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11. Mai 2009, 14:16 Uhr

Kein perfekter Mord

Mit dem beklemmend inszenierten Thriller "Still Life" erzielte das französische Team Microids 2005 einen Adventure-Achtungserfolg. Die gerade erschienene Fortsetzung ist nicht minder spannend, wirft aber auch einige Fragen auf.

still life 2, adventure, krimi

Pamela und Vic (r.) sind in Lebensgefahr© Microids

Ein digitaler Krimi für Erwachsene, in dem nicht verquere Rätsel, sondern Spannung und Atmosphäre im Vordergrund stehen - das ist "Still Life" aus dem Hause Microids. Während Teil eins vor vier Jahren die Spieler in der Schlusssequenz mit einem etwas ernüchternden Cliffhanger zurückließ, hält "Still Life 2" am Ende ebenfalls eine Überraschung bereit.

Victoria "Vic" McPherson ist frustriert. Seit Jahren ist die ehemalige FBI-Agentin einem Serien-Killer auf den Fersen, der an der Ostküste der USA immer wieder junge Frauen verschleppt, um sie zu quälen und schließlich zu töten. Seine Gräueltaten zeichnet der Kerl auch noch auf Video auf und hat sichtlich Spaß daran, seine "Werke" an die Medien zu schicken. TV-Journalistin Paloma Hernandez überschüttet Victoria in ihren News-Beiträgen mit Häme und Spott, weil sie es in der langen Zeit immer noch nicht geschafft hat, dem Killer das Handwerk zu legen. Bis sie selbst in die Fänge des Verbrechers gerät ...

Ein digitaler Krimi für Erwachsene, in dem nicht verquere Rätsel, sondern Spannung und Atmosphäre im Vordergrund stehen - das ist "Still Life" aus dem Hause Microids. Während Teil eins vor vier Jahren die Spieler in der Schlusssequenz mit einem etwas ernüchternden Cliffhanger zurückließ, hält "Still Life 2" am Ende ebenfalls eine Überraschung bereit.

Im Folgenden wechselt der Spieler zwischen den beiden Protagonistinnen hin und her, recherchiert einmal als Vic mit Forensik-Köfferchen und Laptop die Hintergründe der Mordserie und versucht dann wiederum, sich als Paloma aus der Gewalt ihres Entführers zu befreien und ihr nacktes Überleben zu sichern. Dadurch entwickelt "Still Life 2" einen intensiven Spannungsbogen, der den Spieler trotz aller Schwächen des Programms komplett in seinen Bann zieht. Kleine Zwischensequenzen mit drastischen Bildern, ungewöhnlichen Kameraeinstellungen und ausgefeilter Dramaturgie jagen einem dabei immer wieder kalte Schauer über den Rücken.

Die Rätsel, die die beiden Damen zu lösen haben, sind mit gesundem Spürsinn leicht zu bewältigen und meist logisch aufgebaut. Warum der Mörder Paloma in einem Zimmer gefangen hält, in dem ihr alle Ausbruchsutensilien quasi auf dem Silbertablett serviert werden, dürfte aber wohl auf ewig ein Geheimnis der Entwickler bleiben: Die Nagelfeile liegt in der Schublade bereit und direkt neben dem Ofen der Schürhaken, mit dem das mit Brettern zugenagelte Fenster im Handumdrehen aufgehebelt ist.

Schlimmes Inventarsystem

Das Einzige, was dem schnellen Puzzle-Knacken im Weg steht, ist das umständliche Handling des Inventars. Vic und Paloma können nämlich nicht beliebig viele oder große Gegenstände mit sich herumschleppen, diese aber auch nicht einfach am Boden ablegen. Stattdessen müssen sie sich Schränke oder Kisten als Stauräume suchen. Nervige Laufwege sind damit programmiert.

Die Geschichte von "Still Life 2" ist spannend bis zum ungewöhnlichen Ende - und nichts für schwache Nerven, obwohl auf Splatter-Effekte vollends verzichtet wird. Eigentlich erstaunlich, denn in Sachen Präsentation hätte man noch vieles besser machen können: Die klobige 3-D-Grafik hinkt der aktuellen Entwicklung um Jahre hinterher, die Figuren sind schlecht animiert und wirken wie plumpe Gliederpuppen. Auch mit der Lippensynchronität der durchwachsenen Sprachausgabe ist es nicht weit her. Trotzdem: "Still Life 2" garantiert Freunden von morbiden Thrillern einige Stunden Gänsehaut vor dem heimischen PC.

Still Life 2
Hersteller/Vertrieb Microids/rondomedia
Genre Adventure
Plattform PC
Preis ca. 30 Euro
Altersfreigabe ab 16 Jahren
Herbert Aichinger/Teleschau
 
 
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