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Ihre Karriere liegt in Uni-Hand - doch dort pflegt sie beste Kontakte

Kaltschnäuzig konterte die Verteidigungsministerin die Erkenntnis von Wissenschaftlern, sie habe für ihre Doktorarbeit abgeschrieben. Die Uni prüft. Dass von der Leyen persönlich vernetzt ist, erwähnt sie nicht.

Von Wigbert Löer

Stolpert Ursula von der Leyen nun über ihre Doktorarbeit?

Stolpert Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen über ihre Doktorarbeit?

Ausgesprochen cool konterte die Bundesverteidigungsministerin die Befunde der Wissenschaftler: Plagiat in ihrer Doktorarbeit? Keineswegs. "Den Vorwurf des Plagiats kann ich zurückweisen", sagte Ursula von der Leyen. Von "Aktivisten im Internet" sprach sie dann noch, die versuchten, "Zweifel an Dissertationen von Politikern zu streuen". Die Worte der Ministerin klangen, als behaupteten die Mitarbeiter der Plattform "VroniPlag" Absonderliches, ohne Belege dafür zu haben.

Das Gegenteil ist der Fall, die Wissenschaftler dokumentieren ihre Erkenntnisse im Internet. Jeder kann nachvollziehen, wo überall und wie intensiv Ursula von der Leyen von anderen abgeschrieben hat, ohne das zu kennzeichnen.

Von der Leyens Kaltschnäuzigkeit verblüfft, sind doch frühere Kabinettskollegen über notorisches Abschreiben in ihren Dissertationen gestolpert. Annette Schavan, Merkels Bildungsministerin, verlor ihren Posten, Karl-Theodor zu Guttenberg, Wirtschafts- und dann Verteidigungsminister, ebenfalls.

Herr des Verfahrens ist nun erst einmal von der Leyens frühere Universität, und vielleicht erklärt sich dadurch, dass die große CDU-Hoffnung für die Zeit nach Merkel die Vorwürfe abstreitet, das Streuen von Zweifeln unterstellt und nicht das kleinste Stückchen Demut zeigt: Sie promovierte an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Stichwort: "Maschsee-Connection"

Hannover also, wo von der Leyen herkommt und wo viele viele kennen. Das Stichwort lautet "Maschsee-Connection", und da sind Verschwörungstheorien schnell zur Hand, allerdings auch harte Fakten. Ursula von der Leyen etwa ist eine Studienfreundin des Finanzunternehmers Carsten Maschmeyer. Später, als sie schon Ministerin war, warb sie öffentlich für dessen Kinderstiftung, wofür Maschmeyer sich bei ihr herzlich bedankte.

Mit Blick auf die aktuelle Affäre ist von Interesse, dass Ursula von der Leyen persönlich im Kuratorium der Förderstiftung MHH plus sitzt. Darauf hat sie nicht verwiesen, als sie sich zu ihrem Plagiat äußerte.

Der Posten in der MHH-Förderstiftung ist auch nicht die einzige Verbindung der Familie von der Leyen zur Hochschule. Ihr Mann Heiko von der Leyen ist alleinvertretungsberechtigter Geschäftsführer des Hannover Clinical Trial Center (HCTC). Diese Einrichtung gehört mehrheitlich der Medizinischen Hochschule Hannover. Heiko von der Leyen selbst hat ebenfalls einen Anteil am HCTC. Sein Co-Geschäftsführer im HCTC ist wiederum Mitglied des Präsidiums der MHH.

Die Beziehungen der von der Leyens zur Medizinischen Hochschule Hannover sind also eng. Es wäre übertrieben, dass ihr Mann seine Stellung aufgibt. Aber dass die Ministerin ihren Posten in der MHH-Stiftung ruhen lässt, solange dort möglicherweise über die Zukunft ihrer politischen Karriere entschieden wird, entspräche wohl auch der eigenen moralischen Erwartung, die sie selbst an die Politik hat.


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