Stillen verboten?

7. Januar 2009, 15:13 Uhr

Facebook und Myspace entfernen Bilder - Stillende Mütter richten Facebook-Gruppe ein: "Hey, Facebook, Stillen ist nicht obszön".

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Kein gerngesehener Anblick auf Facebook: Fotos von stillenden Müttern©

Die junge Mutter von zwei Kindern lud ein Foto hoch, das sie beim Stillen zeigt. Als das Bild plötzlich verschwunden war, schickte sie Facebook eine E-Mail und fragte nach einer Erklärung. Als Antwort kam ein unpersönliches Schreiben mit dem Hinweis auf die Nutzungsbestimmungen. Diese untersagen in der US-Fassung das Hochladen von "obszönen, pornografischen oder sexuell eindeutigen" Inhalten.

Wenn ein Kind mit der Flasche genährt werde, sei dies in keiner Weise anstößig, sagt Roman, die in der kalifornischen Ortschaft Fallbrook lebt. "Beim Stillen sollte das genauso sein." Der von ihr eingerichteten Facebook-Gruppe haben sich in kurzer Zeit mehr als 97.600 andere Nutzer des sozialen Netzwerks angeschlossen. Eine von ihnen ist Stephanie Muir aus der kanadischen Großstadt Ottawa, die sich freiwillig im Gesundheitswesen engagiert und dabei für die Förderung des Stillens eintritt. Es sei an der Zeit, "dass wir alle diese Vorstellung überwinden, dass die Brüste einer Frau gefährlich sind und ihr Anblick für Kinder schädlich ist", sagt die Mutter von fünf Kindern. Die Nutzungsbedingungen von Facebook seien willkürlich und für Frauen diskriminierend.

Öffentliches Stillen vor der Facebook-Zentrale

Muir organisierte Ende Dezember ein "virtuelles Stillen", an dem sich nach ihren Angaben mehr als 11.000 Facebook-Mitglieder beteiligten: Sie tauschten ihr Profilfoto bei Facebook gegen ein Bild aus, das eine stillende Mutter zeigt. Gleichzeitig versammelten sich etwa zehn Frauen vor der Facebook-Zentrale in Palo Alto zum öffentlichen Stillen. Unter ihnen war auch die 23 Jahre alte Heather Farley, die seit vier Jahren Facebook-Mitglied ist und regelmäßig Fotos mit insgesamt rund 400 Online-Freunden austauscht. Mit ihrem neun Monate alten Säugling, so sagt sie, "ist es ziemlich schwer, ein Bild von mir zu bekommen, bei dem ich nicht gerade stille".

Facebook-Sprecher Barry Schnitt erklärte zu dem Aufruhr der Mütter, die Nutzungsbestimmungen ließen die meisten Fotos von stillenden Frauen zu. Erst wenn die Brustwarze zu sehen sei, werde dies als Verstoß betrachtet. Dabei halte das Unternehmen nicht von sich aus Ausschau nach regelwidrigen Fotos, sondern werde erst nach einem Hinweis von anderen Nutzern aktiv. Auch bei MySpace kam es zu Protesten, nachdem Fotos mit stillenden Müttern entfernt worden waren. Der auf Internet-Recht spezialisierte Harvard-Professor John Palfrey sieht in der Debatte ein Signal, dass mit der zunehmenden Größe der "Social Networks" die Vorstellung entstehe, dass es sich dabei um einen öffentlichen Treffpunkt handle, mit allen entsprechenden Grundrechten. "Online-Treffpunkte können einen öffentlichen Ort simulieren", erklärt der Jurist. "Aber es sind immer noch private Websites, bei denen das Unternehmen König ist."

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KOMMENTARE (10 von 22)
 
MK80 (09.01.2009, 15:10 Uhr)
stillende mütter
mir geht es nicht um stillende mütter in der öffentlichkeit. wenn sich ne mutter im park oder sonstwo hinsetzt um ihr kind zu stillen dann geht das völlig in ordnung. mir geht es um die frage ob es nötig ist alles im internet zu veröffenlichen. es geht hier doch um 2 ebenen von wahrnehmung: zum einen die reale: ich sehe mutter mit kind, rege mich auf oder auch nicht, und habe dass ganze nach 2 minuten wieder vergessen. wenn ich den entsprechenden fetisch pflege, gefällt mir dass ganze vielleicht sogar. dass lässt sich nicht vermeiden, andere leute werden halt beim anblick von stöckelschuhen heiß, und die werden ja auch noch getragen.)
die zweite ebende ist das internet:
hier hat jeder die möglichkeit, sich alle daten auf dauer zu sichern. (vorallem mit Bildern geht da immer, wenn man weiß wie) und da muss man sich doch fragen ob ich möchte das jeder sich bilder von meinen kind, ggf mit den zugehörigen daten. auf den rechner laden kann. von diesem standpunkt aus betrachtet vertehe ich die betreiber schon.
und mal ganz abgesehen davon: es liegt bei betreiber, was er in seinen foren zulässt und was nicht. wems nicht passt der kann ja wechseln
anderwandlang (09.01.2009, 11:56 Uhr)
Im alten Atlantis
trugen Frauen ihre Brüste natürlich und offensichtlich vor sich her. Damals war das ein Sinnbild für die grosse Urmutter. Was jetzt die Männer vor sich hertrugen, ist mir nicht bekannt. Möglicherweise ein Schild und einen Speer, wer kann das schon sagen.
Das Thema ist so vielschichtig und reicht von der Schönheit und Harmonie einer weiblichen Brust bis zu Dessous-Fetisch.
Die berühmte Woodstock-Generation oder die Beatniks oder die 68er gingen dazumal freizügig und provokant mit öffentlichem Stillen um. Wie sollte das denn sonst zu regeln sein: eine Frau mit Kind in der Öffentlichkeit, soll sie sich mit ihrem Baby in einen dunklen Winkel zum Stillen verdrücken? Da sind doch natürliche Bedürfnisse im Spiel.
Die etwas gegen öffentliches Stillen haben, heben das ziemlich auf eine unnatürliche Ebene. Ob da wirtschaftliche Interessen dahinterstecken? Oder einfach falsche Moral oder Prüderie oder eine Heilslehre? Vielleicht mögen auch die Gegner nur die weibliche Brust künstlich verpackt und nicht mit einem saugenden Baby daran? Vielleicht sind diesen sogar die BHs und Höschen und Nylons und Strapse lieber als eine natürliche Frau?
Also das Thema geht bis ins Schräge.
Jedenfalls ist eine stillende Mutter mit Kind nicht pornografisch. Und Sex wird eben durch pervertierende Erziehung so verbogen, dass der eigentlich darin verborgene Wert verloren ging: Sex ist, wenn ich mir und einem anderen über den Körper Wohlbefinden gebe - da gehört auch Massage dazu beim Heilpraktiker oder Ayuveda oder Radfahren. Radfahren? Jeder inspirierte Fahrer wird das bestätigen können.
Also lassen wir die Kirche im Dorf und nehmen das Stillen bitte aus der Schmuddelecke!
screne (08.01.2009, 12:05 Uhr)
Thema verfehlt, liebe Kommentatoren
Hier gehts nicht um die Frage des Exhibitionismus. Wer solche Bilder von sich hochladen will, soll es tun dürfen. Facebook und MySpace haben da nichts dran zu drehen. In den USA scheint alles Körperliche sexualisiert zu werden. Dabei hat das Stillen eines Kindes rein gar nichts mit Sex oder Pornografie (=zur Schau gestellte Sexualität) zu tun. Mal ehrlich, wer eine Szene, in der ein Baby gestillt wird, an Sex denkt, und eine solche Szene für obszön hält, ist nicht mehr ganz frisch im Kopf.
Lammbock (08.01.2009, 11:45 Uhr)
Sehe ich auch so
Ich sehe das so wie MK80. Wenn einige Leute meinen sich selbst zur Schau zu stellen, sollen sie das tun.
Aber bei uns gilt immer noch. Die Würde des Menschen ist unantastbar; und hier meine ich die Würde des Kindes (und evtl. die Würde der Leute, die diese Bilder sehen müssen. Und teilweise kann man ja schon gar nicht mehr weg sehen).
MK80 (08.01.2009, 11:02 Uhr)
woher
kommt eigenlich das bedürfniss sich und seine kinder in allen möglichen situationen abzulichten und diese fotos ALLEN MÖGLICHEN leuten zugänglich zu machen?
nix gegen stillende oder auch stolze mütter, sehr wohl aber etwas gegen dumme:
man schaue sich nur mal z.b. bei wer kennt wen etc die privaten fotoalben an: fotos von kleinkindern, zum teil mit name und adresse.
da muss jedem pädophilen doch das herz aufgehen.
vielleicht sollte man das ganze einfach mal von der seite betrachten, dass da menschen abgebildet werden, die sich nicht dagegen wehren können, und es nicht unter kontrolle haben, wer sich diese bilder alles anschaut und evtl. sogar runterlädt.
Ich zumindest bin froh, dass meine kinderfotos bei mir zuhause im fotoalbun stehn. und sonst nirgens.
esopherah (08.01.2009, 10:52 Uhr)
US Unternehmen
sind nunmal die größte zensurgefahr für diese welt.
Diese globalen unternehmen bestimmen was wir sehen dürfen und was nicht.
Abhängig von ihren angeblichen moralvorstellungen.
Es sollte gesetzte gegen ein solches verhalten geben und betreffende firmen abgemahnt werden. Wer mit informationen handelt darf diese nicht manipulieren. Aber das erzählt mal unseren internetzensurgeilen volksverrätern in allen parteien.
sportartmakler (08.01.2009, 09:44 Uhr)
manmanman
wenn frau keine anderen probleme hat.
DasBertl (08.01.2009, 03:55 Uhr)
Jeder Arsch
darf seine Meinung veröffentlichen und sei sie noch so unnütz oder gar ekel erregend, jeder depp darf sein gesicht ins internet stellen ob es nun ansehnlich oder abschreckend ist, Männer dürfen sich sogar oben ohne zeigen, selbst wenns n dicker fetter behaarter klops mit männertitten ist, aber die brustwarze einer frau ist zu viel für diese menschen, wohl erst recht wenn ein kind dran hängt. DAS ist doch das ding. Obs jemand sehn will ist dahingestellt, aber ins netz stellen sollte man das schon dürfen. Aber wie schon jemand zuvor bemerkt hat: Es sind Privatunternehmen und keine freiheitlich-demokratischen Netzwerke
Germane27 (08.01.2009, 02:10 Uhr)
So ein quatsch..
Danke Rynaldo fuer die klare ansage! Heute sind es die stillenden Muetter, morgen stillende Vaeter mit Gummititte?? Uebermorgen wer weiss. Wenn die Damen stillen wollen bitte,aber muss es denn im Internet sein? Klar man kann alles gesund und gut beten aber manchmal hilft einfach der gesunde Menschenverstand,oder andersrum sonst nix zu tun?? Kategorie: Dinge die die Welt nicht braucht.Wieviel % der nun abgelichteten Frauen haetten uns ohne Kind/stillen ihre Titten im Web gezeigt? Frage: wass is nu anders??
schlotti (08.01.2009, 01:31 Uhr)
Worum geht's?
Es geht nicht darum, ob eine gerade stillende Frau ein Foto von sich veröffentlichen SOLLTE.
Es geht darum, ob eine stillende Frau ein Foto von sich veröffentlichen DARF.
Ich bin schon der Meinung, dass manche Fotos nicht veröffentlicht werden dürfen. Fotos von Verbrechen an Kindern zum Beispiel.
Aber ein Foto einer stillenden Frau gehört sicher nicht in diese Kategorie. Solche bigotten Verbote sind schlicht mittelalterlich.
Allein die Einordnung von facebook, dieses Foto gehöre zu den nicht erlaubten "obszönen, pornografischen oder sexuell eindeutigen" Inhalten, spricht Bände!
Was sind das für Leute, die solche albernen Entscheidungen treffen?
Die Verantwortlichen bei facebook sind sicherlich keine weltfremden Idioten.
Ich glaube, es handelt sich hier - mal wieder - um vorauseilenden Gehorsam.
Bloß nicht mit irgendeinem Idioten anlegen! Es könnte ja ein Kunde sein!
Zum kotzen.
Wie wäre es denn mal mit ein wenig Rückgrat, meine Damen und Herren von facebook? Ihr MÜSSTET Euch nicht so verbiegen!
Gebt doch Leuten, die sich durch solch harmlosen Fotos auf den Schlips getreten fühlen, einfach mal Kontra!
Ich möchte behaupten, dass Ihr zwar einige (blöde) Kunden verlieren würdet, aber auch viele neue Kunden, die vielleicht nicht so blöd sind.
MfG,
Schlotti
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