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14. August 2007, 10:46 Uhr

Die Justiz läuft hinterher

Was tun gegen pornografische Inhalte auf Websiten für Jugendliche? Wer haftet? Und welche Konsequenzen hat das für den Betreiber? Der Fall des Online-Netzwerks SchülerVZ zeigt, dass die Rechtslage ziemlich vertrackt ist - für alle Anbieter. Von Thomas Soltau

Die komplette Abschottung des Internets von jugendgefährdenden Inhalten ist nahezu unmöglich© Colourbox

Rechtsradikale Inhalte und Pornografie gab's frei haus. "Hitler ist schon ok, nur das mit den Autobahnen war echt daneben" lautete ein Eintrag auf dem beliebten Jugend-Portal SchülerVZ. Foren verwiesen unter Titeln wie "Anal aber egal" oder "SmPuffHuren" auf Hardcore-Porno-Seiten oder Internetauftritte von Punkbands mit explizit pornografischen Texten, wie stern.de bereits im Juli berichtete. Die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia (FSM) reagierte alarmiert: "Wir sehen einen Verstoß gegen die geltenden Jugendmedienschutzgesetze", sagte Sabine Frank, Geschäftsführerin der FSM. SchülerVZ habe "zugesichert, die vorliegenden Verstöße umgehend zu beheben".

Betreiber verwarnen Mitglieder

Der Betreiber der Schülerseiten, die Berliner Holtzbrinck-Tochter StudiVZ, reagierte umgehend: 100 Diskussionsgruppen von insgesamt 450.000 wurden gesperrt, etwa 20 Mitglieder wegen jugendgefährdeter und unzulässiger Inhalte verwarnt. Das Jugendportal zählt etwa 890.000 Nutzer und richtet sich vorwiegend an Schüler ab zwölf Jahren. Es soll ihnen die Möglichkeit geben sich im Internet zu treffen und auszutauschen. Jetzt hat der Vater einer 13-jährigen Nutzerin von SchülerVZ Strafanzeige gegen die Betreiber des Online-Netzwerkes und den Verlag Holtzbrinck wegen der Verbreitung pornographischen Materials und wegen Volksverhetzung erstattet. "Diese Seite ist für Kinder freigegeben und trotzdem wird hier pornographisches Material zur Verfügung gestellt und der Holocaust geleugnet", sagte der Schwetzinger Ralf S., der die Anzeige stellte, zu stern.de. "Deshalb habe ich gegen die Betreiber und Holtzbrinck als Besitzer der Seite Strafanzeige gestellt". Mittlerweile ist auch die Staatsanwaltschaft Berlin eingeschaltet, die die Klage zurzeit prüft.

Selbstüberwachung erwünscht

Aber: Lässt sich der Missbrauch von Websites, die sich an Jugendliche richten, überhaupt verhindern? Und wer muss die strafrechtlichen Konsequenzen tragen? Trotz aller Überwachungsmaßnahmen und technischer Filter gelangt immer wieder jugendgefährdendes Material auf Websites. Eine hundertprozentige Absicherung kann es im Netz nicht geben. Deshalb sind die Betreiber von Foren oder Netzwerken aufgefordert, regelmäßig die Beiträge der User zu überprüfen. Die Sanktionen sind milde: Stellt ein Betreiber fest, dass sich Teilnehmer daneben benehmen, lässt er ihn im schlimmsten Fall vom Administrator sperren. Da für die Überwachung der Foren allerdings ein Heer von professionellen und teueren Community-Managern nötig wäre, setzen Betreiber zunehmend auf Selbstkontrolle. Die User sollen Verstöße gegen die Etikette melden - erst dann wird ein Adminstrator tätig. Das wirkt zuweilen so, als solle sich eine Gruppe von Dreijährigen im Kindergarten selbst verwalten.

Juristische Grauzone

Kommt es dennoch zur Verletzung des Jugendschutzes, muss sich der Betreiber laut jetziger Rechtssprechung keine großen Sorgen machen. "Natürlich entscheidet immer der Einzelfall", sagt der Hamburger Rechtsanwalt Sascha Urbaniak. "Aber nur bei grober Verletzung der Prüfungspflicht hat eine Klage überhaupt Aussicht auf Erfolg. Das heißt, der Forumsbetreiber müsste konkrete Kenntnis von rechtwidrigen Inhalten durch entsprechende Hinweise erlangt und die ihm bekannten Beiträge nicht sofort gelöscht haben." Der Jurist mit Schwerpunkt Neue Medien räumt den Klägern deshalb kaum Chancen ein. Forenanbieter seien schlichtweg überfordert, ihre User auf Schritt und Tritt zu überwachen. "Solche Zwischenfälle sind zwar schlimm, aber in einer Demokratie nicht zu vermeiden. Nur ein gigantischer Staatsapparat, ähnlich wie bei der Internet-Zensur in China, könnte diese Aufgabe letztlich übernehmen", erklärt er. Und der Jurist weist noch auf eine andere Tatsache hin: "Die Verantwortung kann man nicht immer nur an Dritte weitergeben. Das Internet ist für alle offen und deshalb auch von Kriminellen bevölkert, hundertprozentiger Schutz ist eine Illusion. Doch man kann Kindern zumindest die Gefahren im Web erklären", so Urbaniak.

Es gibt aber auch andere Meinungen. Die Buchautorin und Expertin für Jugendschutz, Beate Krafft-Schöning, fordert verbindliche Standards für Seiten, die sich an Kinder und Jugendliche richten. Aber sie weiß auch: "Schülervz ist lediglich die Spitze des Eisbergs. Und eigentlich sind solche Internet-Chats grundsätzlich nichts für Kinder unter 16 Jahren."

Klagewelle droht

Rechtsanwalt Sascha Urbaniak sieht im Online-Bereich eine wachsende Zahl von Klagen auf die Gerichte zukommen. "Verbale Attacken, die früher am Gartenzaun ausgetragen wurden, verlagern sich jetzt in Foren oder Chats". Dabei handelt es sich häufig um den Tatbestand der Beleidigung. Das größte Problem sieht der Jurist im rasanten Wachstum des Internets. Die meisten Verlage bieten heute Foren oder Chats an, in denen sich die User austauschen, teilweise sogar per Video. "Bis irgendein Gesetz zum Schutz von Jugendlichen verabschiedet wird, ist das Web mit seinen Möglichkeiten schon wieder Lichtjahre voraus." Was bleibt, ist ein ewiges Katz- und Mausspiel - das die Justiz nicht gewinnen kann.

Von Thomas Soltau
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
ViRtuos (15.08.2007, 00:06 Uhr)
Weitere Entgleisung des SVZ
Quelle: http://www.schuelervz.net/group.php?ids=71fd7108d232bd72
"
Ja, sehen wir das mal so: Deutschland war doch gar nicht so sehr Schuld am Ausbruch des Ersten Weltkrieges,oder?
Das sollte uns nicht mehr nachhängen!:(
"
Sowas darf auf Jugendseiten nicht publiziert werden!
Ist imperialistischer Chauvenismus jetzt wieder "in"!?
Waynemendozza (14.08.2007, 15:08 Uhr)
Verantwortung liegt beim Author
Da ich selbst einen Sohn im betroffenen Alter habe, kann ich sehr gut verstehen, dass man seine Kinder speziell vor pornografischen und auch faschistischen Inhalten schützen möchte. Soweit so gut. Warum soll es aber möglich sein einen Plattformbetreiber, in diesem Fall einen Forumbetreiber, für den von Dritten eingestellten Inhalt verantwortlich zu machen? Das wäre als würde man die Telekom verklagen, weil zwei Verbrecher etwas Unlauteres am Telefon besprechen. Es wäre toll, wenn man die Leute angeht und auch verklagt, die für die Inhalte verantwortlich sind und nicht den Betreiber solcher doch recht nützlicher Foren etc. Wie soll denn ein Betreiber bei 890.000 Anwendern jeden einzelnen Beitrag zuverlässig überprüfen? Das kann kein noch so gut programmiertes Programm und auch keine manuelle Überprüfung 100%ig leisten. Also, Verantwortung an den jeweiligen Author nicht an den Plattformbetreiber. Dann wird verursachungsgerecht gehandelt und der wahre Straftäter auch belangt.
RomanTicker (14.08.2007, 14:57 Uhr)
Automatische Kontrolle geht nur bedingt
Die automatische Kontrolle von Inhalten funktioniert nur sehr eingeschränkt. Wenn man z.B. ein bestimmtes Wort herausfiltert, dann probieren die Nutzer solange verschiedene Modifikationen aus, bis die Wörter vom System nicht erkannt werden, vom Leser aber schon. Das kann man z.B. ganz leicht erreichen, indem man zusätzliche Buchstaben einfügt. Nehmen wir an das Wort Buchstabe wäre verboten, dann könnten wir ja mal Buchsta8en oder Buchxstaben oder Buchstaben1 probieren. Es bringt auch gar nichts, irgendwelche Forenbetreiber zu verklagen, da die ja nicht die verbotenen Inhalte oder Wörter in die Foren gestellt haben sondern Nutzer. Dann könnte man genausogut die Schule verklagen, wenn der Sohn in der Schule von einem anderen Schüler beleidigt wurde. Wenn überhaupt müsste der einzelne im Internet für selbst vorgenommene Verstöße angezeigt werden, aber das ist nur in Grenzen möglich. Natürlich könnte man den Foren und Internetseiten auferlegen, die Nutzer ordentlich zu registrieren, so dass man feststellen kann, wer welchen Mist abgibt und gegebenenfalls belangen. Aber wer will schon so einen Überwachungsstaat im Internet?
Evil-King (14.08.2007, 13:45 Uhr)
Is denn das für ne Aussage?
Nen Bot in der Googlesuchmaschine?
Gehts noch? Google ist international. Im Bezug auf welche Gesetze willste denn da greifen? Porno-Zeux ist ja nicht verboten in Dtl. also kannste das schlecht aus Google verbannen. Faschistoides Zeux ist dagegen in Amiland völlig wayne usw. Und willkürlich Seiten löschen ist strafbar.
Das so ne Scheisse nicht erwünscht ist, ist klar, aber mit deiner Vorgehensweise kannste Herrn Schäuble die Hand reichen!
Eher sollten die Betreiber mehr auf solche Einträge acht geben. Beiträge kontrollieren und ggf. löschen wäre ok, aber deine Variante is nicht nur unmöglich sondern auch illegal. Was unterscheidet da von solchen Honks die so nen Müll reinschreiben?
Aber was mir in dem Artikel die Haare zu Berge stehen lässt ist die Aussage "oder Internetauftritte von Punkbands mit explizit pornografischen Texten"... Hallo? Ich würde ja verstehen, wenn da Hip Hop stehen würde, aber Punkbands? Mit pornografischen Texten? Die will ich sehen... sollten dann aber auch richtige Punkbands sein und nicht irgendwelche Hippie-Scheisse von so Nasen die sich Punks nennen. Oder spielt die Bezeichnung "Punkbands" direkt auf die Übersetzung des Wortes Punk an??? Soll mir jetzt keiner mit Lokalmatadore kommen, nur weil sich der Sänger auf der Bühne mal ne Flasche in den Hintern geschoben hat. Das sind keine Punks sondern Spastis. Die haben nicht im geringsten was zu tun mit Punk, weder im Aussehen noch in den Texten noch in der Meinung!
lukeserious (14.08.2007, 13:35 Uhr)
@tagory-sagitarra
Geh doch nach China wenn du auf Zensur und Kontrolle stehst....
tagora-sagittara (14.08.2007, 13:22 Uhr)
Die Aussage...
"Die komplette Abschottung des Internets von jugendgefährdenden Inhalten ist nahezu unmöglich",...
ist eine glatte Lüge.
Deshalb an alle dies angeht:
Für allemöglichen Scheiss hat man Geld und Mittel??...gebt einen Top Programmierer das nötige Kleingeld einen BOT zu schreiben, der alle diesbezügliche Einträge und Seiten löscht und etabliert ihn in einer Suchmaschine ala Google und gut ist.
Mit Schnüffelattaken habt ihr keine Probleme... mit sinnvollen Einsätzen schon,...oder was!?
Ihr habt diesen Schmierfinken das Internet als Plattform geschaffen,...genauso könnt Ihr "Ihnen" diese Plattform wieder wegnehmen,...zum Wohle aller!!
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