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Ursula von der Leyen: Uni leitet "förmliche Untersuchung" der Doktorarbeit ein

Es geht um Geburtsvorbereitung und Blasensprung: Ursula von der Leyen wird von ihrer 25 Jahre alten Dissertation eingeholt. Die Hochschule prüft Plagiatsvorwürfe.

Ursula von der Leyen und Angela Merkel im Bundestag

Werden die Plagiatsvorwürfe Ursula von der Leyen zum Verhängnis? 

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) muss sich derzeit gegen Plagiatsvorwürfe bei ihrer Doktorarbeit wehren. Während Parteikollegen der 56-Jährigen den Rücken decken, bezeichnen zwei Juraprofessoren die Mängel der Arbeit als "gravierend". Jetzt hat die Uni in Hannover eine "Förmlich Untersuchung", also eine Hauptprüfung, eingeleitet. Von der Leyen weist alle Vorwürfe zurück. 

Schwerwiegende Mängel bei der Doktorarbeit

Nach einer Vorprüfung habe die Leitung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) entschieden, eine "Förmliche Untersuchung", also eine Hauptprüfung, einzuleiten. Die Schwelle zur Einleitung der Hauptprüfung sei im Verfahren zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis der MHH grundsätzlich niedrig. Rückschlüsse auf das Ergebnis der Vorprüfung dürfe man deswegen nicht ziehen. 

Unterdessen erhebt ein Juraprofessor aus Berlin schwere Vorwürfe gegen die Verteidigungsministerin. "Ich halte die Mängel für schwerwiegender als bei Frau Schavan", sagte Gerhard Dannemann der "Süddeutschen Zeitung". Die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan musste nach den Plagiatsvorwürfen 2013 ihren Ministerposten räumen. Sie hatte im Fach Erziehungswissenschaften promoviert, von der Leyen in Medizin.  

Die Arbeit sei ein "eindeutiges Plagiat"

Dannemann gehört zum Team der Internetplattform VroniPlag, die die Arbeit untersucht. Demnach hat die Ministerin und stellvertretende CDU-Vorsitzende in ihrer medizinischen Doktorarbeit aus dem Jahr 1990 fremde Texte ohne saubere Kennzeichnung übernommen. Zudem seien weitere Fehler gefunden worden. "Die Häufigkeit und leichte Vermeidbarkeit der Fehler spricht für grobes Schlampen", sagte Dannemann und sprach von einem "Muster in der Arbeitsweise".

Auch der Plagiatsexperte Volker Rieble bewertet das Vorgehen von der Leyens als "eindeutiges Plagiat". Er sagte dem Blatt, oberhalb einer Bagatellgrenze sei es egal, ob es sich um einen schweren oder nur mittelschweren Plagiatsfall, wie bei von der Leyen, handele.

Es ist kein Geheimnis, dass die Doktorarbeiten von Medizinern in deutlich kürzerer Zeit angefertigt werden, als die Arbeiten von Geisteswissenschaftlern. "Wofür Historiker, Chemiker oder Ingenieure mindestens drei Jahre benötigen, dafür brauchen Ärzte wenige Monate", schrieb die Wochenzeitung "Die Zeit" in seiner letzten Ausgabe und unabhängig vom Fall von der Leyen. 

Von der Leyen wehrt sich gegen Vorwürfe

"Den Vorwurf des Plagiats kann ich zurückweisen", sagte die CDU-Politikerin der Funke Mediengruppe. Sie wisse seit Ende August, dass ihre Doktorarbeit ins Visier genommen worden sei. Sie habe noch am selben Tag die Medizinische Hochschule Hannover gebeten, ihre Dissertation durch eine fachkundige und neutrale Ombudsstelle überprüfen zu lassen: "Soweit ich weiß, sind die Experten bei der Arbeit."

Ob aus diesem Fall auch eine Staatsaffäre wird und von der Leyen ihren Ministerposten räumen muss, hängt laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" nun davon ob, man die bekannten Schwächen von medizinischen Promotionen mit berücksichtigt: "Wenn wie in der Medizin 'Türschildforschung' nicht nur üblich, sondern geradezu zum professionellen Standard gehört, ist da die Schludrigkeit ins Schreibprogramm nicht automatisch eingebaut?"

Rückdeckung erhielt von der Leyen von CDU-Politikern. Parteivize Thomas Strobl sagte der "Rheinischen Post" vom Montag: "Die Menschen interessiert, wie wir aktuelle Probleme lösen und Herausforderungen angehen. Im Moment steht anderes im Mittelpunkt als irgendwelche Plagiatsvorwürfe." Der Mittelstands-Politiker Christian von Stetten mahnte im selben Blatt, dass auch für die Ministerin die Unschuldsvermutung gelte. 

law / AFP / DPA