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4. August 2007, 10:00 Uhr

Flipper im Zunahmi

Im Alter wird es spannend für den Delfin auf der Hüfte. Unser Hausarzt Dr. med. Eckart von Hirschhausen warnt vor Tätowierungen, die ins Auge gehen.

 

Einst waren Tätowierungen das Privileg rauer Seefahrer, heute lassen sich Mädchen bekritzeln© André Rival

Die moderne deutsche Frau trägt ihre Haut gern bedeckt. Mit Tattoos. Wenn der Sommer naht, lugen wieder ganze Schwärme von Delfinen über Schulterblätter, in jeder Couleur. Aus dem Wunsch nach etwas Besonderem ist so sehr Massenkultur geworden, dass, wer sich heute mittels Tattoo wirklich aus der Masse herausstechen lassen will, dazu schon etwas wirklich Ausgefallenes brauchte, ein Kreuzworträtsel aufs Kreuzbein etwa oder ein Fragezeichen auf die Stirn.

Einst waren Tätowierungen das Privileg rauer Seefahrer, heute lassen sich Mädchen in einem Alter bekritzeln, in dem sie selber noch ein unbeschriebenes Blatt sind. Da kann die Mutter noch so lange warnen, dass auch die 15-Jährige Mutter werden könnte, mit allen Folgen für Sozialstatus und Bindegewebe. Dann doch lieber Piercings, die kann man wieder entfernen. Aber permanent verunstalten lassen für ein flüchtiges Lebensgefühl? Keins dieser Girlies käme auf die Idee, seine Zimmerwand statt mit einem Poster, das man beizeiten wieder abhängen kann, gleich in Freskentechnik für die Ewigkeit zu verschönern.

Delfin in den Gezeiten des Bauchfettes

Schüchterne wählen für ihr Tattoo die sogenannte Bikini-Zone, die je nach dem Flächenverhältnis von Stoff und Haut sehr unterschiedlich breit ausfallen kann. Ist der Delfin indes - um schamhaft den Schambereich zu vermeiden - zu weit nach oben gerutscht, sieht er sich den Gezeiten des Bauchfettes unterworfen, und da ist mit fortschreitendem Alter immer seltener Ebbe. Sollte eine Schwangerschaft erschwerend hinzugekommen sein, wird aus dem delikaten Delfin ein gestrandeter Buckelwal.

Noch vorsichtigere Frauen wählen deshalb die Knöchelregion. Als Arzt muss ich warnen, dass auch diese zu dramatischen Veränderungen ihrer Form fähig ist: Wer weiß, ob die Schmetterlings-Lady von heute sich nicht in 30 Jahren als Kassiererin die Beine in den Bauch und das Wasser in die Beine steht? Da könnten die zarten Schmetterlingsflügel aufs Äußerste gespannt werden.

Für mich haben Knöchel-Tattoos immer den Beigeschmack des Kleingedruckten. Da unten steht irgendwas. Aber was? In welcher Position soll man, ohne den Anstand zu verlieren, so nah an die Zeichnung herankommen, dass man ihre Botschaft würdigen kann? Unauffällig beim Schuhzubinden? Ich frage mich auch, ob Tätowierungen am Knöchel ein Versprechen sind, dass es irgendwo weitergeht. Eine buchstäbliche Fußnote - der eigentliche Text steht auf einem anderen Schulterblatt.

Wenn man einmal anfängt, hört man nicht mehr auf

Da lobe ich mir doch den Umgang der Männer mit ihren Tattoos. Unvergessen ein Patient in England, der wohl schon ahnte, dass seine Beziehungen nicht von Dauer sein würden. Statt sich auf dem Unterarm auf einen Namen festzulegen, ließ er tätowieren: "Ich lebe und sterbe für alle, die ich liebe!" Ich stellte mir vor, wie er nachts in der Kneipe den Ärmel hochkrempelt und versucht dem Objekt seiner Begierde verständlich zu machen: Das hab ich nur für dich gemacht! Neulich lernte ich jemanden kennen, der mir offenbarte: Wenn man einmal mit dem Tattoostechen angefangen hat, hört man nicht mehr auf. Aus verschiedenen Epochen seiner ästhetischen und finanziellen Entwicklung demonstrierte er mir Muster von Engel über Teufel bis Tribal, also Zeichen bestimmter Stammeszugehörigkeiten. Als er mich fragte, ob ich eine Idee für sein Rückentattoo hätte, schlug ich ihm den Satz vor: "Hier könnte Ihre Werbung stehen!"

Im Ernst: Wirklich verstehen werde ich diesen Kult wohl nie. Ich kaufe mir lieber Aktien von Firmen, mit deren Lasern man Tätowierungen entfernen kann. Denn ich wette, irgendwann werden die spätpubertierenden Rebellinnen wie auch die harten Jungs entdecken, was sie heute nicht zu schätzen wissen: die Schönheit reiner Haut.

Übernommen aus ... GesundLeben GesundLeben
Ausgabe 4/2007

 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
Beckstown (07.08.2007, 12:09 Uhr)
CheSmittyVara hat es erfasst!
@Alex64: Es muss mir nicht gefallen, aber ich darf doch wohl eine Meinung dazu haben, und sie äußern.
Dein Kommentare sind im Ton völlig daneben und beleidigen. Wenn man sich bei jeder Kritik so echauffiert, dann nenne ich das mit Recht kleingeistig! Übrigens hat sich nur "Kalox" abfällig und (nach Deiner Ansicht) reaktionär geäußert,
alle anderen Kommentare haben ironisch Stellung bezogen. Die einzigen, die hier an die Decke gehen, sind Leute "Deiner Coleur" (wie Du es so pathetisch ausdrückst), denen anscheinend der Sinn für die Ironie fehlt.
PS: Jemanden "reaktionär" zu nennen, der gegen etwas ist, was seit über 7000 Jahren existiert, ist wohl auch nicht angebracht.
CheSmittyVara (06.08.2007, 15:09 Uhr)
Ironie verboten?
Die Frage, die ich mir beim Lesen der Kommentare stelle, ist, wer denn hier eigentlich spießiger ist: diejenigen, die über Tattoos lästern, oder diejenigen, die sich darüber aufregen, weil jemand so einen Artikel schreibt. Ich finde diesen Artikel und die Vorstellung eines gestrandeten Cellulite-Wals klasse. Wenn sich jemand tättowieren lassen will, soll er das tun. Aber dann nicht bei Infektionen oder der Beseitigung nach der Krankenkasse rufen.
Alex64 (06.08.2007, 14:26 Uhr)
"Lieber" becks,
WEN bitte nennst DU hier engstirnig und kleingeistig? Muss DIR und anderer Deiner Couleur gefallen, was andere Leute mit ihrem Körper anstellen? Was DU am Baggersee schön findest oder nicht - vielleicht gefällt mir dein Bierbauch auch nicht?
Und mein Kommentar war definitiv NICHT gegen den Artikel gerichtet, sondern gegen die "kritischen" - in meinen Augen alles andere als toleranten - Kommentare anderer Leser hier.
sportartmakler (06.08.2007, 11:30 Uhr)
an die kritiker
dass man tatooträger mit kleingeistern gleichsetzt ist doch einfach nur lächerlich, jedem was ihm gefällt. die kritiker würden ihre traumfrau/mann sicherlich auch nicht stehen lassen weil ein tatoo als unüberbrückbares hindernis im wege steht....
kritisieren tue ich lediglich die eltern der 16jährigen die sich tattowieren lassen dürfen, weil es nur der grund der mode ist und nicht ein stück individualität darstellt....außerdem sollte der körper "ausgereift" sein, damit sich nicht schon frühzeitig die motive dehnen ;-)
Beckstown (06.08.2007, 10:59 Uhr)
Wie geistig minderbemittelt muss man sein...
...um eine Satire nicht zu erkennen!
@Alex64: Deine Haltung ist engstirnig, lass doch jedem seine Meinung!
Ich habe nichts gegen Tätowierungen, aber was ich gestern so am Badesee (auf dem Dorf!) bewundern durfte, war größtenteils alles andere als Hautverschönerung.
Okay, wem's gefällt, aber Dr. von Hirschhausen hat schon vollkommen recht, wenn er feststellt, dass es von einem Ausdruck der Individualität zu einem modischen Massenphänomen geworden ist.
Es geht um die Aussage des Tattoos, und darum, was die Leute in 20 Jahren über ihre Arschgeweihe denken.
Hier sagt nur jemand seine Meinung, und die Tattooanhänger fühlen sich gleich diskriminiert...
Das nenne ich wirklich kleingeistig!
Alex64 (06.08.2007, 10:24 Uhr)
Ach Gottchen.
Welch´ geistig minderbemittelte, erzreaktionäre und intolerante Menschen hier doch mal wieder unterwegs sind.
Und wahrscheinlich habt ihr zuhause noch den röhrenden Hirsch (oder war´s das Jesusbildchen? Alpenpanorama?)über der Couch oder dem Bett hängen, zieht euch zum Gotterbarmen schlecht und altmodisch an, misstraut allem Fremden und ernährt euch von heimischer Küche - weil, was der Bauer (und um solche edlen Schollenbesteller scheint es sich ja hier zu handeln)nicht kennt, das frisst er halt nicht...
Lasst doch bitte jeden sich seinen Körper so "verschönern" wie er/sie das will - was gehen euch diese Bildchen denn an?
Wenn´s stört - ihr könnt gerne wegschauen, ist gar nicht so schwer.
Ich zerreis mir auch nicht das Maul über eure altmodischen Klamotten, weisse Socken in Sandalen, weisse, schwabbelige Beine und Bäuche und konservativen Hirne...
Kalox (06.08.2007, 10:00 Uhr)
korrektur
wow. was für ein anblick wohl in fünfzig jahren auf uns warten wird, wenn sechzig bis siebzigjährige mit verschmierten picassos auf der haut aufwachsen, statt delfinen. aber bei frauen dauert das sowieso nur ein paar jahre, diese 16-jährigen Intelligenzbestien werden sich mit dem einundzwanzigtsen schon über das stete wachstum ihrer "Verbesserung der Natur" freuen können.
DorisSchmitt (06.08.2007, 09:00 Uhr)
Herrlich
Ein herrlicher Artikel.
Ich frage mich vor allem, was einem dazu treibt, sich dauerhaft bemalen zu lassen.
Schmetterlinge, Delphine ect.. gehen ja noch, die sind zeitlos und bringen außer dem Träger niemanden in Verlegenheit.
Aber was ist z.B. mit der Mutter, die sich wie z.B. meine Schwägerin das Bildnis ihres Sohnemannes (8)in die Schulter hat tätowieren lassen?
Was wird der Junge wohl mit 16 oder 17 denken, wenn die Mutter mit dem Bildnis rumläuft. Wie wirkt das auf eine zukünftige Freundin?.
Also die Aktien von Firmen, die Laser zur Entfernung von Tötowierungen herstellen, möchte ich auch haben.
Doris Schmitt
wmebh (05.08.2007, 16:05 Uhr)
Tatoo
Keine Ahnung haben die meisten.ein schönes Tatoo ist eine verbesserung der Natur
mistpilz (05.08.2007, 15:15 Uhr)
Leben und leben lassen...
habt ihr alle nichts besseres zutun, als sich über Dinge das Maul zu zerreissen nur weil sie nicht eurer Wertevorstellung entsprechen? Ich finde eine Frau mit einem großen und sauber gestochenen Tattoo beispielsweise sehr erotisch! Jeder lebt anders! Und ich bin froh, dass nicht jeder so engstirnig ist wie viele meiner Vorredner! Für mich ist auch nicht jeder Schlipsträger kurrupt und karrieregeil! ...nebenher bin ich selber einer dieser "Schlipsträger". Ich arbeite in einer Führungsposition eines großen Informatikunternehmens. MIT tattowierten Oberarmen! ;)
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