der sich an Grammophon und Volksempfänger erfreut. Ich sehe schon kommen, dass ich der letzte bin, der mit Messer und Gabel isst, während der Rest der Welt es verlernt hat. Sie brauchen es ja auch nicht, denn auch dafür gibt es sicherlich eines Tages eine App. Ich rutsche immer weiter ins Abseits der iGesellschaft.

Mein Trost? Dass ich fest davon überzeugt bin, dass ein Leben ohne Apple möglich ist - und: dass Forrest Gump mit seiner Investition noch unversehens richtig reich geworden ist, obwohl er mit dem Obst eigentlich gar nichts am Hut hatte. Wenn das mal kein Grund ist, weiter ein gewisses Desinteresse zu pflegen.

Philipp Engel
 
 
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