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7. Dezember 2006, 15:08 Uhr

Wurm-Kur für Hobby-Gärtner

"Die Sims" plus das Tamagotchi, gewürzt mit einer Prise Irrsinn - das ist "Viva Piñata". Der Spieler wird zum Züchter in einer von knuddeligen Pappmaché-Wesen bevölkerten Fantasiewelt.

Knuddelattacke mit Strategiefaktor© Rare/Microsoft

In Amerika muss man den jungen Fernseh-Zuschauern nicht erklären, was "Viva Piñata" ist: Der Sender 4Kids-TV, der auch die "Teenage Mutant Ninja Turtles" und "Yu-Gi-Oh!" ganz groß raus brachte, etablierte die Serie um die tierisch schrillen Bewohner der Insel Piñata. Um Spaß an dem Spiel zu haben, muss man diese allerdings nicht kennen. Das Game der Entwicklerschmiede Rare bietet einen Genre-Mix, der mit seinen ebenso niedlichen wie partysüchtigen Protagonisten vor allem jüngere Zocker anzieht, aufgrund einiger schräger Ideen und witzigen Aspekte aber auch Junggebliebene anspricht. "Viva Piñata" ist eine leicht schräge Mischung aus Garten-, Zoo- und Aufbausimulation, "Sims" und "Tamagotchi" fürs 21. Jahrhundert.

Aufgabe ist es, einen Garten zu hegen und zu pflegen, damit möglichst viele Pflanzen und Tiere sich darin wohl fühlen. Das ist zu Beginn eine Herausforderung, denn alles, was dem Spieler zur Verfügung steht, ist ein alter, lädierter Spaten und ein von Sperrmüll verschandeltes Ödland. Wie gut, dass einem das elfengleiche Wesen Leafos mit nützlichen Tipps zur Seite steht. Wurde das Gebiet mit dem Spaten geebnet, verwandelt sich die Müllkippe in kürzester Zeit in einen blühenden Garten. Dieser lockt schnell die ersten Pappmaché-Insulaner an - Piñatas aus der wurmartigen Gattung der Whirlms. Dank Leafos' Gras-Samenpaketen und der tatkräftigen Unterstützung des Architekten Willy Builders entsteht ein neues Zuhause für das Gewürm. Das erste Haus geht sozusagen aufs Haus, alle weiteren Gebäude, die der Spieler für seine Piñatas anlegt, müssen bezahlt werden.

Der Spieler als Kuppler

Nötig wird der Häuserbau, um die Viecher in Paarungsbereitschaft zu versetzen. Diese wird durch ein Herz über der Figur angezeigt. Sind zwei Wesen einer Gattung in Stimmung für ein Techtelmechtel, kann der Spieler als Gehilfe Amors tätig werden und die beiden verkuppeln. Dazu steuert er in einem Mini-Game die eine Figur zu der anderen, während in "Pac-Man"-Manier aus der Vogelperspektive Geldstücke eingesammelt werden. Was bei "Pac-Man" die Geister waren, sind in der "Viva Piñata"-Welt die von Professor Pester gezüchteten Ärgerlinge, die den Knuddelwesen ihr Vergnügen nicht gönnen.

Fressen und gefressen werden gehört zum Alltag auf dem Eiland. So ernährt sich der Sparrowmint, ein im wahrsten Sinne des Wortes komischer Vogel, von Whirlms. Ein Umstand der dem Spieler insbesondere dann nahe geht, wenn er seinen selbst gezüchteten Würmern zuvor Namen gegeben hat. Ob der Gier des gefiederten Inselbewohners Einhalt geboten wird, liegt im Ermessen des Hobby-Zoologen. Zu bedenken ist schließlich, dass Sparrowmints erst nach einer kohlehydratreichen Wurm-Mahlzeit die Balz aufnehmen und den Garten um weitere Bewohner bereichern.

Farben als Signal

Langfristig denkt der Spieler schließlich an einen großflächigen Ausbau der bunten Flora und Fauna. Die Pflanzenpflege ist denkbar leicht: Färbt sich die Wasserstandsanzeige braun, muss nachgegossen werden. Die Farbe blau signalisiert dagegen, dass die Blumen kurz vor dem Ertrinken stehen.

Damit der eigene Garten um so viele zusätzliche Quadrat-Pinometer und Piñata-Gattungen wie möglich anwächst, empfiehlt sich der regelmäßige Besuch im Laden von Frau Costolot, in dem Konsolen-Gärtner neben Gemüse, Saatgut, Zäunen und anderen Gartenbedarfsartikeln auch Liebesbonbons kaufen kann, die dank ihrer aphrodisierenden Wirkung die zu betreuenden Grünflächen in einen Garten der Liebe verwandeln. Schräge Paarungstänze und Baby-Piñatas zeugen dann vom Zeugen. Herzlos: Um den eigenen Kontostand aufzubessern, lässt sich gezielt (In-)Zucht betreiben.

Skurrile Einfälle, eine schrecklich niedliche Cartoon-Grafik, ansehnliche Wetter- und Lichteffekte und der Soundtrack im Disney-Format machen "Viva Piñata" zum idealen Game für alle, die von einer Überdosis zuckersüßer Tierchen kein Sodbrennen bekommen.

Viva Piñata
Hersteller/Vertrieb Rare/Microsoft
Genre Simulation
Plattform Xbox 360
Preis ca. 70 Euro
Altersfreigabe ohne Beschränkung
Michael Eichhammer/Teleschau
 
 
 
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