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1. Januar 2008, 11:27 Uhr

Finger weg von zweifelhaften Quellen

Eine Verschärfung des Urheberrechts ist in Kraft getreten: Von nun an ist das Nutzen "offensichtlich rechtswidriger" Angebote strafbar. Das Gesetz zielt besonders auf Downloads von Filmen und Musik aus dem Internet. Und auch wer selbsterstelltes Material online veröffentlicht, muss vorsichtig sein.

Wer im Urlaub auf dem Flohmarkt DVD-Schnäppchen jagt, kann relativ sicher sein, Raubkopien gekauft zu haben. Der Zoll kann sie einziehen© Aly Song/Reuters

Wer aus zweifelhaften Quellen im Internet Musik oder Filme auf den eigenen Computer herunterlädt, macht sich vom neuen Jahr an strafbar. Darauf hat der Branchenverband Bitkom hingewiesen. Das in diesem Punkt bislang nicht eindeutige Urheberrecht sei entsprechend verschärft worden, erklärte der Verband. Nach der neuen Gesetzeslage dürfen "offensichtlich rechtswidrige" Angebote nicht genutzt werden. Vorsicht sei deshalb bei kostenlosen Angeboten angesagt. Manchmal böten freilich Künstler und kommerzielle Anbieter Gratis-Songs zu Werbezwecken an. Dann sei der Download rechtlich unbedenklich.

Generell gelte, dass auch weiterhin alle Rechte beim Urheber eines Werkes lägen, erläuterte der Verband. Privatkopien würden aber geduldet. Das Kopieren einer Original-CD oder die Zusammenstellung eines Musik-Mix für Freunde sei zulässig, solange es bei geringen Stückzahlen bleibe. Eine feste Grenze gebe es nicht. Vor Jahren habe jedoch die Rechtsprechung ein Maximum von sieben Kopien akzeptiert.

Eindeutig verboten ist aber die Umgehung eines Kopierschutzes. Solche CDs könnten analog zum Beispiel auf Kassette überspielt werden (was einen Qualitätsverlust bedeutet). Die direkte digitale Kopie nach Knacken des Schutzes gilt jedoch als Raubkopie und kann mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet werden. Strafbar macht sich auch, wer eine offensichtlich unrechtmäßige Kopie weiter vervielfältigt. Gebrannte Spielfilme sollten immer misstrauisch machen: Nahezu alle DVDs enthalten einen Kopierschutz. Bei Filmen, die für die Kinos angekündigt, aber noch nicht angelaufen sind, ist die Legalität grundsätzlich zweifelhaft.

Vermeintliche Schnäppchen im Urlaub

Gesundes Misstrauen ist nach den Ratschlägen von Bitkom bei Urlaubsschnäppchen angesagt. Es kann sich dabei um professionelle, täuschend echt wirkende Raubkopien handeln. Sie kann der Zoll ersatzlos beschlagnahmen.

Vorsicht auch bei der eigenen Homepage

Computernutzer müssen das Urheberrecht auch auf der eigenen Homepage beachten. Wer mit Musik aus kommerziellen Quellen untermalte Urlaubsfilme im Internet veröffentlicht oder das Lieblingslied spielen will, muss sich in der Regel an die Gema wenden und Rechte erwerben. Das gilt auch für Podcasts, also selbst produzierte Radiosendungen im Netz. Es ist nicht zulässig, urheberrechtlich geschützte Inhalte ohne Erlaubnis öffentlich zugänglich zu machen. Das gilt auch für Bilder, die beispielsweise von einer anderen Webseite kopiert wurden, oder für Landkartenausschnitte: Wer den Weg zu einer Party zeigen will, sollte lieber selbst eine Skizze machen, denn natürlich haben auch die Kartenverlage geschützte Rechte an ihren Produkten.

 
 
KOMMENTARE (10 von 34)
 
avni (02.01.2008, 21:54 Uhr)
Zweifelfrei echt ohne Zweifel am Frei?
Wer kann im Internet eigentlich zweifelsfrei feststellen, ob etwas wirklich legal ist?
Ich rieche wieder eine Geldmaschine beim "In die Pfanne haun" der "kleinen Leute".
Stell was ins Netz und sag der Download sei legal und setze anschließend die Anwälte drauf an.
Eine neue Spielwiese für alle Abmahnprofis & Co.
atride (02.01.2008, 09:45 Uhr)
jede wette,
dass "die musikindustrie" sehr bald vollen zugriff auf die daten der vorratssdatenspeicherung bekommt. so fresse wir dumpfbacken es halt: eine maßnahme wird uns zur "terrorabwehr" verkauft, und dann doch jedem zu Verfügung gestellt... wenn ich mir die abwicklung des rechtsstaates derzeit anschaue, weiß ich wirklich nicht mehr ob ich lachen oder kotzen soll...?!
RolfZinner (02.01.2008, 08:49 Uhr)
Das Ende der Musikindustrie
läßt sich durch solche Gesetze auch nicht mehr aufhalten. Die Lobby ist so stark, dass ihre Ideen jetzt schon in Gesetze geschrieben werden. Was hilft sind Aufklärungsinitiativen, wie z.B. die "Initiative gegen die Kriminalisierung der Schulhöfe".
Da traut sich endlich mal jemand gegen die Lobby zu schießen und zeigt den Kindern eine legale Alternative, statt immer härtere Gesetze und den erhobenen Zeigefinger.
Wie ich gesehen habe ist die Inititative in NRW gestartet und wird von einem kleinen Verein mit dem witzigen Namen Tauschnix geführt. Hoffentlich werden die Jungs auch überregional aktiv, damit unsere Kinder nicht schon auf dem Schulhof zu "Kriminellen" werden.
Michael_Weber (02.01.2008, 08:49 Uhr)
Lachhaft
Die ganze Dikusion ist lachhaft. Schon die angeblichen Umsatzeinbußen der Musikindustrie sind erlogen. Früher wurden die Songs die man haben wollte halt aus dem Radio mitgeschnitten, und wenn jemand ein coole Schallplatte hatte wurde sie auch an alle Freunde weitergegeben.
Auch damals hat man jedes Stück das man wirklich haben wollte bekommen. Und die richtig coole Musik hat man sich trotzdem auf Vinyl gekauft.
Die Musikindustrie hat schafft es einfach nicht genug Musik zu liefern die so gut ist das sie auch bezahlt wird, ist halt zu 90% nur Schrott.
hei_zen (01.01.2008, 23:39 Uhr)
Raub
@ peterhumbug
Wenn man keine Ahnung hat was einen Raub ausmacht, sollte man einfach mal den Duden o.ä. zur Hand nehmen und dort nachschlagen.
Spätestens dann wird einem auch ganz schnell auffallen, dass das Wort "Raubkopie" ein schwachinniger Neologismus der Musikindustrie ist um etwas, dass im digitalen Zeitalter selbstverständlich ist, alleine schon verbal möglichst stark zu kriminalisieren.
salz63 (01.01.2008, 23:03 Uhr)
@peterhamburg
Musik weiterzugeben ist sicher nicht mit einem Bankraub vergleichbar, "Raub" ist juristisch eine ganz andere Kategorie, daß Sie zu diesem Begriff greifen kann man sicher zu den Folgen der Kriminalisierungskampagne der Musikindustrei zählen. Diebstahl, also Wegnahme ohne Gewaltandrohung oder -anwendung, wäre schon ein recht hoch gehängter Begriff, denn es ist nicht mehr als eine Urheberrechtsverletzung (nicht, daß das nicht schlimm wäre.)
Ich bin selber Fotograf, erstelle also selbst permanent urheberrechtlich geschützte Werke, würde jemand meine Bilder nachdrucken, sie weiterverkaufen, würde ich mich auch wehren, wenn sie aber jemand rumzeigt und damit in gewisser Weise Werbung für mich macht, ist das doch was anderes.
Ich besitze mehrere hundert gekaufte Alben, die meisten, weil mir irgendwann mal jemand eine Cassette oder CD-Kopie gegeben hat, damit ich mir das mal anhöre. Wenn die Musikindustrie diese Form der Verbreitung von Musik nun zu unterbinden versucht, dann wird man in Zukunft nurnoch von jenen Künstlern hören, die die Musikindustrie aktiv bewirbt, also die Kübelböcks und ...(tja, jetzt muß ich passen, von den anderen DSDS Gewinnern weiß ich die Namen nicht mehr).
Und dann fällt mir jetzt noch die Frau ein, die neulich hier in einem Telekom-Laden ganz aufgelöst neben mir stand und bei den (inkompetenten, was sonst) Telekomverkäufern nach Hilfe suchte, weil sie (oder die Bedienungsanleitung der Telekom) wohl zu doof war ihren WLAN-Router abzusichern und sie nun eine Abmahnung über 12.000 Euro bekommen hatte, weil wohl jemand über ihr Netz ein Lied runtergeladen hat, daß sie nichtmal kannte. Soviel zum Thema Kriminialsieren!
peterhamburg (01.01.2008, 22:18 Uhr)
War ja nur ein kleiner Bankraub...?
Kann nicht verstehen, was die Stern-Leserschaft für eine Meinung zum geistigen eigentum anderer hat - kann wohl nur am Mangel der eigenen geistigen Fähigkeiten liegen.
Juppo (01.01.2008, 22:02 Uhr)
Jugendliche und Kinder kriminalisieren
Jetzt hat es die Lobiisten der Musikindustrie geschafft den Politikern ihre Regeln in die Gesetzte zu schreiben. Anständige Bürger aber vor allem Kinder und Jugendliche die ahnungslos Musiktitel tauschen werden kriminalisiert. Wirtschaftskriminelle die den Staat und Mitbürger im Millionenbereich betrügen kommen oft ungeschoren davon. Armselige und korrupte Politik. Ich verstehhe immer mehr die Nichtwähler.
Turmfalke (01.01.2008, 21:17 Uhr)
Künstler
Die " Künstler " erhalten von der Musikindustrie nun wirklichen den kleinsten Teil, absahnen ist für Konzerne gedacht, nicht für Künstler - die erhalten den größten Teil über Live Auftritte bzw. via TV-Shows.
Letztendlich sind 80% der CD´s mit Ladenhütermelodien gefüllt und dafür interessiert sich nun mal kein Schwanz
mhs.ssn (01.01.2008, 19:57 Uhr)
verzichte nun auch auf Musik
Je schneller diese Unternehmen pleite sind, desto besser.
Vielleicht stirbt ja deren Lobbyismus, der zu solch bürgerfeindlich Gesetzen wie diesem oder der Vorratsdatenspeicherung geführt hat, gleich mit.
PS: Abgemahnt wird von mir jetzt sowieso jeder, der meinen Kommentar temporär auf seine Netzhaut kopiert hat! ;-)
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