Hilfe für kleine Schreihälse

7. August 2008, 20:50 Uhr

Brüllt das Baby, kann das durch Mark und Bein gehen. Doch meist gibt sich das Problem von alleine wieder. Dauert das Geschrei an, lassen Sie sich am besten von Ihrer Kinderärztin beraten.

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Dreimonatskoliken,

Vielleicht hilft eine sanfte Massage gegen die Luft im Bauch©

Es gibt Babys, die schlafen wie kleine Engel, andere brüllen wie die Löwen und treiben ihre Eltern in den Wahnsinn. Im Prinzip müssen Sie da durch. Gute Beratung kann aber dazu beitragen, dass alle ein bisschen zur Ruhe kommen.

Gleich vorweg: Bauchweh hat Ihr Baby wahrscheinlich gar nicht. Zwar wird die Unruhe in den ersten drei Lebensmonaten nach wie vor gern mit dem Begriff Dreimonatskoliken beschrieben, doch Koliken sind praktisch nie die Ursache. Da es viele Auslöser der Brüll-Attacken geben kann, bezeichnen Fachleute unruhige Kinder heute oft als "Schreibabys".

Neben den üblichen Hausmitteln gibt es mehrere Methoden, die vielleicht etwas bringen können: Sie können Ihren Säugling massieren, ihm Kräutertees oder Spezialnahrung einflößen. Vielleicht hilft auch die kraniale Osteopathie oder Chiropraktik.

Lassen Sie sich ausführlich beraten - und auch ein bisschen beruhigen, es hilft keinem, wenn Sie auch noch los schreien. Ganz wichtig: Verordnen Sie Ihrem Schreihals keine Diät, ohne vorher mit Ihrem Kinderarzt darüber gesprochen zu haben. Sonst laufen Sie Gefahr, Ihrem Baby mehr zu schaden als zu nützen.

Maren Wernecke / Jan Schweitzer

Expertenmeinung Johannes Forster, Chefarzt der Abteilung für Kinderheilkunde am St. Josefskrankenhaus Freiburg, und Hans-Ulrich Neumann, Hamburger Kinderarzt:

Für die meisten Behandlungsmethoden wie Säuglingsmassage, Kräutertees oder Spezialnahrung ist nicht eindeutig belegt, dass sie nützen. Andere Methoden sind möglicherweise gefährlich: dazu zählen die Osteopathie am Hals oder die chiropraktische Manipulation der Wirbelsäule.

Eine englische Studie hat gezeigt, dass 29 Prozent aller gesunden, ein bis drei Monate alten Säuglinge länger als drei Stunden am Tag schreien. Im Alter von vier bis sechs Monaten sind dies nur noch sieben bis elf Prozent. Bei vielen Babys verschwindet das häufige Schreien also von allein. Fühlen Sie und Ihre Familie sich jedoch stark belastet, kann es helfen, sich an eine Schreibaby-Ambulanz zu wenden. Hier lernen Sie nicht nur, beim Kind etwas zu verändern, sondern auch, wie Sie und andere Familienmitglieder mit dem Baby besser umgehen können. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Babys auf mehr Ruhe, einen strukturierten Tagesablauf und Beruhigung gut ansprechen.

 
 
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