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18. Oktober 2006, 11:48 Uhr

Deutsche Soldaten bewachten US-Foltergefängnis

KSK-Soldaten haben mittlerweile eingeräumt, Murat Kurnaz im afghanischen Kandahar begegnet zu sein. Wie stern.de erfuhr, haben deutsche Elitesoldaten das geheime US-Foltergefängnis bewacht. Von Oliver Schröm

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Dass Kurnaz eine Begegnung mit deutschen Elitesoldaten hatte, ist jetzt bestätigt© Peer Grimm/DPA/LBN

Nach Informationen von stern.de haben im Fall Murat Kurnaz mittlerweile zwei KSK-Soldaten eingeräumt, dass ihnen im US-Gefängnis im afghanischen Kandhar der gebürtige Bremer von Angehörigen der amerikanischen Streitkräfte vorgeführt wurde. Offenbar waren Soldaten der deutschen Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte an der Bewachung des US-Lagers beteiligt. Die KSK-Soldaten streiten jedoch ab, Kurnaz misshandelt zu haben.

Der in den Medien als "Bremer Taliban" bekannt gewordene Kurnaz hatte in einem Interview mit dem stern den Vorwurf erhoben, nach seiner Entführung im Dezember 2001 in einem geheimem Foltergefängnis der USA auch von zwei KSK-Soldaten misshandelt worden zu sein: "Ich war noch keine zwei Wochen dort, da wurde ich abends hinter zwei Lastwagen geführt. Es hieß, zwei deutsche Soldaten wollten mich sehen. Sie trugen Camouflage-Uniformen, das Tarnmuster war aus kleinen Punkten zusammengesetzt, wie vom Computer gemacht, und sie trugen die deutsche Flagge am Ärmel. Ich musste mich hinlegen, die Hände auf dem Rücken gefesselt. Der eine zog mich an den Haaren hoch. 'Weißt Du, wer wir sind?' Der wollte angeben. 'Wir sind die deutsche Kraft.' Er hat jedenfalls meinen Kopf auf den Boden geschlagen, und die Amerikaner fanden das lustig."

Nach der Veröffentlichung des Interviews im stern lancierten deutsche Militärs die Meldung, wonach das KSK im besagten Zeitraum nicht in Afghanistan stationiert gewesen sei, sondern "auf Masira, einer Insel vor Oman". Rudolf Scharping (SPD), damals Verteidigungsminister, hielt Kurnaz Vorwürfe gar für unglaubwürdig: "Ich halte das für völlig ausgeschlossen, weil dies weder mit dem Einsatzauftrag noch mit den Einsatzregeln im geringsten zu tun hatte."

Am vergangenen Montag hatte Kurnaz in einem Fernsehinterview seine Vorwürfe erneuert. Zudem hatten weitere Recherchen des stern ergeben, dass entgegen anders lautenden Meldungen ein Vorauskommando der KSK sich bereits ab Dezember 2001 in Kandhar aufhielt. Ein hochrangiger KSK-Soldat zum stern: "Ich war ab dem 10. Dezember 2001 in Kandahar." Der stern veröffentlichte zudem in seiner Ausgabe vergangener Woche Fotos, die die Aussage belegten.

Das KSK war in Afghanistan in die Operation "Enduring Freedom" eingebunden. Nach Informationen von stern gehörte es dabei zur Aufgabe des KSK, das geheime Foltergefängnis der USA in Kandahar zu bewachen, in dem Kurnaz bis zur seiner Deportation nach Guantanamo internerniert und von Angehörigen der amerikanischen Streitkräften mit Elektroschocks gefoltert wurde. Dazu der hochrangige KSK-Soldat zum stern : "Wir haben schon gesehen, wie die Amerikaner die Gefangenen da im Lager getreten und geschlagen haben. Das war einfach schäbig."

Zur Stunde tagt der Verteidigungsausschuss des Bundestags. Wie stern.de aus dem Umfeld des Gremiums erfuhr, wurde von Seiten der Militärs hinter verschlossenen Türen bereits eingeräumt, dass KSK-Soldaten in Afghanistan Kurnaz begegneten und dass die deutsche Elite-Einheit dort das Geheimgefängnis der USA bewachten. Allerdings wird weiter bestritten, dass KSK-Soldaten den Bremer misshandelten.

Von Oliver Schröm
 
 
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