Facebook - zu groß für eine Fernseh-Doku

14. Februar 2012, 10:40 Uhr

Die ARD-Dokumentation "Facebook. Milliardengeschäft Freundschaft" und versuchte, hinter die Kulissen des milliardenschweren Unternehmens zu blicken. Ein unterhaltsamer Film mit Schwächen. Von Franziska Weigelt

Facebook, ARD, Dokumentation, Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg bringt Facebook in diesem Jahr an die Börse©

Die 17-jährige Franciska und der junge Campingplatzbesitzer Thomas können sich ihr Leben gar nicht mehr "ohne" vorstellen. Statt während der morgendlichen Zeitungslektüre trinkt Thomas seinen Café vor dem Computer. Facebook ist seine liebste Informationsquelle. Franciska schätzt es besonders, dass sie mithilfe des Netzwerks ihre sozialen Kontakte rund um die Uhr und mit geringem Zeitaufwand pflegen kann. Sie sind zwei von insgesamt 845 Millionen Menschen, die ein Profil bei Facebook pflegen, und die Protagonisten einer ARD-Dokumentation, die das Erfolgsmodell Facebook erklären will. Der Film lief am Montagabend im Ersten und ist jetzt in der ARD-Mediathek abrufbar.

"Facebook. Milliardengeschäft Freundschaft" ist eine Einführung in die Welt der sozialen Medien für jedermann. Die NDR-Journalistinnen Svea Eckers und Anika Giesner sowie der Journalist Charles Miller von der BBC haben für ihren Film zahlreiche Interviews geführt. Zu Wort kommen Verbraucher, Wirtschaftsvertreter, Werber und Daten- und Sicherheitsspezialisten. Nicht nur die Facebook-Marketingchefin Sheryl Sandberg erzählt begeistert von Facebooks Möglichkeiten, sondern auch die Polizei Hannover, die Facebook zur Verbrecherjagd nutzt. Im Gegensatz dazu warnt Datenschützer Thilo Weichert vor der "agressiven Sammelwut" des Unternehmens. Es ist ein Hin und Her, ein Pro und Kontra.

Zudem äußert sich - welch Privileg für einen deutschen Dokumentarfilm - sogar der Erfinder und Kopf des Unternehmens, Mark Zuckerberg. Der im Interview etwas kränklich wirkende Milliardär wirkt wie ein ganz normaler 27-Jähriger, der gerne arbeitet - gar nicht wie einer, der böswillig Daten verkauft. Viel lieber spricht Zuckerberg über die neue Kultur, die Facebook geschaffen hat.

Ungeklärte Fragen

Spätestens hier zeigt sich das Problem der Dokumentation. Mit investigativen Details kann sich der Film nicht rühmen. Die Produktion, die sich an ein für die ARD ungewöhnlich junges Publikum richtet, soll den Nutzern von Facebook bewusst machen, dass sie mit ihren Statusmeldungen, Pinnwandeinträgen und dem Klicken von "Gefällt mir - Buttons" Informationen über sich ins Netz stellen. Facebook ist nicht kostenlos, der Nutzer bezahlt mit seinen Daten - so der Tenor. Fraglich, ob das eine Neuigkeit für Facebooknutzer darstellt. Den kritischen Informationen, die mithilfe von Animationen dargestellt werden, fehlt die Tiefe. So erfährt man am Rande, dass Facebook ein neues Datenzentrum in Schweden baut, jedoch nicht, welchen Schaden ein Eindringling dort anrichten könnte. Die Protagonisten Franciska und Thomas sind ahnungslos, was mit den persönlichen Daten passiert, die sie Facebook zur freien Verfügung stellen. Erklären können das auch nicht die Macher des Films. Ihre Interviewanfragen seien von der deutschen Geschäftsstelle abgewimmelt worden, sagen sie. "Aus Zeitgründen" könne Facebook Deutschland nicht auf ihre Fragen eingehen.

Auch wenn an manchen Stellen tiefgründigere Informationen wünschenswert wären, ist der Dokumentarflm sehenswert. Die Besonderheiten liegen in seiner unterhaltsamen Erzählweise und den sympathischen Protagonisten. Der Einsatz des Zeitraffer-Bildeffekts und des eigens für den Film komponierten Titels "I like" bezeugen die außergewöhnlich kreative Umsetzung der Regisseurinnen. Anhand des Alltags von Franciska und Thomas erscheint die Geschichte von Facebook nicht wie die Geschichte eines Unternehmens, sondern wie die eines sozialen Phänomens. Eines Phänomens, das die Sphären des Internets längst überschritten hat und mit Sicherheit viel Stoff für weitere Dokumentarfilme liefern wird.

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