Google Maps
So enttarnen Sie Manipulationen scheinbar perfekter Bewertungen

Google Maps-Bewertungen top, Realität Flop – wie kann das sein?
Google Maps-Bewertungen top, Realität Flop – wie kann das sein?
© smiiankaterina / Imago Images

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Deutsche Unternehmen können unliebsame Kritik auf Google Maps recht einfach löschen lassen. Eine neue Funktion legt nun aber offen, wie oft sie davon Gebrauch machen.

Wer einen schönen Tag für sich, seinen Partner oder Freunde und Familie planen möchte, nutzt dazu häufig Google Maps. Hier kann man nachschauen, welche Cafés, Restaurants, Hotels oder Eventangebote es in den entsprechenden Regionen gibt, wann diese geöffnet haben, wie die Preise angesetzt sind – und welche Bewertungen andere Kunden bereits hinterlassen haben. Ein guter Richtwert, sollte man meinen. Und doch enttäuscht das mit 4,8 Sternen bewertete Restaurant dann mitunter. Wie kann das sein?

Es handelt sich hier interessanterweise um ein sehr deutsches Problem: Das bundesdeutsche Recht räumt Betrieben ausgesprochen weitreichende Möglichkeiten ein, ihren Ruf zu schützen. Und das auch im Netz. 

So kann ein Betreiber recht leicht behaupten, eine Kritik sei ungerechtfertigt und rufschädigend, oder der Kunde sei gar nicht wirklich vor Ort gewesen. In dem Fall löscht Google die Bewertung vorerst und fordert vom Kritiker Beweise für das, was in der negativen Rezension berichtet wird – ein Aufwand, den sich viele Menschen dann schlicht nicht mehr machen (wollen). Wenn es ihnen überhaupt möglich wäre, das Erlebte zu beweisen.

Ganze 99,97 Prozent aller Löschanfragen für unliebsame Google-Maps-Rezensionen innerhalb der EU kamen 2025 aus Deutschland, so die Verbraucherzentrale Berlin. Andersherum: Von 1,6 Millionen Löschungen wurden nur 450 nicht hierzulande vorgenommen. 

Google Maps muss in Deutschland viele Rezensionen löschen

Google selbst muss sich an rechtliche Vorgaben halten und kann dagegen wenig tun – dennoch hat man sich jetzt einen Weg einfallen lassen, um das Bewertungssystem etwas transparenter und realitätsnäher zu gestalten. Nutzer können nämlich nun sehen, wie viele kritische Bewertungen ein Unternehmen hat löschen lassen.

Natürlich gibt es viele valide Gründe, warum etwa ein Restaurantbetreiber Bewertungen entfernt haben möchte. Vielleicht war da ein Kunde nicht glücklich darüber, dass man ihn wegen zu hohen Alkoholpegels nach draußen gebeten hat. Vielleicht hat einer das Restaurant mit einem anderen verwechselt, und die schlechte Kritik ist unberechtigt. Womöglich hat jemandem bloß das Aussehen der Kellnerin nicht gepasst. Oder jemand wurde in seiner Rezension verbal ausfällig. Vielleicht war es auch ein Konkurrent, der versucht hat, mit Fake-Kritik die Kunden zu sich selbst zu lotsen.

So etwas kann allerdings unmöglich auf 40 Prozent aller Bewertungen zutreffen – und wenn jetzt bei bestimmten Betrieben ersichtlich ist, dass diese extrem großzügig mit Löschanträgen waren, dann sagt das für potenzielle Kunden natürlich etwas aus. Vermutlich wird man ein solches Etablissement eher mit Skepsis betrachten und doch lieber anderswo hingehen.

Neues Google-Maps-Feature schafft Transparenz

Auch in den sozialen Netzwerken, wie etwa auf Reddit, sorgte die Neuerung für großes Interesse. Und auch für Häme. In verschiedenen Städten begannen Menschen, auf Google Maps die „Lösch-Könige“ zu suchen – die Unternehmen, die am meisten kritische Rezensionen haben entfernen lassen. Wer bisher also besonders viel Wert auf sein Image legte, könnte nun aus einem anderen, deutlich unangenehmeren Grund zum Gesprächsthema werden.

So sieht die neue Google Maps-Funktion aus
So sieht die neue Google Maps-Funktion aus
© Screenshot Google Maps

Die neue Funktion wird aktuell schrittweise ausgerollt, sie ist bislang nicht für jeden Nutzer oder bei jedem Unternehmen sichtbar. Dort, wo man diese Information bereits finden kann, erscheint sie, wenn man das Unternehmen auf der Google-Maps-Karte anklickt und im dann erscheinenden Übersichtsfenster den Reiter „Rezensionen“ (findet sich größtenteils zwischen „Übersicht“ oder „Speisekarte“ und „Info“) auswählt. Die Angaben beziehen sich immer auf die vergangenen zwölf Monate und werden nicht exakt fallgenau, sondern in Spannen angegeben. 

Nutzer sollten bei der Einordnung dieser Zahlen immer die Gesamtzahl der Bewertungen mit der Zahl der gelöschten Bewertungen in Relation bringen. Hat ein Unternehmen 20.000 Bewertungen und 250 davon gelöscht, ist das nicht besonders viel. Hat es jedoch nur 800, und davon 250 löschen lassen – das ergibt ein anderes Bild. Wie immer im Internet gilt also: mitdenken, den Einzelfall betrachten und nie blind vertrauen. 

wt

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