Es ist das vollmundige Versprechen eines Mannes, der nicht für seine Zurückhaltung bekannt ist: Tesla-Fahrzeuge sollen irgendwann vollkommen ohne Eingreifen eines Menschen fahren können. Der Autobauer verkauft seit Jahren passende Zusatzkits. Doch immer wieder musste Konzernchef Elon Musk den Start nach hinten verschieben. Jetzt hat sein Unternehmen die letzte von ihm gesetzte Messlatte für einen Erfolg erreicht. Doch zu viel Hoffnung sollten sich Tesla-Fans wohl nicht machen.
Die Zehn-Milliarden-Marke
Dabei war diese Messlatte schon ein Vertrösten. Ende 2025 sollte Teslas Autopilot endlich komplett ohne Aufsicht des Fahrers auskommen, hatte Musk versprochen. Doch der Jahreswechsel verstrich und „Full Self Driving“ (FSD), so der Fachausdruck, ließ weiter auf sich warten. Anfang Januar erklärte Musk, warum: „Man braucht etwa zehn Milliarden Meilen an Trainingsdaten, um sicheres, unbeaufsichtigtes Fahren zu ermöglichen“, sagte er. „Die Realität zieht einen sehr langen Schweif an Komplexität hinter sich her.“
Jetzt ist laut einem Tracker auf Teslas Webseite die Marke geknackt worden. Und passiert ist – nichts. Obwohl die Wagen des Herstellers mittlerweile rund 10.100.000.000 Meilen (ca. 16 Milliarden Kilometer) zurückgelegt haben, sollen die Kunden noch weiter auf das vollautonome Fahren warten. Er erwarte ein Ausrollen im vierten Quartal dieses Jahres, vertröstete Musk bei einem Investorengespräch zu den aktuellen Quartalszahlen. Aus Ende 2025 ist damit Ende 2026 geworden.
Ältere Teslas bekommen kein FSD
Stattdessen gab es für viele Tesla-Käufer einen herben Dämpfer. In dem Investorengespräch kam nämlich auch die Frage auf, ob auch ältere Fahrzeuge das Feature bekommen sollen. „Ich wünschte, es wäre anders, aber Hardware 3 verfügt einfach nicht über die Fähigkeit, unbeaufsichtigtes FSD umzusetzen“, räumte Musk ein. Ein Paukenschlag. Als Hardware 3 wird die dritte Version des FSD-Systems bezeichnet. Es handelt sich aber nicht etwa um Uralt-Technik: Hardware 3 wurde ab 2019 verbaut, ab 2023 folgte dann Hardware 4. Das bedeutet: Wer vor 2023 die 6800 Euro Aufpreis für FSD gezahlt hat, ist mit der aktuellen Technik außen vor.
Den betroffenen Kunden wolle man eine Lösung anbieten, versprach Musk. In „Mikro-Fabriken“ in Metropolen könne man etwa die Technik nachrüsten. Dabei würden der Chip, aber auch die Kameras im Wagen ersetzt. Alternativ erhalte man einen Rabatt, wenn man einen neueren Tesla kaufen wolle und den alten in Zahlung gebe. Einen Zeitplan nannte der Techmilliardär nicht. Viel Aufwand für ein Produkt, das Kunden teilweise vor Jahren bereits bezahlt haben. Und das weiterhin nur ein Versprechen bleibt.
Elon Musk setzt aufs Robotaxi
Dass Tesla mehr Druck beim autonomen Fahren hat, hängt mit einem weiteren vollmundigen Versprechen von Musk zusammen. Tesla will künftig zunehmend mehr Geld mit Robotaxis verdienen, die ihre Passagiere ohne Fahrer durch die Stadt kutschieren. Was Googles Schwesterfirma Waymo bereits seit einigen Jahren anbietet, steckt bei Tesla allerdings noch in den Kinderschuhen. Obwohl Musk Ende 2025 bereits fahrerlose Taxis für 50 Prozent der US-Bürger anbieten wollte, sind die Robotaxis bisher nur in zwei Städten unterwegs – und es muss weiter ein Mensch als Sicherheitsmaßnahme am Steuer sitzen.
Dass die Robotaxen nicht früher kommen, dürfte auch mit einer sehr grundlegenden Frage zusammenhängen, vor deren Beantwortung sich Musk und Tesla seit Jahren zu drücken versuchen: Wer ist eigentlich verantwortlich, wenn ein autonom fahrendes Auto einen Unfall baut?
Bisher hat Tesla darauf eine einfache Antwort: der Fahrer. Diese Logik funktioniert, weil der FSD-Modus explizit als „überwacht“ verkauft wird. Der menschliche Fahrer muss die gesamte Fahrt aufmerksam am Steuer sitzen, um im Notfall jederzeit eingreifen zu können. Bei echtem autonomen Fahren – und eben auch bei einem Robotaxi – wäre das aber nicht zu erwarten. Dann müsste Tesla für die Schäden geradestehen, so, wie es auch Waymo bereits tut. Teslas bisherige Strategie, die Schadenszahlungen mit Klagen oder Einigungen abzuwenden, dürfte dann nicht mehr ziehen.
Bei den Verzögerungen dürfte das eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Tatsächlich kalkuliert Musk schon die nächste ein. „Es ist schwierig, diese Funktion sofort für alle und überall freizugeben, da wir sicherstellen wollen, dass es in einer Stadt keine besonderen Situationen gibt, wie zum Beispiel besonders komplexe Kreuzungen“, erklärte er in dem Investorengespräch. Selbst wenn FSD fertig ist, soll es sich deshalb erst langsam verbreiten. „Wir würden die unbeaufsichtigte Nutzung schrittweise für die Kundenflotte freigeben, sobald wir überzeugt sind, dass eine bestimmte Region als sicher bestätigt ist.“
Quellen: Tesla, Investorengespräch