Just, als ich hier so klicke, kriege ich über einen RSS-Feed eine Warnung von einem PC-Magazin rein. Bei einem anderen B2B-Portal wurde festgestellt, dass nur 10 Prozent der Käufer ihre bestellten und per Vorauskasse bezahlten Waren zum Superpreis überhaupt erhalten. 90 Prozent werden also gezielt betrogen. Da in meinem Portal über meinen Händler auch steht, dass der Händler noch gar nicht geprüft ist, bin ich sehr, sehr vorsichtig und löse vorerst keinen bindenden Schnäppchenkauf per Mausklick aus. Stattdessen rufe ich die angegebene Telefonnummer des Händlers in Oranienburg an. Da geht aber nur das Fax ran. Komisch. Ich will das Billig-iPhone aber haben und schreibe deswegen eine Mail an den Anbieter. Ob der Preis denn wirklich stimmt. Schnell kommt eine Antwort:
"Apple iPhone 3G 16GB entsperrt 290 Euro. Unsere gesamte Produkt kam mit 2 Jahren internationale Garantie für jedes Objekt verkauft, um unsere Kunden. Wir liefern per FedEx Express Lieferung Haustür. Unsere Sendung dauert nur 2 Tage bis vor die Haustüre. Wir akzeptieren Bank t / t für große Um-und Western Union, um für die kleinen. Wir werden gerne wissen, wie viele Einheiten Sie wollen. Ich bin sehr gespannt auf Ihre E-Mail. Danke. Werner"
Werner aus Oranienburg schreibt aber ein schlechtes Deutsch. Das macht mich misstrauisch. Das - und der Fakt, dass es sich bei der Firma nur um eine Limited handelt und nicht um eine GmbH. Und Western Union, das ist doch genau die Zahlungsart, die weltweit am liebsten von Betrügern eingesetzt wird, weil es so einfach ist, das Geld überall auf der Welt abzuheben und damit zu verschwinden. Ich hake nach und Werner besteht auf Western Union, weil ich ja nur ein einziges Handy haben möchte - und nicht alle 40 auf einmal. Ich kontere und maile, dass ich auf Lieferung mit beiliegender Rechnung und einer sich erst danach anschließenden Zahlung auf ein normales Bankkonto bestehe. Werner antwortet:
"Hallo, Vielen Dank für die E-Mail. Bitte tut mir leid wir nur Bank t / t für große, um 3000 EUR und über Western Union und für die kleinen, um unter 3000 GBP. Bitte wir sind angemeldet und berechtigten Unternehmen hier in Großbritannien. Wenn Sie nicht sicher genug, sich mit uns, können Sie versuchen, anderen Anbietern. Danke. Werner."
Schau einer an, Werner sitzt auf einmal in England und gar nicht mehr in Oranienburg. Langsam muss ich grinsen. Wenn es eine Checkliste für einen offensichtlichen Web-Betrug geben würde, dann würde Werner sie alle erfüllen. Ein unschlagbar günstiges Angebot. Vorauskasse. Bezahlen per Western Union. Nebulöser Standort. Tatsächlich gibt es in Werners Mail keine Kontaktdaten. Er hat eine Hotmail-Adresse. Also frage ich - inzwischen auf Englisch - nach einer Homepage, um mir hier die Firmendaten anzusehen:
"Hello, Thanks for the mail. Please I am so sorry our website is currently under maintenance. Like I told you before, our shipment takes just 2 days to your doorstep. We will confirm your payment via western union before we ship out and send you your shipping address and phone number. Please if you are still interested in dealing with us, kindly send us your shipping address and phone number so we can proceed. I await your mail. Thanks. Werner."
Also eine Homepage gibt es auch nicht. Also breche ich den Kontakt zu Werner umgehend ab und erinnere mich an den alten Spruch: Wenn etwas zu gut aussieht, um wahr zu sein, dann ist es das meist auch nicht. Schade. Dann muss ich mit meinem iPhone-Kauf wohl noch etwas warten. Bis ich aus Zufall das ultimative Schnäppchen finde.
Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania
Mehr von Carsten Scheibe In seiner Freizeit geht Carsten Scheibe golfen - und arbeitet daran, dass der Golfball auf der selben Bahn ankommt, von der er abschlägt. Wenn's mit dem Spielen nicht so gut klappt, schreibt er lieber - für das eigene, kostenfrei in den Golf-Clubs ausliegende Magazin "Mein Golf-Heft". Das gibt's mit allen Artikeln auch im Internet. Natürlich ist der PC auch hier ein Thema.