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"ZDF Magazin Royale" "Gibt Verschiedenes zu ergänzen": Viva con Agua reagiert auf Jan Böhmermanns Vorwürfe

"ZDF Magazin Royale" mit Jan Böhmermann
Jan Böhmermann in seiner Satiresendung "ZDF Magazin Royale"
© Rolf Vennenbernd / DPA
In seiner ersten Sendung nach der Sommerpause nahm sich Jan Böhmermann im "ZDF Magazin Royale" auch Viva con Agua vor. Jetzt hat das gemeinnützige Unternehmen auf seine Recherchen reagiert. 

Am Freitagabend meldete sich Jan Böhmermann furios aus der Sommerpause zurück. Für das "ZDF Magazin Royale" hatten er und seine Redaktion sich den Wassermangel in Deutschland angesehen.  

Und er hat sich das Hamburger Unternehmen Viva con Agua vorgenommen. "Wir Millennials wollen mit unserem deutschen Wasser die Welt nicht mehr beherrschen, sondern nur kurz retten. Viva con Agua ist praktisch 'Ärzte ohne Grenzen' zum Trinken", so Böhmermann. 

Jan Böhmermanns Vorwürfe: Viva con Agua reagiert

Viva con Agua, "das kann doch nur eine gute Sache sein", sagte er in seiner Sendung. "Okay, dass die Leute, die bei der Firma 'Husumer Mineralbrunnen' das Wasser für Viva con Agua in die Flaschen füllen, weder nach Tarif bezahlt werden, noch einen Betriebsrat haben, das ist Water under the bridge. Gemeinnützig sein ist eben gar nicht so einfach", scherzte er mit scharfer Ironie. Auch die Gesellschaften von Viva con Agua wollte sich "Böhmi" mal genauer ansehen, zum Beispiel die "Villa Viva Gasthaus GmbH & Ko. KG", die gerade ein Hotel in Hamburg bauen. "Unser 'Wasser für alle – Alle für Wasser'-Wasser vermietet uns bald Hotelsuites für nur 299 Euro pro Nacht. Warum auch nicht, Viva con Agua meint es gut!", sagte er entschlossen. 

Leitungswasser statt Wasserflaschen

Statt gemeinnützig stellte er das Unternehmen als nur scheinbar gut dar. Ein Vorwurf, den Viva con Agua nicht auf sich sitzen lassen will. Ein Statement auf der Website soll nun genauer erklären, wie die Wohltätigkeit bei Viva con Agua funktioniert. Es gäbe "aus unserer Sicht Verschiedenes zu ergänzen. Aber fair enough. Wir nutzen die Gelegenheit, um auf die angesprochenen Themenkomplexe einzugehen", heißt es. 

An oberster Stelle weisen die Verantwortlichen darauf hin, dass Trinkende ihres Wassers immerzu dazu aufgerufen werden, am besten Leitungswasser zu trinken. "Wir werden nicht müde auf Vorträgen, Interviews, unserer Homepage oder unseren Produkten darauf hinzuweisen. So weisen wir auf vielen Rücketiketten unserer Mineralwasserflaschen darauf hin. Bei (Recycling-) PET-Flaschen von Viva con Agua steht der Hinweis auf Leitungswasser als ökologischere Alternative sogar auf jeder Flasche – vermutlich ist Viva con Agua damit das einzige Mineralwasser überhaupt, welches Werbung für Leitungswasser verbreitet", sagt die Firma.

Doch sie sagen auch, dass ihr abgefülltes Wasser wenigstens eine soziale Alternative darstellt, wenn man denn schon Flaschen kaufen möchte. "Mittlerweile ist die gesamte Produktion des Viva con Agua Mineralwassers über Climate Partner als klimaneutral zertifiziert", heißt es in der Stellungnahme. 

Thema im "ZDF Magazin Royale"

Der Satiriker schaute sich in seiner Sendung auch die Unternehmensstruktur von Viva con Agua an. Er zeigte auf, wie viele Gesellschaften es mittlerweile gebe und kritisierte die Undurchsichtigkeit. Viva con Agua erklären das wie folgt: "All unsere Organisationen supporten Gemeinnützigkeit. Viva con Agua arbeitet nicht für Profitmaximierung Einzelner. Auf der einen Seite haben sich außerhalb Deutschlands Viva con Agua NGOs gebildet: Vereine wie in Deutschland, in denen engagierte Menschen gemeinsam Aktionen für Wasser machen und Spenden generieren. Es gibt gemeinnützige Viva con Agua-NGOs in Deutschland, Österreich, Schweiz, den Niederlanden, Uganda und Südafrika. Das ist der gemeinnützige Kern der Viva con Agua-Family. Sie unterstützen Wasserprojekte weltweit."

Auch den Kritikpunkt Böhmermanns hinsichtlich eines möglicherweise teuren Hotels in Hamburg greifen die Verantwortlichen auf. Er erwähnte, die Firma vermiete Unterkünfte für 299 Euro die Nacht. Doch das ist nicht alles, sagen Viva con Agua. Für nur 19,10 Euro könne man in dem Hotel schlafen, klären sie auf. Wichtig sei für sie, zu erwähnen, dass "kein einziger Cent aus Spendengeldern für die Finanzierung der Villa Viva [verwendet würde]! Weder in Kapstadt noch in Hamburg. Und übrigens auch keine finanziellen Mittel des Viva con Agua Mineralwassers". Stattdessen würde das Hotelprojekt von Investoren finanziert, "die Mehrheit der Anteile" sei aber dennoch in den Händen von den "gemeinnützigen Organisationen Viva con Agua Stiftung und Viva con Agua de Sankt Pauli e.V". 

Zuletzt erwähnt das Unternehmen sein Motto. "Viva con Agua steht für Verbindung, Austausch und freudvollen Aktivismus. Kampf um Deutungshoheit steht uns nicht." Ob und wie Jan Böhmermann auf die Erklärungen reagieren wird, bleibt abzuwarten. 

Update 05. September: In ihrem Statement gehen Viva con Agua wie folgt auf die Punkte hinsichtlich der Firma "Husumer Mineralbrunnen" ein. Jan Böhmermann hatte in seiner Sendung erwähnt, dass es dort keinen Betriebsrat gibt und die Mitarbeitenden nicht nach Tarif bezahlt werden. "Die Geschäftsführung des Husumer Mineralbrunnens hat Viva con Agua versichert, dass der Wunsch nach der Gründung eines Betriebsrats seitens der Mitarbeitenden bislang nicht an sie herangetragen wurde. Wir gehen davon aus, dass die Bildung eines Betriebsrats in der Husumer Mineralbrunnen GmbH jederzeit möglich ist, sollten Mitarbeitende dies wünschen", heißt es dazu im Statement von Viva con Agua.

Außerdem: "Der Husumer Mineralbrunnen hat Viva con Agua in der Vergangenheit außerdem versichert, dass sich das Lohnniveau an der Höhe des existierenden Tarifvertrages für 'Obst- und gemüseverarbeitende Industrie, Fruchtsaftindustrie, Mineralbrunnenindustrie' der Bundesländer Niedersachsen und Bremen orientiert. Somit orientiert sich der Husumer Mineralbrunnen laut eigener Aussage an gültigen Branchenstandards, da es in Schleswig-Holstein keinen tariflichen Standard für Mineralbrunnen gibt, sondern nur für Erfrischungsgetränke."

Quellen: "ZDF Magazin Royale" / Viva con Agua

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