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Zurück aus der Sommerpause Jan Böhmermanns neueste Opfer: Viva con Agua, Frank Thelen – und die Nerven seiner Zuschauer

"ZDF Magazin Royale" mit Jan Böhmermann
"ZDF Magazin Royale": Nicht nur Viva con Aqua bekommt von Jan Böhmermann ihr Fett weg
© Screenshot Youtube ZDF Magazin Royale
Jan Böhmermann und sein "ZDF Magazin Royale" haben sich aus der Sommerpause zurückgemeldet. Und sich wohl eines der wichtigsten aktuellen Themen angenommen: dem Wassermangel in Deutschland. 

Das "ZDF Magazin Royale" meldet sich mit einem "richtigen gute-Laune-Thema" zurück aus der Sommerpause, kündigt Jan Böhmermann an, und selbst wer die Satire-Show nur einmal zuvor gesehen hat, weiß, dass das nichts Gutes bedeuten kann. Erstes Thema nach der Urlaubszeit ist: die größte Dürre in Europa seit 500 Jahren. 

"ZDF Magazin Royale" ist zurück aus der Sommerpause

"Der Kampf ums Wasser", heißt die Sendung. Da schmiert sich Jan Böhmermann erstmal seine Zahnpasta auf die Zahnbürste und stellt den Wasserhahn in seinem Fernsehstudio an. Leise hört man das kostbare Gut, das auf der Erde immer weniger wird, im Hintergrund laufen. Ein Sound, der die Nerven von Böhmermanns Fans noch gehörig strapazieren wird.

Wie schlecht es um die Wasserversorgung steht, zeigt "Böhmi" anhand mehrerer Beispiele: Die Spree in Berlin fließt rückwärts, Elon Musk sitzt in Brandenburg mit seinem Tesla-Werk auf dem Trockenen, in der Oder sterben die Fische und die Wasserstände von Rhein und Aar sind so niedrig wie nie. "Mit Wasser ist es ein bisschen so wie mit den Spesenabrechnungen von Patricia Schlesinger. 0,0 besorgniserregend, bis mal jemand genauer hinguckt", scherzt Böhmermann. "Hä, ich dachte in Deutschland kommt das Wasser einfach unendlich aus dem Wasserhahn so wie Geld aus dem Geldautomaten", sagt er und neben ihm fließt es fröhlich aus dem Hahn. Spätestens jetzt weiß man vor dem TV-Gerät: Böhmis Wasserhahn ist heute der wichtigste Akteur in seiner Satiresendung. 

Jan Böhmermann nimmt sich Viva con Agua vor

Es ist nicht lange her, da sorgten investigative Recherchen von Böhmermanns Redaktion über Fynn Kliemann für Aufregung. Undurchsichtige Maskendeals, unmoralische Sprüche, schlechte Arbeitsbedingungen – wir erinnern uns. Nach der Sommerpause nimmt sich Böhmermann Viva con Agua vor, das Unternehmen, das die Geschäftsbeziehungen zu Kliemann nach den Recherchen beendete. "Wir Millennials wollen mit unserem deutschen Wasser die Welt nicht mehr beherrschen, sondern nur kurz retten", sagt er und nimmt einen großen Schluck aus der Viva con Agua-Glasflasche. "Viva con Agua ist praktisch 'Ärzte ohne Grenzen' zum Trinken", so Böhmermann. Oder doch nicht? Wenn ein Unternehmen ankündigt, sozial zu sein, dann wirkt das bei Jan Böhmermann wie eine Provokation, mal genauer hinzuschauen. 

Aber Viva con Agua, "das kann doch nur eine gute Sache sein", sagt er. "Okay, dass die Leute, die bei der Firma 'Husumer Mineralbrunnen' das Wasser für Viva con Agua in die Flaschen füllen, weder nach Tarif bezahlt werden, noch einen Betriebsrat haben, das ist Water under the bridge. Gemeinnützig sein ist eben gar nicht so einfach", scherzt Böhmermann und bei Viva con Agua formulieren die PR-Beauftragten vermutlich in diesem Moment eine Presseerklärung. Auch die Gesellschaften von Viva con Agua guckt sich "Böhmi" mal genauer an, zum Beispiel die "Villa Viva Gasthaus GmbH & Ko. KG", die gerade ein riesiges Hotel in Hamburg bauen. "Unser 'Wasser für alle – Alle für Wasser'-Wasser vermietet uns bald Hotelsuites für nur 299 Euro pro Nacht. Warum auch nicht, Viva con Agua meint es gut!", sagt er entschlossen. Neben ihm: tropf, tropf, tropf. 

Auch Frank Thelen kriegt sein Fett weg

Doch nicht nur Viva con Agua bekommen von dem Satiriker in bester Manier ihr Fett weg. Auch "Höhle der Löwen"-Investor Frank Thelen wird zu Böhmermanns Zielobjekt. Genau genommen: Sein Projekt "Air up", eine portable Wasserflasche mit aufsetzbaren Geruchs-"Pods", die dem Trinkenden vortäuschen sollen, statt Wasser eine leckere Brause zu konsumieren. "Sieht aus wie eine ganz normale Plastikflasche, ist aber in Wirklichkeit eine völlig überteuerte Plastikflasche", erklärt Böhmermann, die "Air up" in der Hand. Die Geruchspods kommen verpackt und werden in der Türkei produziert, erzählt er, die Wasserflasche währenddessen aus China. Nachhaltige Transportwege? Fehlanzeige. "Hauptsache keiner kommt auf die Idee, einfach mal normales Leitungswasser zu trinken", lacht er und neben ihm läuft es fröhlich aus dem Hahn. Bitte, bitte, stell den Wasserhahn ab, möchte man ihm zurufen. 

Zum Schluss zeigt Böhmermann die Privilegien auf, die die Wirtschaft trotz Klimakrise genießt. "RWE nutzt für seine Braunkohle-Tagebaue knapp 500 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr", zitiert er "Correctiv". "Dafür müssten wir diesen Wasserhahn 63.420 Jahre ununterbrochen laufen lassen", deutet er auf sein Studiorequisit. Wie gesagt: Der Wasserhahn ist Böhmermanns wichtigster Akteur. Aber was ist jetzt die Lösung? "Wie wär's, wir starten gemeinsam eine blutige, kommunistische Revolution und verteilen dann das Wasser fair an alle, die mitgekämpft haben?", munkelt Böhmermann. "Richtig gehört, liebe 'Welt'-Abonnenten, ich habe soeben im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu einer blutigen, kommunistischen Revolution aufgerufen", scherzt er. 

Am Ende bleibt: Seine Zuschauer würden Böhmermann wohl bei der Revolution folgen – solange er endlich den Wasserhahn abdreht. 

Quelle: "ZDF Magazin Royale"

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