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10. Dezember 2007, 09:22 Uhr

Siegeszug mit 160 Zeichen

Vor 15 Jahren verschickte ein britischer Techniker die erste SMS. Damit begann ein Siegeszug mit 160 Zeichen: Dieses Jahr verschickten die Deutschen 23 Milliarden SMS über ihr Handy, selbst die Kanzlerin ist bekennende "Simserin".

Vor 15 Jahren begann die SMS einen unvorhersehbaren Siegeszug in der Kommunikation© Federico Gambarini/DPA

Vor 15 Jahren wurde die erste SMS versendet. "Seither hat sie einen unglaublichen, in keiner Weise vorhersehbaren Siegeszug erlebt", sagte der Erfurter Handy-Forscher Joachim Höflich in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. 23 Milliarden SMS-Nachrichten werden die Deutschen nach Schätzung des Bundesverbandes Informationswirtschaft bis zum Jahresende verschickt haben - etwa 350 je Handynutzer. Noch im Jahr 1999 waren es erst 3,6 Milliarden gewesen.

Am 3. Dezember 1992 hatte ein Techniker in Großbritannien die erste Kurznachricht (Short Message) zu Testzwecken von einem Computer an das Mobiltelefon eines Kollegen übertragen. Die Botschaft lautete: "Merry Christmas". Der Short Message Service (SMS) war damals gar nicht für die Kommunikation zwischen den Telefonnutzern gedacht. Vielmehr wollte der Betreiber damit die Nutzer unter anderem über Netzstörungen informieren. Deshalb wurde dieses Nebenprodukt auch zunächst kostenlos angeboten.

Unter der Bettdecke Nachrichten verschicken

Der Erfolg des Mediums sei angesichts der meist wenig benutzerfreundlichen Funktion erstaunlich, sagte Höflich. Die Tastatur sei klein, das Schreiben oft schwierig. "Dass es trotzdem so eingeschlagen hat, ist auf die Jugendlichen zurückzuführen. Sie haben es sehr schnell als ihr eigenes Medium angenommen. Sie können damit weitgehend unkontrolliert von den Eltern kommunizieren, quasi unter der Bettdecke Nachrichten empfangen und verschicken."

Junge Leute hätten auch eine unglaubliche Virtuosität beim Schreiben von SMS-Texten und eine eigene Sprache entwickelt. "Nun gut, die Texte sind oft eher profan: "Hab dich ganz doll lieb" oder abgekürzt "hdgdl" wird da dem Empfänger mitgeteilt. Aber unser Alltag ist ja auch überwiegend profan", meinte der Handy-Forscher.

Seit 1994 unterstützen alle Mobiltelefone Versand und Empfang der Kurznachrichten. "Inzwischen ist es Alltag geworden. Heute sehen wir, wie sogar die Bundeskanzlerin mit dem Daumen die Tasten ihres Handys bearbeitet", so der Professor.

Gemeinsam schreiben und lesen

Unter Schülern seien SMS mit den Zettelchen vergleichbar, die sich Mädchen und Jungen unter der Schulbank zusteckten. Oft würden sie auch gemeinsam geschrieben und gelesen. Beim Verfassen der SMS gebe es große geschlechtsspezifische Unterschiede. "Frauen schreiben nicht nur mehr Briefe und Mails, sondern auch mehr, längere und schönere SMS", weiß Höflich aus Studien. "Die Antworten der Männer fallen meist eher kurz aus, etwa: "Ich dich auch, dein Otto".

Die SMS im bisherigen Format ist laut Höflich ein Auslaufmodell. "Wenn von jedem Handy Mails in beliebiger Länge versendet werden können, braucht es die Reduktion auf die 160 Zeichen nicht mehr." Für den Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien gibt es allerdings noch keinen Anlass für einen Abgesang auf die SMS: Eher werde die Mobile Multimedia-Nachricht MMS mit Urlaubsfoto die Postkarte ersetzen, glauben die Fachleute.

DPA
 
 
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