Wünsch dir was

Verlassen Sie sich besser nicht darauf, dass Ihre Lieben Gedanken lesen können. Schon gar nicht jetzt, wo es darum geht, was wir zu Weihnachten auspacken werden, ahnt Eckart von Hirschhausen.

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Um bösen Überraschungen vorzubeugen, rät Dr. Hirschhausen den Frauen zu eindeutigen Hinweisen. Dann steckt hier keine Enttäuschung drin.©

Als Kinder lernen wir etwas sehr Unsinniges. Wenn eine Sternschnuppe fällt, dann darf man sich etwas wünschen. Aber man darf um Himmels willen niemandem sagen, was man sich gewünscht hat, sonst geht der Wunsch nicht in Erfüllung. Liebe erwachsene Leser: Wünsche gehen nach aller menschlichen Erfahrung sehr viel eher in Erfüllung, wenn andere wissen, was wir uns wünschen!

In der Adventszeit soll man eigentlich die Vorfreude auf Weihnachten genießen. Stattdessen bedeutet sie für viele bloß Riesenstress, denn zu allen anderen Verpflichtungen müsste man jetzt noch Gedanken lesen können, wer sich was wünscht. Und es darf keiner etwas vom Stress mitbekommen, denn man tut ja alles aus Liebe. Aber weil kein Mensch Gedanken lesen kann, sollten Frauen das auch nicht von ihren Männern erwarten. Deshalb: Wenn ihr euch etwas wünscht, gebt uns bitte ab Jahresmitte eindeutige Hinweise. Und noch mal im Dezember.

Ich habe sehr schöne Erinnerungen an die Vorfreude, an das Baum-nach-Hause-Tragen, Schmücken und Warten. Und plötzlich waren Geschenke da! Wie die dahin gekommen waren, kümmerte uns Kinder wenig. Genauso wie viele Männer, die immer noch glauben, dass Geschenke schon irgendwie von allein auftauchen werden, wenn man nur lange genug wartet. Erst am Vormittag des 24.12. werden sie plötzlich von einem Hauch Realismus gestreift, wachen auf und ahnen: Verdammt - ich glaube, ich muss mich doch selbst auf den Weg machen.

Erlebnisse bleiben länger im Gedächtnis

Der Trost: Die ersten Männer, die Jesus besuchten, hatten auch keine Ahnung, was sie schenken sollten. Ich wüsste gern, was Jesus wirklich gedacht hat, als die aus dem Morgenland ihm Weihrauch und Myrrhe mitgebracht haben. "Was soll ich denn bitte schön damit? Muss ich mich jetzt freuen? Bin ich Jesus?" Aber laut Überlieferung hat er nichts gesagt. Auch er konnte ja noch nicht direkt nach der Geburt sprechen.

2000 Jahre später wollen wir ja oft wirklich anderen eine Freude machen. Und deshalb werden viele Eintrittskarten für Veranstaltungen verschenkt. Und das hat aus Sicht der Glücksforschung tatsächlich Sinn. Denn Vorfreude ist die schönste Freude. Die Erwartung, dass mir etwas in der Zukunft gute Gefühle machen wird, lässt es mir schon jetzt besser gehen. Glücklicherweise unabhängig davon, ob das Erlebnis tatsächlich ein Kracher wird. Man schenkt den Gedanken, die Fantasie und die Gemeinschaft. Glück kommt selten allein, und Eintrittskarten zu einem gemeinsamen Erlebnis sind oft schöne Geschenke, wenn es etwas ist, an dem alle Freude haben. Erlebnisse bleiben viel länger im Gedächtnis als Dinge, gerade weil sie erst auf sich warten lassen und dann irgendwann vorbei sind.

Wenn man aber etwas Gegenständliches verschenkt, sollte man es unbedingt aufwendig verpacken. Von wegen, Verbraucher wollen Transparenz! Gerade bei Geschenken wünschen wir uns Undurchsichtigkeit, denn Voraussagbarkeit und Vorfreude sind schwer zu kombinieren. Und was ist mit dem Klassiker unter den Geschenken: schöne Unterwäsche? Mehr Vorfreude kann man sich nicht machen: etwas Besonderes kaufen, es dann einpacken, damit es jemand Besonderes auspackt, um sich darin wieder einzupacken - um letztendlich wieder ausgepackt zu werden. Frohes Fest!

Übernommen aus ... stern Gesund leben Ausgabe 06/2012
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