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31. August 2009, 16:18 Uhr

Ärzte verdienen an Klinik-Einweisungen

Weil in Städten die Konkurrenz der Krankenhäuser groß ist, bezahlen sie Ärzte anscheinend für passende Überweisungen. Die umstrittene Praxis soll quer durch alle Fachbereiche stattfinden.

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Für manche Überweisung zahlt das Krankenhaus dem niedergelassenen Arzt Geld© Colourbox

Immer mehr Praxisärzte nehmen nach Einschätzung von Patientenvertretern und Medizinern Geld dafür, dass sie Patienten in Krankenhäuser überweisen. "Dass niedergelassene Ärzte von Krankenhäusern Prämien für die Einweisung von Patienten erhalten, und das offenbar im großen Stil, ist ein unfassbarer Skandal", kritisiert der Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch.

"Das sind nicht mehr nur Einzelfälle wie vor zwei oder drei Jahren", sagte der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Rudolf Kösters, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) hatte auf diese Praxis aufmerksam gemacht. Vor allem in Ballungsräumen sei die Konkurrenz unter den Kliniken groß, so die DGU. Die Häuser versuchten zunehmend, Ärzte für Patienten mit bestimmten Diagnosen zu bezahlen.

"Ob die Zuweiser die Prämie fordern oder annehmen - es bleibt ein juristisch und ethisch überaus fragwürdiges Prozedere", bemängelte die DGU. Die Gesellschaft will auf ihrer Jahrestagung Mitte September in Dresden weiter über das Problem der "gekauften/verkauften Patienten" informieren.

Der Ehrenkodex hält nicht mehr

Krankenhäuser ließen sich die Einweisung eines Patienten, der eine neue Hüfte bekommt, bis zu 1000 Euro kosten, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Krankenkassen. Die umstrittene Praxis gehe quer durch alle Fächer. Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe sagte, Geld für eine Einweisung zu nehmen, sei "total verboten". Doch die Medizin sei in hohem Maß kommerzialisiert. "Da halten die Ehrenkodexe nicht mehr."

Brysch betonte: "Die Opfer solcher Machenschaften sind in erster Linie die Schwerstkranken und Sterbenden." In ihren letzten Lebensmonaten würden sie im Schnitt fünf Mal zwischen Pflegeheim und Krankenhaus hin und her überwiesen. "Jetzt kommt heraus, wie sehr sich das für die niedergelassenen Ärzte lohnt", kritisierte Brysch. Nach Angaben der DGU handelt es sich um Summen, die das 10- bis 20-Fache des normalen Honorars für Urologen pro Quartal und Patient ausmachen. "Persönlich halte ich die von verschiedenen Arztgruppen, auch von Urologen, praktizierte Einweisungsvergütung für hochproblematisch", meinte DGU-Präsident Manfred Wirth.

Niedergelassene Ärzte und Kliniken konstruierten laut DGU Kooperationsverträge als juristische Schlupflöcher. Das Grundproblem ist nach Angaben der Gesellschaft, dass es zu viele Krankenhäuser gebe. Solche Praktiken könnten das Vertrauen zwischen Ärzten und Patienten untergraben.

Das Honorar für die rund 140.000 niedergelassenen Ärzte aus dem Topf der gesetzlichen Krankenkassen stieg von rund 29 Milliarden 2008 auf 31,6 Milliarden Euro in diesem Jahr.

DPA
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
ganzbaf (01.09.2009, 17:51 Uhr)
Mann, Mann, Mann...

Das ganze Gesundheitssystem ist mittlerweile derart verkommen.... Man sollte überlegen Ärzteschaft, Krankenhäuser und Pharmakonzerne nur noch pauschal nach dem Gesundheiststatus einer Region bezahlen.
Sin die Leute überdurchschnittlich gesund, gibt es Geld von den Kassen. Im ungekehrten Fall gibt es eben nix! ;-D
Administrator (01.09.2009, 11:59 Uhr)
@ Laserstrahl
Bitte unterlassen Sie die Werbung!
undjetztnochder (01.09.2009, 09:43 Uhr)
Unglaublich
Sollte sich das bewahrheiten, muss das für die daran Beteiligten empfindliche Konsequenzen haben: für die Krankenhäuser, aber auch für die bestochenen Ärzte. Das Mindeste wären empfindlich hohe Geldstrafen, aber auch über den Entzug der zulassung als Krankenhaus bzw. Arzt ist nachzudenken. Absolut inakzeptabel!
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