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BND-Chef verschwieg lange Operation Monkeyshoulder

BND-Präsident Gerhard Schindler arbeitete eng mit dem britischen Geheimdienst zusammen. Das Kanzleramt erfuhr erst spät von der Operation Monkeyshoulder - und ließ den BND weiter gewähren.

Von D. Liedtke, W. Löer, U. Rauss und O. Schröm

  Gerhard Schindler vor dem NSA-Untersuchungsausschuss: Mit den britischen Kollegen arbeitete er eng zusammen, auch ohne das Kanzleramt vorher darüber zu informieren.

Gerhard Schindler vor dem NSA-Untersuchungsausschuss: Mit den britischen Kollegen arbeitete er eng zusammen, auch ohne das Kanzleramt vorher darüber zu informieren.

Das wahre Ausmaß der Spionageunterstützung des BND für den amerikanischen Geheimdienst NSA wurde BND-Präsident Gerhard Schindler nach eigenen Angaben lange Zeit nicht gemeldet. Bei der Operation Monkeyshoulder jedoch ist es umgekehrt. Dokumente, die der stern einsehen konnte, zeigen: Schindler setzte sich persönlich dafür ein, das gemeinsame Überwachungsprojekt mit dem britischen Geheimdienst GCHQ dem Kanzleramt vorzuenthalten. "Der Präsident eröffnete mit der Bitte, die geplante Kabelzusammenarbeit nicht im Bundeskanzleramt zu erwähnen", heißt es in einem internen Vermerk des BND aus dem Jahr 2012.

Briten und Deutsche machten sich zwischen 2012 und 2013 daran, gemeinsam an einem Knotenpunkt in Frankfurt am Main Metadaten abzuschöpfen, mithilfe britischer Technik und britischen Sachverstands. BND-Agenten bekamen dafür eigens in England und in Deutschland Schulungen von GCHQ-Spezialisten.

Aufschrei der Presse? Einkalkuliert!

Skype-Verbindungen, Absender und Empfänger von E-Mails und Whatsapp-Nachrichten: Der Deal war, solche Daten in großem Stil abzusaugen und dann auch an die Briten weiterzugeben. Die Deutschen wiederum sollten Datenmaterial erhalten, das auf britischem Boden abgezapft wurde.

Bei dem Ausspähprojekt gab es jedoch ein Problem: In Deutschland darf niemand grundlos elektronisch ausspioniert werden. Bei dieser brisanten Zusammenarbeit mit Großbritannien agierte Gerhard Schindler an seinem Dienstherrn vorbei. Im Leitungsstab des BND sei man sich "des eingegangenen Risikos bewusst", heißt es weiter in den Akten, und: "Bei öffentlichem Bekanntwerden müssen wir mit einem Aufschrei der Presse rechnen."

Kanzleramt ließ Projekt weiterlaufen

Nach stern-Informationen unterrichtete der BND das Kanzleramt erst Ende August 2012 über die Zusammenarbeit, zehn Tage bevor eine britische Delegation die Regierungszentrale besuchen wollte. Das Kanzleramt stoppte die umstrittene Operation daraufhin jedoch keineswegs. Noch im Juni 2013 lief Monkeyshoulder weiter. In Berlin übernahm der BND damals Überwachungsgerät, das die Briten per Lkw in die Britische Botschaft geliefert hatten. Erst als der Whistleblower Edward Snowden auch Dokumente über die Spionageaktivitäten des GCHQ enthüllte, wurde die Operation Monkeyshoulder gestoppt.

Im NSA-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages kam die Geheimoperation mit den Briten bisher nicht zur Sprache.

Mehr über die Operation Monkeyshoulder …

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