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22. Mai 2010, 09:20 Uhr

Frankreich fürchtet Facebook-Saufgelage

Über Facebook verabreden sich in Frankreich Tausende zu Trinkgelagen an öffentlichen Plätzen. Das größte Treffen dieser Art könnte am Sonntag unter dem Eiffelturm stattfinden. Die Behörden wissen nicht, wie sie mit dem Phänomen umgehen sollen.

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Beim Facebook-Besäufnis in Nantes stürzte ein Betrunkener in den Tod© Stephane Mahe/Reuters

Auf dem Rasen im Schatten des Eiffelturms mit Zehntausenden kräftig einen heben - das könnte an diesem Sonntag in Paris Realität werden. Die Polizei versucht jedoch alles, die möglichen Teilnehmer eines riesigen, über Facebook organisierten Treffens davon abzubringen - ohne es explizit zu verbieten. Sie untersagte das Mitbringen von Glasflaschen und verwies auf das seit 2008 bestehende Alkoholverbot auf dem Marsfeld. Ob das die Anhänger des "apéro géant" von ihrem Treffen abbringen wird, ist fraglich. Manche von ihnen füllen sich ihren Sprit ohnehin in harmlos aussehende Plastikflaschen.

Es ist nichts Ungewöhnliches, dass sich massenweise Unbekannte an besonderen Orten zum Feiern zusammenfinden. Neu ist allerdings das Ausmaß dieser Treffen, die immer öfter zu Massenbesäufnissen ausarten - und das liegt an dem sozialen Netzwerk Facebook. Seit bei einem dieser Treffen ein junger Mann betrunken von einer Brücke in den Tod stürzte, mehren sich Warnungen und Verbote. Der "apéro géant" ist in Frankreich mittlerweile zum Politikum geworden.

Traditionell ist ein Aperitif lediglich das alkoholische Getränk, mit dem man vor dem Essen gemeinsam anstößt. In Frankreich sind das klassischerweise Anisschnaps, Likörwein oder Champagner. Die Kurzform "apéro" steht hingegen eher für ein abendliches Treffen, bei dem Alkohol getrunken wird. Essen gibt es nicht, allenfalls Knabbereien. Ein "apéro géant" hat viel von einem Volksfest: Die Mehrheit amüsiert sich mehr oder weniger angeheitert, einige betrinken sich gezielt, hier und da kommt es zu Raufereien oder alkoholbedingten Unfällen.

Etwa 60 Treffen dieser Art

In den vergangenen Monaten soll es bereits etwa 60 Treffen dieser Art in Frankreich gegeben haben. Die Organisatoren wetteiferten miteinander, wer die meisten Teilnehmer zusammenbekommt. Doch je größer die Teilnehmerzahl, desto größer ist auch das Risiko, dass es zu Ausschreitungen kommt.

Deswegen sehen die Behörden die Massen-Trinkereien mit wachsendem Unbehagen. Im Unterschied zum klassischen Volksfest gibt es keine Organisatoren, die haftbar gemacht werden können. Bei Facebook können die Urheber solcher Treffen anonym bleiben. Per Schneeballsystem verbreitet sich die Kunde von einem "apéro géant" blitzschnell. Manche Facebook-Nutzer haben Hunderte von Kontakten, denen sie die Einladung mit einem Mausklick weiterleiten.

Im westfranzösischen Nantes waren am vergangenen Freitag schätzungsweise 10.000 überwiegend junge Menschen zusammengekommen, um zu feiern. Zunächst war die Stimmung heiter, später schlug sie um. Dutzende kamen ins Krankenhaus, mehr als 40 wurden wegen Trunkenheit, Drogenbesitzes oder Randale festgenommen. Der junge Mann, der von der Brücke stürzte, hatte 2,4 Promille Alkohol im Blut.

"Das sind keine Feiern"

Der sozialistische Bürgermeister Jean-Marc Ayrault appellierte an die Regierung, sich des Problems anzunehmen. "Das sind keine Feiern, die Leute kommen nur zum Randalieren zusammen", schimpfte er. Innenminister Brice Hortefeux zeigte sich zurückhaltend. Die Facebook-Treffen sollten nicht grundsätzlich verboten werden, betonte er. Allerdings müssten die Organisatoren die Veranstaltungen den Behörden melden und für die Sicherheit der Teilnehmer sorgen. Ansonsten drohten Strafen und Schadenersatzforderungen.

Was wird am Sonntag passieren?

In einigen Fällen hatten die lokalen Behörden bereits Verbote ausgesprochen oder die Organisatoren so eingeschüchtert, dass sie die Einladung per Facebook zurückzogen. Was nun am Sonntag unter dem Eiffelturm passieren wird, ist offen. Eine erste Gruppe, die sich 50.000 Teilnehmer zum Ziel gesetzt hatte, löste sich auf. Eine Alternativgruppe kam auf über 4000 Mitglieder, eine weitere, die für einen alkoholfreien "apéro" wirbt, gewann rund 500 Mitstreiter.

Mittlerweile ist noch ein weiterer "apéro géant" in Paris angekündigt, der sich mit großer Sicherheit nicht verwirklichen lassen wird. Die Organisatoren laden für den französischen Nationalfeiertag am 14. Juli ein - und zwar in den Garten des Élyséepalastes, wo dann allerdings unter großem Sicherheitsaufgebot die traditionelle Gartenparty mit der gesammelten Pariser Politikprominenz stattfindet.

Ulrike Koltermann/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
mighty_bender (23.05.2010, 14:20 Uhr)
@Freddylein
Einfach keine Vollnervwerbung einbauen und schon muß ich nicht erst an meinem Browser schrauben, um ungestört zu surfen... Wirkung dieser Werbung: "Ach, das war doch der Quark, der mir so auf den Zeiger gegangen ist. Lass ich im Regal stehen und rate auch meinen Freunden ab."
Freddylein (23.05.2010, 08:45 Uhr)
Spraydose
Einfach bei Firefox einen Script und Ad-Blocker rein und schon ist es weg. :-)
STR_EDDS (22.05.2010, 22:10 Uhr)
@spraydose
Das Ding nervt gewaltig. Bin gestern verwirrt im Wohnzimmer rumgelatscht, weil das dämliche pffpff so diffus von irgendwo her klang. :-)
mighty_bender (22.05.2010, 21:59 Uhr)
@Obstmann
Danke fürs PS. Das ständige "pfft, pffft" ist nerviger, als jeder Flashmob je sein könnte...
Obstmann (22.05.2010, 16:33 Uhr)
PS:
Liebes stern.de Team: könntet ihr bitte bitte die unglaubliche Spraydosenwerbung auf der Hauptseite entfernen...Ich verspreche euch, dass ich diese Seit NIE wieder besuchen werde, wenn das Ding noch da ist ((-:
Obstmann (22.05.2010, 16:31 Uhr)
Legalisieren, wenn sich die Organisatoren melden...
das ist ja gerade das interessante daran...angekündigte Feiern mit Security, Bars, Toiletten und so gibts doch immer und überall...das besondere an Flashmobs und Facebook-Partys ist doch das spontane, das ungeplante...Man trifft sich irgendwo, wo man noch nie war mit Leuten, die man nicht kennt und macht Party ohne Grund und ohne gemeinsamen Nenner...Ohne Behördliche Aufsicht...Einfach weil man es gerade will...würde mich glatt auch mal anmachen ((-;
RDUKE7777777 (22.05.2010, 14:31 Uhr)
@BiffoBoffo
Genau so etwas wie ein Generalstreik könnte folgen, wenn sie viele Menschen regelmäßig zusammenfinden und feststellen, dass sie die selben Probleme haben. Davor haben gewisse Kreise Angst. Das wollte ich mit meinen Postings sagen.
RDUKE7777777 (22.05.2010, 14:30 Uhr)
@Kritiker-Kritiker
Das soll nur hervorheben, dass es keine großen Zusammenkünfte von Gruppen mehr gibt, ohne dass irgendwelche Politiker von Randale oder sonstwas sprechen und ein Riesiges Polizeiaufgebot auffahren. Ein Anderes Beispiel sind die harmlosen Flashmobs, die in Deutschland teilweise veboten wurden.

Sobald sich Leute versammeln geht irgendwo die Alarmglocke. Und meine Frage war: Warum? Hat da jemand Angst, dass eine große Menschenmenge irgendwie "unknontrolliert" auf den selben Nenner kommt? Wenn sie es nicht verstehen wollen, dann lassen sie es.
BiffBoffo (22.05.2010, 14:00 Uhr)
Wie wärs mal mit was sinnvollem ?
Flashmobs, Saufmobs die Jugendlichen scheinen nicht weit denken zu können. Wie wärs mal mit einem Treffen vor BP. Davor könnte mann das gesammelte ÖL direkt vor der Zentrale abladen am besten alles was man findet.

Oder mal zu einem Generalstreik treffen. Einfach so damit die Obrichkeit mal weiss wer hier was zahlt.
Kritiker-Kritiker (22.05.2010, 11:20 Uhr)
@RDUKE7777777 (22.05.2010, 10:16 Uhr)
Zusammenhang?
schon lange nicht mehr so ein Blödsinn gelesen.
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