Griesgrämer, der Twitter-Schreck der Telekom

27. Juni 2013, 09:42 Uhr

Er pöbelt ständig und liebt Mariacron. Erst beschimpfte der Twitterer Griesgrämer den Telekom-Support. Und dann stand er bei stern.de vor der Tür. Die Geschichte eines ungebetenen Besuchs. Von Julia Rieke

Griesgrämer, Telekom, Twitter, Kunden-Support

@Griesgraemer in seinem Element, dem Pöbeln. Am Dienstag beschimpfte er den Kunden-Support der Telekom, am Mittwoch stattete er stern.de einen ungebetenen Besuch ab.©

Er beschimpft alles und jeden, grölt gerne schlechte Schlagertexte und trinkt nach eigenen Angaben literweise Mariacron: Der @Griesgraemer, wie er sich auf Twitter nennt, gehört nicht unbedingt zu den angenehmsten Zeitgenossen. Ein breites Repertoire an kreativen Beleidigungen zeichnet den immer miesgelaunten Typen aus, der am liebsten den ganzen Tag im Unterhemd auf der Couch liegt und sich über den Rest der Welt beschwert. Seine Kommentare gehen dabei nicht selten unter die Gürtellinie, doch seine mehr als 10.000 Follower scheinen ihn dafür zu lieben. Im Internet ist der Miesepeter mittlerweile sogar zu einer kleinen Berühmtheit geworden.

Eine Diskussion mit dem Kunden-Support der Telekom brachte den Stein ins Rollen: @Griesgraemers Beschwerde über das eingeschränkte Datenvolumen seines Smartphone-Tarifs sorgte für einen unterhaltsamen Schlagabtausch auf Twitter. Nur kurze Zeit später verbreitete sich der Dialog im Internet und auch der @sternde-Account verwies seine Follower darauf. Prompt reagierte der @Griesgraemer in gewohnter Pöbel-Laune und kündigte sogar an, im Verlagshaus vorbeizukommen. Und tatsächlich stattete der @Griesgraemer der stern.de-Redaktion am Mittwochnachmittag einen Besuch ab.

Griesgrämer, Telekom, Twitter, Kunden-Support

So (oder so ähnlich) hat sich das Ganze zugetragen: Mit Schnapsfahne, im Bademantel und im Feinripp-Unterhemd stand er im Eingang des Gruner+Jahr-Verlagshauses und verlangte lauthals "Tittenhefte und Mariacron". Aus Angst vor Beschwerden anderer Kollegen und des Sicherheitsdienstes nahm die stern.de-Redaktion den Pöbler bei sich auf.

Griesgrämer, Telekom, Twitter, Kunden-Support

Was aber fängt man mit einem aufgebrachten und wütenden Griesgram an? Sowohl Kaffee als auch Kuchen schlug er aus und auch unsere rührseligen Gesprächsversuche konnten ihn nicht besänftigen.

Griesgrämer, Telekom, Twitter, Kunden-Support

Der Griesgrämer war eben in seinem Element: Beleidigend, unhöflich und natürlich in Großbuchstaben unterhielt er die Twitter-Nutzer am Nachmittag.

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Trotz eindringlicher Verbote zündete er sich reihenweise Zigaretten an, hielt ein Nickerchen auf dem Konferenztisch und erst ein Schluck Mariacron sorgte für zeitweilige Beruhigung. Und Interviewfragen wollte er erst recht nicht beantworten.

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Zu viel der Freundlichkeit, zu viel der Fragen. Und so dauerte es nicht lange, bis er genug hatte. So überraschend wie der Herr auftauchte, verschwand er auch wieder.

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Zurückgeblieben ist - neben einem Berg leerer Flaschen - die vorsichtige Vermutung, dass hinter der bösartigen Twitter-Fassade vielleicht doch mehr als nur ein gemeiner alter Griesgram steckt.

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Ein unscharfer Blick auf den Mensch hinter dem Griesgrämer. Erkannt werden möchte er nicht.©

So alt wirkt der sehr höfliche Kapuzenpulli-Träger nämlich gar nicht und sein Alter Ego Griesgrämer sucht man bei einer Tasse Kaffee vergeblich. Nur ganz selten rutscht dem jungen Mann - seinen Namen will er lieber nicht preisgeben - versehentlich ein Schimpfwort heraus. Ein schlechtes Wort über "Griesi" geht ihm jedoch nicht über die Lippen, schließlich sind die beiden gemeinsam aus Südhessen in ihre Wahl-Heimat Hamburg gezogen, um dort zusammen "Ramtamtam" zu machen. Manchmal muss der Ärger über das Wetter, den "Tatort" oder eben den Internetanbieter einfach raus. Wie gerne möchte man in diesen Momenten all seiner Unzufriedenheit einfach mal Luft machen, ohne dass es jemand merkt. Der Mensch hinter @Griesgraemer hat eine Lösung gefunden und seine Follower spielen das Spiel mit. Zwischenzeitlich meinen wir sogar ein Lächeln im @Griesgraemer-Gesicht entdeckt zu haben. Das bleibt aber unter uns.

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