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9. August 2006, 17:26 Uhr

Wie ein Parkhaus Autos als Geiseln nahm

Im Städtchen Hoboken in New Jersey wollte ein vollautomatisches Parkhaus die in ihm abgestellten Autos nicht mehr herausrücken. Was wie ein Defekt aussah, erwies sich als eine Art Geiselnahme durch eine Maschine.

Die Autos werden von Liften wegsortiert© Robotic Parking

Was im Juli in Hoboken im US-Bundesstaat New Jersey passierte, könnte aus einer Science-Fiction-Kurzgeschichte stammen oder aus dem Film "Terminator 3", der den in diesem Zusammenhang sehr treffenden Untertitel "Aufstand der Maschinen" trägt.

Die Stadt Hoboken betreibt ein Parkhaus, das vollautomatisch Autos annimmt, wegsortiert und in nur 30 Sekunden seinem Besitzer wieder zurückgibt. Die Konstruktion aus verschiedenen Hebebühnen und Fahrstühlen ermöglicht eine hocheffiziente Ausnutzung des Raums. Der Hersteller Robotic Parking aus Clearwater in Florida bietet verschiedene Modelle an, die zwischen zehn und mehr als 5000 Autos aufnehmen können.

Ein Bauch voller Autos und dann... Verstopfung

In der vergangenen Woche ging in der Garden Street Garage in Hoboken plötzlich nichts mehr. Der riesige Roboter mit seinem Bauch voller Autos wollte die Vehikel einfach nicht mehr ausspucken. Was war passiert? Ein Stromausfall? Ein falsch gedrückter Knopf? Sabotage durch die Fahrradlobby?

Die Stadt hatte einfach eine Rechnung nicht bezahlt. Das vollautomatische Parkhaus nahm seine Gäste quasi als Geiseln. Das hochkomplexe Gebäude funktioniert nur mit der dazugehörigen Steuersoftware. Hoboken hatte die monatlichen Lizenzgebühren nicht entrichtet - und nicht damit gerechnet, dass sich die Software dann automatisch abschalten würde. In diesem Fall lassen sich die Fahrzeuge nicht aus dem Lager herausholen, zumindest nicht ohne Schäden an Auto und Gebäude. Die Fahrzeugbesitzer schauten in die Röhre.

Erst Streit, dann Einigung

Ende 2005 war die erste Lizenzvereinbarung abgelaufen, danach wurde sie jeweils nur für einen Monat verlängert. Im Juli lief die Lizenz ab, ohne verlängert zu werden. Vertreter der Stadt und der Firma trafen sich vor Gericht. Die Stadt sprach von "Fallen", die in die Software eingebaut seien. "In diesem Fall geht es einfach darum, dass die Stadt Software ohne Lizenz benutzt hat", entgegnete Dennis Clarke von Robotic Parking gegenüber Wired News. In der folgenden juristischen Auseinandersetzung ging es noch um weitere vertragliche Streitpunkte, doch am Ende einigten sich beide Seiten außergerichtlich: Die Stadt zahlt 5500 US-Dollar monatlich für eine Drei-Jahres-Lizenz, der Hersteller stellt weiterhin technische Unterstützung zur Verfügung - und beide Seiten sprechen nicht weiter darüber.

Wir lernen: Der Mensch ist abhängiger von Software, als er denkt. Und Mahnungen kommen nicht immer mit der Post.

Ralf Sander
 
 
 
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