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15. Februar 2010, 18:12 Uhr

Wie die Handys von morgen aussehen

Die weltgrößte Mobilfunkmesse zeigt die neuen Handytrends. Die Zukunft bringt viele, viele bunte Smartphones, Apps für jeden Geschmack - und das Ende der zehn Zifferntasten. Von Gerd Blank, Barcelona

Mobile World Congress, Handys, Smartphones, Barcelona, Samsung, HTC, LG, MWC, Mobilfunkmesse

Samsung macht für sein neuen Handy Wave eine ordentliche Welle© Albert Gea/Reuters

Samsung macht die Welle: In riesigen Lettern zeigt der Elektronikriese seinen Mitbewerbern den Stinkefinger. In ganz Barcelona, aber vor allem rund um das Messegelände des Mobile World Congress, kann man seinen Blick nicht schweifen lassen, ohne Werbeplakate von Samsung zu sehen. Der Konzern will die Aufmerksamkeit auf das neue Flaggschiff "Wave" lenken. Dafür wurde sogar die Fassade der alten Stierkampfarena, inzwischen ein Einkaufszentrum, eingekleidet.

Aber ist Wave diese Aufmerksamkeit wirklich wert? Auf den ersten Blick ist das Gerät des drittgrößten Handyherstellers nur ein weiteres Smartphone mit großem Display. Unter der Haube protzt das Samsung-Teil allerdings mit starken Werten: Der Touchscreen mit der neuen Super-Amoled genannten Technik sorgt für eine gestochen scharfe und ruckelfreie Darstellung auf dem 3,3-Zoll-Display. Als Motor dient ein für Handys überraschend starker Ein-Gigahertz-Chip.

Doch im Prinzip unterscheidet sich das Gerät kaum von der Konkurrenz. Ob das Display einen Millimeter größer ist und der Prozessor einen Takt schneller schlägt, scheint bei all den Smartphones, die in Barcelona präsentiert werden, zur Nebensache zu werden. Auch die Betriebssysteme verschwinden hinter angepassten Oberflächen. So sieht man bei den neuen HTC-Telefonen zu allererst die eigene "Sense"-Oberfläche, egal ob Android, Windows Mobile oder andere Systeme als Antrieb dienen. "Nutzer wollen gar nicht wissen, was für ein Betriebssystem installiert ist", sagt HTC-Manager Eric Matthes. "Wichtig ist, dass die Geräte einfach zu nutzen sind." Doch obwohl alle Geräte im Einheitslook daherkommen, merkt der Nutzer schnell, wo die Grenzen dieses Konzepts liegen. Denn wer sich neue Programme - App genannt - installieren will, muss schon wissen, bei welchen der inzwischen unzähligen Downloadshops er sich anmelden muss. Dass der Nutzer solche Apps will, daran herrscht kein Zweifel auf dem Branchentreff.

Apps sind überall

Ob Google mit dem Android-Market, Windows Mobile mit seinem Marktplatz oder Samsung, Palm, LG und wie sie alle heißen mit ihren eigenen Lösungen - alle wollen ebenfalls vom App-Boom profitieren, den Apples iPhone ausgelöst hat. Das ganze Messegelände ist mit Hinweisen auf die besten mobilen Anwendungen tapeziert. Ob soziale Vernetzung, Multimedia oder Büroanwendungen - es gibt immer mehr als eine App dafür. Wie einst für stationäre Computer haben Programmierer die mobilen Geräte für sich entdeckt und zeigen die Lust an der Softwareentwicklung an jeder Messeecke.

Obwohl Apple Messen ignoriert, ist das iPhone omnipräsent. Überall werden Apps für das Telefon mit dem Apfel optimiert. Allerdings darf nicht jeder Hersteller mit seinen Produkten aufs Apple-Handy. So bleibt Adobe aufgrund seines andauernden Streits mit Apple nichts anderes übrig, als seine Software "Adobe Air" nur für Android-Smartphones zu präsentieren. Per Adobe Air können Anwendungen plattformunabhängig entwickelt werden, eine Programmversion läuft dann auf verschiedenen Betriebssystemen. Nach Mac OSX, Windows und Linux wird das künftig auch auf Google-Handys funktionieren. Doch diese Einschränkungen könnten bald der Vergangenheit angehören. 24 Mobilfunkbetreiber aus aller Welt, darunter T-Mobile und AT&T, haben sich zur Wholesale Applications Community zusammengeschlossen. Die Initiative will eine einheitliche Applikations-Plattform entwickeln, Anwendungen sollen auf jedem Smartphone funktionieren. Unterstützt wird diese Allianz auch von den Handybauern LG und Sony Ericsson, beides Unternehmen ohne erfolgreiche App-Stores.

Endlich: Windows Mobile 7

Und Microsoft? Innerhalb eines Jahres hat die größte Softwareschmiede der Welt rund ein Viertel seines Marktanteils bei Handy-Betriebssystemen verloren. Ein Update von Windows Mobile war längst überfällig. Vor genau einem Jahr stellte Steve Ballmer Version 6.5 vor, nicht mehr als eine Detailverbesserung eines unbeliebten Systems. Die wesentliche Neuerung war die Einführung eines eigenen Softwareshops. Erst 2010 scheint die Zeit reif für einen Neuanfang. Mit Version 7 hält eine neue Nutzeroberfläche Einzug auf den Windows-Smartphones. Microsoft hat das durchaus hübsche Bedienungkonzept des bislang nur in den USA verkauften MP3-Player Zune übernommen. Ob das Unternehmen damit die verlorene Kundschaft zurückgewinnen kann, ist zweifelhaft. Denn eine coole Oberfläche macht aus Microsoft noch lange kein cooles Unternehmen.

Bye-bye, Tastatur!

Klar ist: Die Zeit der kleinen Telefone mit den zehn Zifferntasten ist wohl vorbei. Künftig werden selbst Handys für Einsteiger zu Touchscreen-Smartphones. Der Verlust der Tasten ist für die Inhalte-Anbieter allerdings ein Gewinn, denn durch das größere Display lassen sich auch Werbeanzeigen besser platzieren. Google und Apple, die beiden wichtigsten Mitspieler im Smartphone-Markt, bringen nicht nur Inhalte aufs Display, sie besitzen auch die wichtigsten mobilen Anzeigenvermarkter. Auch Nokia, immerhin größter Handyhersteller der Welt, setzt auf Werbeeinblendungen in ortsbezogenen Diensten und macht zu diesem Zweck aus allen neuen Smartphones vollwertige Navigationsgeräte. Mehr noch: Zusammen mit Intel präsentierte das finnische Unternehmen eine Linux-basierte Softwareplattform Meego, mit denen Anwendungen unabhängig von der Geräteklasse - sei es Smartphone oder Tablet PC - entwickelt werden können.

Der Mobile World Congress in Barcelona zeigt, dass die Zeit der privaten Desktoprechner abläuft. Die mobilen Alleskönner sind inzwischen leistungsstärker, als es vollwertige Computer vor wenigen Jahren waren. Geld wird mit Apps und Werbung verdient, und das jederzeit und an jedem Ort. Die ganze Welt steckt in der Hosentasche, gleich neben dem Portemonnaie.

Von Gerd Blank, Barcelona
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
STR_EDDS (16.02.2010, 11:29 Uhr)
Aus-Knopf
Mann könnte an dieser Stelle allen, die ungefragt und immerwährend behaupten, das Teflon "auch mal zuhause lassen zu können, um die Ruhe zu haben", das Konzept des "Aus"-Knopfes erklären. Für Viele scheint sich dieses nicht ganz zu erschliessen.
.
Bequem getippt auf einem E71. So.
radar74 (16.02.2010, 10:39 Uhr)
@DasBertl
Ach ja wenn alle Leute wie sie denken würden dann würden wir womöglich noch in der Steinzeit leben. Ich persönlich möchte mein IPhone nicht missen, weil ich überalle Zugriff zu Internet, Mail, etc. habe. Alleine dadurch habe ich beim shopping schon einiges an Geld gesparrt weil ich im Geschäft schauen kann wo ich es günstiger bekomme. Und wenn man dann den Verkäufer anspricht bekommt man auch meist die Sachen zu dem Preis wie es im Internet steht.
Und was die Bedingung angeht gibt es nichts besseres.
Arno222 (16.02.2010, 10:14 Uhr)
@DasBertl
Na ja, ich könnte wetten, als die ersten Handys auf den Markt kamen gehörten Sie zu den Leuten die behauptet haben, "SMS und überall telefonieren können" brauch ich nicht. Wenn irgerndwas umständlich zu bedienen war, dann die "alten" Handys. Allein schon das Schreiben einer SMS mit der 10er Tastatur. Und ich kennen einige Leute, denen ihr Handy ins Klo, aus dem Fenster etc. gefallen sind und die waren alle kaputt.
MMSterling (15.02.2010, 22:44 Uhr)
Desktopersatz?
Zitat "Der Mobile World Congress in Barcelona zeigt, dass die Zeit der privaten Desktoprechner abläuft. "

Vielleicht, wenn man die kleinen Racker irgendwann mal als "Speicherkarte" in den Slot eines 20" Bildschirms stecken kann...

Bis dahin löst das Spielzeug gar nichts ab. Weder meinen Bildschirm mit Tastatur, noch meinen TomTom (Nokia N97 GPS Fix: rund 20 Minuten - kein Wunder, daß die Finnen die Software verschenken).
klabautermann79 (15.02.2010, 21:26 Uhr)
Schöner Schlußsatz
"Die ganze Welt steckt in der Hosentasche, gleich neben dem Portemonnaie." Wie treffend. :)
DasBertl (15.02.2010, 20:26 Uhr)
Dann behalt ich eben mein altes...
Wenn "normale" Handys von der Bildfläche bzw vom Markt verschwinden sollten, dann behalte ich eben mein altes Handy. Ich brauch den ganzen Quatsch nicht, schon gar keine andauernde Internetverbindung aufm Handy. SMS und Telefonieren, mehr will ich nicht. Ich willmich nicht erst durch einen Wust an Menüs und untermenüs durch"touchen" bis ich zur Eingabe der Telefonnummer komme. Wenns nach mir ginge, wäre ein etwas schlankeres Nokia 5110 mit Tribandfunktion und aufgeblasenem Speicher für SMS und Telefonnummern genau das, was ich habe wollen würde. Das war noch robust (lag in der Isar ohne dauerhaften Schaden davonzutragen, ist gegen Wände geflogen, auf den Betonboden aus mehreren Metern höhe etc... Nur vor dem Verlieren war es nicht gefeiht, das ist der einzige Grund warum ich jetzt ein 6230i besitze (der vorgänger 6230 ist nur für eine Sekunde in der Kloschüsselk gelegen, da beim Hinsetzen reingefallen und hats danach nie wieder getan...). Ich will wieder robuste Handys und nicht den hyperempfindlichen Mist mit jeder Menge toller Funktionen, die kein Mensch braucht...
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