Die Wunde heilt, die Farbe bleibt. Woraus sie besteht, zeigte eine Untersuchung von Regensburger Medizinern: Bis zu 300 verschiedene Mischungen werden zum Tätowieren verwendet. Das blau-schwarze Standard-Tattoo besteht zwar mit großer Wahrscheinlichkeit aus simpler Tusche oder Farbruß. Buntere Körperbilder enthalten bis zu 60 verschiedene Farbpigmente. In vielen stecken Schwermetalle wie Nickel, Chrom und Quecksilber, die oft Allergien auslösen.
Rot gilt als riskanteste Farbwahl, denn hier wird Zinnober beigemischt, das giftiges Quecksilber enthält. Um und in den rot tätowierten Bereichen können sich Blasen bilden oder Entzündungen auftreten. Doch auch vor anderen Tönen warnen Hautärzte. So enthält Gelb Kadmium, Blau Kobalt und Grün Chromoxid. Unter Umständen stecken in bunt schimmernden Tätowierungen auch Azofarbstoffe, das sind chemische Verbindungen, deren Abbauprodukte Krebs erregen können.
Zwar unterliegen alle kosmetischen Mittel, die auf die Haut aufgetragen werden, der europäischen Kosmetik-Richtlinie und der deutschen Kosmetik-Verordnung. Für Stoffe, die unter die Haut gehen, gelten derlei Auflagen aber nicht. Es gibt derzeit weder eine verbindliche Regel, die vorschreibt, wie eine Tätowierfarbe zusammengesetzt sein muss, noch eine Institution, die die Substanzen auf Reinheit und Verträglichkeit testet.
Bisher existiert lediglich ein Gesetzesentwurf, der vorsieht, Krebs erregende Stoffe wie Azofarbstoffe für Tätowierfarben nicht mehr zuzulassen. Bleibt abzuwarten, wann diese Regelung umgesetzt wird und wer die Stoffe künftig auf Verträglichkeit prüft. Bis dahin dürfen Tattoostudios ihre Chemiecocktails weiter verwenden. Und die Hersteller dieser Farben halten sich bedeckt. Ihr Argument: Schließlich seien die verwendeten Farben normalerweise nicht zum Tätowieren gedacht. Bei falscher Anwendung sind sie folglich nicht haftbar.
Unglaublich, aber wahr: Auch hinsichtlich der Hygiene gibt es hierzulande gar keine Vorgaben. Mit anderen Worten: Jeder Tätowierer könnte seinen Klienten jede x-beliebige Farbe in die Haut spritzen und müsste sich dafür noch nicht mal die Hände waschen. Theoretisch darf er die Nadeln so oft benutzen, wie ihm beliebt, und braucht sie nicht mal zu sterilisieren. Glücklicherweise ist das nicht üblich. Profi-Studios, in denen derartige Zustände herrschen, sind nicht konkurrenzfähig.