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Poimplantate und Riesenbusen? "Der Trend zum Immer-größer geht zurück"

Werner Mang ist Deutschlands bekanntester Schönheitschirurg. Nachdem er einen Arzt ohne hier geltende Approbation beschäftigt hatte, war es ruhig um ihn geworden. Im stern erzählt er über diese "bittere Zeit" und offenbart eine neue Leidenschaft: die Politik.

Von Florian Güßgen und Nina Poelchau

  Nase, Lippen, Augenlider: Werner Mang ist Pionier der ästhetischen Chirurgie in Deutschland. Ein Mann, der polarisiert.

Nase, Lippen, Augenlider: Werner Mang ist Pionier der ästhetischen Chirurgie in Deutschland. Ein Mann, der polarisiert.

Werner Mang? Kennen Sie nicht? Das würde ihn schwer treffen. Denn der Mann ist bekennender Narzisst, Egozentriker, einer, der sich selbst sehr, sehr lieb hat. Und er ist seit Jahrzehnten eine Figur der Klatschspalten, des Boulevards, einer, der immer gerne dabei ist, wenn die Reichen und Schillernden sich treffen: in Kitzbühel beim Hahnenkammrennen auf der Streif, in Wimbledon beim Finale oder bei der Formel Eins in Monaco in der Boxengasse. So genießt er das Luxus-Leben – und wirbt gleichzeitig um Patienten für seine "Bodenseeklinik" in Lindau. Nie leise, immer mit Tusch – Mang ist einer, der seinen  selbst erschaffenen Reichtum fast schon auf barocke Weise vorführt: "Schaut’s her: meine Villa, meine Yacht, mein Hubschrauber."

Bruch in der Erfolgsbiografie

Uns hat Mang interessiert, weil er eine Person  ist, die polarisiert: Die einen verehren ihn als Selfmademan, als Pionier der ästhetischen Chirurgie in Deutschland. Die anderen – darunter auch etliche seiner Medizinerkollegen -  empfinden ihn, bei dem es immer steil bergauf ging,  als Angeber, sie können ihn nicht leiden.

2011 gab es einen Bruch in seiner Erfolgsbiografie. Damals berichteten die Kollegen des "Spiegel", dass Mang in seiner Bodenseeklinik einen Arzt ohne Approbation beschäftigt habe, und sie erhoben weitere, schwere Vorwürfe, die sich dann aber nicht erhärten ließen: Mang habe Akten gefälscht. Und Patienten seien – anders als vereinbart - nicht von ihm, sondern von seinen Mitarbeitern operiert worden. Wegen des Kollegen ohne geltende Approbation akzeptierte Mang schließlich einen Strafbefehl wegen vorsätzlicher Körperverletzung in acht Fällen. 200 Tagessätze musste er zahlen, nach seinen eigenen Angaben rund 250.000 Euro. Seither gilt er als vorbestraft. Ändert so ein Rückschlag die Selbstwahrnehmung so eines Mannes? Kommt er ins Nachdenken? Das wollten wir wissen. Ein weiterer Anlass für unser Gespräch war die neue Autobiografie Mangs, die dieser Tage erscheint. Es ist die zweite binnen weniger Jahre, aber die erste nach der Vorstrafe.

"An so einer Niederlage kann man zerbrechen"

In Lindau trafen wir einen Mann, der mit sich im Reinen zu sein scheint. Er saß in seinem Büro, an der Wand hingen, dicht an dicht, zig Porträts von Mang mit Prominenten. Boris Becker und Mang. Naomie Campbell und Mang. Bernie Ecclestone und Mang. Mang. Mang. Mang. Unverhohlener Geltungsdrang gehört zum "Professor", wie sie ihn in seiner Klinik alle rufen, unbedingt dazu – dazu gesellen sich ein charmantes Wesen,  schneller Witz, Schlagfertigkeit. Reue oder eine gewisse Demut waren bei Mang nicht auszumachen. "Ich bin misstrauischer geworden. Aber jeder, der in seinem Beruf ganz nach oben kommt, der die Nummer eins ist, hat irgendwann einmal einen solchen Einbruch. An so einer Niederlage kann man zerbrechen – oder man geht stärker denn je daraus hervor. Wie ich, sagte er.  Auch seine Auftragslage habe keinen Einbruch erlitten, behauptet Mang. "Ich habe heute mehr zu tun als früher."

In dem Gespräch gab Mang sich zurückhaltend, was die Schönheitschirurgie betrifft. Nicht alles, was machbar ist, solle auch gemacht werden, lautet seine Botschaft. Früher formte er Menschen schon mal nach den Vorbildern Brad Pitt und Pamela Anderson, das will er jetzt alles nicht mehr machen. "Ich habe mich weiterentwickelt. Das gebe ich zu", sagt er. Und auch, dass die Zeit des großen Silikonbusens vorbei sei. "Der Trend zum Immer-mehr, Immer-größer geht, Gott sei Dank, zurück. Poimplantate, aufgespritzte Lippen, Riesenbusen. Als Schömheitsideal gelten nicht mehr Figuren wie Kim Kardashian."

"Ich muss mal mit Christian Lindner sprechen" 

Dass Mangs Sendungsbewusstsein ungebrochen ist, lässt sich auch an seinen politischen Ambitionen ablesen: Er will in den Bundestag, oder besser: das würde ihm sehr gefallen. Die FDP sei in der engeren Wahl. Er wolle darüber mal mit Christian Lindner sprechen. Den schätzt er – auch, weil er sich Haare transplantieren ließ und das nie ableugnete. Die Kanzlerschaft, also die Nachfolge Angela Merkels, traut sich Mang übrigens auch zu. Nach anfänglichem Lachen und einer langen Pause antwortete er auf die Frage: "Warum nicht? Der Beckenbauer wäre allerdings noch kanzlerfähiger."

Das komplette Interview gibt’s im aktuellen Stern.



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und Nina Poelchau