Hollywood-Bad-Boy Mickey Rourke kehrt als König Hyperion in "Krieg der Götter" in die Kinos zurück. Im stern.de-Interview spricht der Superstar über seine Wiedergeburt in Hollywood, zwölf Jahre Arbeitslosigkeit und seine anhaltenden Probleme mit Autorität. Von Frank Siering, Los Angeles
Bösewicht, Boxer, Hollywood-Star. Mickey Rourke (59) ist all das und noch ein bisschen mehr. Heute kehrt er in seiner bisher wohl fiesesten Rolle in dem Streifen "Krieg der Götter" in die deutschen Kinos zurück. Als brutaler König Hyperion. Vernarbt, eiskalt, blutrünstig und brilliant.
Dennoch: Rourke mag es nicht, wenn er als Schurke bezeichnet wird. Das "schönste Gesicht der 80er Jahre" (Vanity Fair) ist trotz seiner eindeutigen Rolle in diesem und anderen Streifen keiner, der sich gerne in eine Schublade stecken lässt.
Vielleicht läuft er an diesem sonnigen Novembernachmittag in Los Angeles auch deshalb in schwarzschimmernden Samtschuhen durchs "Four Seasons"-Hotel. Vielleicht lässt er sich auch deshalb die massigen Hände regelmässig maniküren und trug in der Vergangenheit seinen kleinen und mittlerweile leider verstorbenen Schoßhund in einer Handtasche über den roten Teppich.
Mickey Rourke ist wie ein lodernder Waldbrand. Wunderbar anzuschauen, aber doch auch irgendwie stets gefährlich und bedrohlich. Im Interview mit stern.de zeigt sich der Hollywood-Haudegen ungewöhnlich zurückhaltend, ja fast brav. Doch zumindest der verbale linke Haken ist noch immer nur eine Redewendung weit entfernt.
Nein, im Gegenteil. Ich versuche, den Charakter menschlicher zu machen, die Kehrseite zu finden. Das macht einen solchen Part doch gerade erst spannend. Ich will nicht immer nur böse sein. Im wirklichen Leben bin ich nämlich auch ein ganz freundlicher Typ (lacht).
Ich habe schon einige echte Gangster in meinem Leben kennengelernt. Und ich habe sie immer wie ganz normale Mitbürger behandelt, bin mit ihnen zum Dinner gegangen, habe ihnen meine Freundin vorgestellt. Jeder Mensch hat seine guten Momente, daran glaube ich fest.
Schauen Sie, ich habe viele Fehler gemacht in meinem Leben. Ich war zwölf Jahre ohne Arbeit. Zwölf verdammte Jahre saß ich neben dem Telefon. Und es hat nicht geklingelt. Ich hatte viel Zeit, in mich zu gehen, nachzudenken. Ich musste mich ändern, das war irgendwann auch mir klar.
Als ich jung war, da wollte ich so sein wie Pacino, wie Keitel, Walken. Die habe ich angehimmelt. Und dann kam ich hierher nach Hollywood und habe schnell gemerkt, dass sich alles nur ums Geld dreht. Das hat es für mich kaputtgemacht.
Ja, das war der wesentliche Grund. Das Boxen war gut für mich. Da gab es kein grau, nur schwarz oder weiß. Es hat mir die Balance im Leben gegeben, die mir fehlte. Im Ring gibt es keine Lügen.
Jeder hat mich kritisiert. Alle dachten sie, ich sei destruktiv, würde zugrunde gehen. Aber durch das Boxen habe ich gelernt, was es heißt, sich konzentrieren zu müssen. Ich bin heute wesentlich konzentrierter als ich es früher war.
Nein, niemals. Ich musste in den Spiegel schauen und realisieren, dass ich es war, der Bockmist gebaut hatte. Ich war ein Star in den 80er Jahren, und ich war fertig in den 90ern. Da lernst du schon ein bisschen Ehrfurcht.
Mir selbst einzugestehen, dass ich mich ändern muss. Ich musste die Rüstung ablegen. Ich war böse vor 20 Jahren, einfach nur böse mit der Welt. Heute bin ich das nicht mehr. Aber ich habe immer noch ein bisschen Probleme mit Autorität. Das wird sich wohl niemals ändern (lacht).
Alles oder nichts. Immer mit Volldampf voraus. Du darfst keine Angst haben vor waghalsigen Entscheidungen. Das ist wie der Kampf gegen den Krebs. Du kannst nicht nur ein kleines Stückchen Krebs rausschneiden. Das muss alles weg. Nur dann kannst du wirklich nach vorne blicken.
Nein, warum auch? Ich habe den Film das erste Mal vor fünf Jahren gesehen. Verdammt, ich sah wirklich mal echt gut aus (lacht). Und diese Kim (Basinger), Alter, die war heiss! Das sind die Gedanken, die mir bei "9 1/2 Wochen" durch den Kopf schießen.
Äußerliche Narben schon. Die im Herzen nicht so sehr.