Globales Rauschen

21. Dezember 2006, 09:27 Uhr

Schicksale auf drei Kontinenten werden in "Babel" auf tragische Weise miteinander verknüpft. Trotz der verschlungenen Handlung ist Alejandro Gonzàlez Iñàrritu ein bemerkenswerter Film über die Verletzbarkeit der Menschen gelungen.

Ohne Eitelkeit und Glamour: Brad Pitt in "Babel"©

Wenn es schon ein neues Genre "Globalisierungsfilme" geben sollte, dann gebührt "Babel" darin ein Ehrenplatz. Denn das auf drei Kontinenten spielende Drama des mexikanischen Regisseurs Alejandro Gonzàlez Iñàrritu ist ein aufwühlender Film um Sprachlosigkeit und Unverständnis in einer kleiner, aber nicht besser und dazu reichlich verwirrend gewordenen Welt. Kalifornien, Mexiko, Marokko und Japan sind die Schauplätze der verschlungenen Handlung.

Alles beginnt mit einem Tauschhandel: Ein Hirte bezahlt mit Geld und einer Ziege für ein Jagdgewehr, das seine halbwüchsigen Söhne Ahmed und Yussef beim Bewachen der Herde gegen Schakale einsetzen sollen. Doch die beiden treiben verhängnisvollen Unsinn mit der Waffe, denn sie schießen auf einen Bus auf der Straße im Tal. Als das Fahrzeug abrupt stoppt, wird den Jungs klar, dass etwas geschehen sein muss, und sie flüchten.

In dem fast zweieinhalbstündigen Film eskaliert nun unerbittlich das Geschehen auf allen Schauplätzen. Inarritu versteht es meisterhaft, die Handlungsstränge miteinander zu verknüpfen und schließlich sogar den Zusammenhang mit dem Schicksal der taubstummen Chieko in Japan aufzuzeigen, auch wenn das ein klein wenig überkonstruiert wirkt.

Aber wie beklemmend-körperlich die knapp 26-jährige Rinko Kikuchi die anrührende Not dieses Mädchens darstellt, gehört zu den Höhepunkten eines Films, in dem sich selbst ein populärer Hollywood-Star wie Brad Pitt, der als Richard agiert, mal ohne jede Eitelkeit und Glamour präsentiert. Seine Filmfrau Susan wird von Cate Blanchett gespielt. Es ist für die Australierin eine etwas undankbare Rolle, muss sie doch fast durchweg nur eine liegende Leidende sein. Doch auch das absolviert Blanchett souverän. Bewegend auch Adriana Barraza als mexikanische Haushälterin Amelia, die einen hohen Preis für ein paar glückliche Stunden bezahlen muss.

"Babel" konfrontiert mit menschlichem Schicksal

"Babel" bietet keinen entspannenden Kinokonsum, sondern konfrontiert mit menschlichem Schicksal und menschlicher Tragik fast schon im Übermaß. Doch die Bilder haften im Gedächtnis - das der verletzten Susan, der verzweifelten Amelia, der entblößten Chieko. Der Regisseur sagt selbst über seinen Film: "Oberflächlich betrachtet kann man sagen, dass es um das Scheitern von Kommunikation geht. Für mich geht es darüber hinaus auch darum zu zeigen, wie verletzlich wir als menschliche Wesen sind. Wenn eine Kette reißt, liegt das nicht am schwächsten Glied, sondern an ihrem Gesamtzustand."

Gerade wurde "Babel" mit sieben Nominierungen für den Golden-Globe-Filmpreis bedacht, damit gehört das Kinodrama auch zu den Favoriten für die Oscar-Vergabe. Es wäre sehr zu wünschen, dass dieser tiefgründige Film den Vorzug vor jenen Konkurrenten bekäme, die spektakulärer wirken, aber nicht annähernd so ernsthaft sind. Und eine eindringlichere Lektion über Terrorhysterie ist noch nicht erteilt worden als in "Babel".

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