. .
Film, Kino, DVD
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
20. Juli 2007, 17:24 Uhr

Die Herrin von Hogwarts

Mit einer Zugfahrt hat es begonnen: Der Schweizer Literaturwissenschaftler und Harry-Potter-Fan Thomas Bodmer über das Leben, die Magie und den Erfolg von Joanne K. Rowling, der zauberhaftesten Schriftstellerin der Welt.

"Beim Schreiben bin ich 99 Prozent der Zeit sehr glücklich"© Daniel Deme/DPA

Nachdenklich legte die 81-Jährige den eben fertig gelesenen Harry-Potter-Band aus der Hand, wandte sich ihrer Enkelin zu und sagte: "Weißt du, was mich furchtbar ärgert? Dass ich vielleicht nicht mehr erleben werde, wie der siebte Band von Harry Potter ausgeht." Der Blick der Enkelin war wenig verständnisvoll und verriet nur: "Sorgen hat die Frau ..." Doch die alte Dame, meine Schwiegermutter, machte bereits Pläne: "Vielleicht gibt es vom Jenseits ja doch eine Verbindung nach hier unten. Wenn ihr also Band 7 lest und ein Kribbeln am Ohr spürt: Das bin dann ich, die euch beim Lesen über die Schulter schaut." Ein größeres Kompliment an die Adresse von Joanne K. Rowling, der Erfinderin von Harry Potter, ist kaum vorstellbar. Die wüsste es schon deshalb zu schätzen, weil ihre eigene Mutter nicht einmal das Erscheinen des ersten Bandes erlebte. Anne Rowling starb am 30. Dezember 1990 an Multipler Sklerose. Sie war erst 45 Jahre alt.

Tod und Verlust sind in allen HP-Bänden von großer Bedeutung. Harry Potter hat als Kleinkind beide Eltern verloren. Erst an seinem elften Geburtstag erfährt er, dass seine Eltern Zauberer waren, und kommt auf die Zaubererschule Hogwarts, die in einer geheimnisvollen Parallelwelt angesiedelt ist. Dort entdeckt er eines Tages einen Spiegel, der dem Hineinblickenden zeigt, was er am liebsten sähe. So sieht Harry nach zehn Jahren zum ersten Mal seine Eltern wieder. Ein so aufwühlender Moment, wie man ihn in einem Kinderbuch nicht erwartet. "Als ich die Szene am Tag nachdem ich das Kapitel abgeschlossen hatte, noch einmal las", gestand Joanne K. Rowling, "war mir fast peinlich, wie viele meiner Gefühle über den Tod meiner Mutter ich Harry gegeben hatte."

Besser geschrieben als die meiste Erwachsenenliteratur

Genau dieser emotionale Tiefgang ist einer der Gründe, weshalb die ursprünglich für Kinder geschriebenen Bücher auch so viele Erwachsene in ihren Bann ziehen. Rowlings Figuren haben ein komplexeres Innenleben als etwa die Gestalten eines John Irving. Und die Potter-Bücher sind unglaublich raffiniert gebaut: Von Anfang an hat Rowling die Saga auf sieben Bände angelegt; eine Figur, die im ersten Kapitel von Band 1 in einem Nebensatz erwähnt wird, erweist sich in Band 3 als Hauptfigur. Mit Lust legt die Autorin falsche Fährten, führt uns an der Nase herum und erweist sich überdies als Meisterin des komischen Fachs. Um es deutlich zu sagen: Die Harry- Potter-Bücher sind besser geschrieben als 97 Prozent der Erwachsenenliteratur.

"Ich genieße es ungeheuer, die Harry- Bücher zu schreiben - wahrscheinlich mehr, als irgendjemand die Lektüre genießt. Beim Schreiben bin ich 99 Prozent der Zeit sehr glücklich." Das erzählte mir Joanne K. Rowling am 23. April 1999 im "Nicolsons", jenem Café in Edinburgh, wo sie den ersten Band "Harry Potter und der Stein der Weisen" geschrieben hatte. Zwanzig Jahre lang war ich Verlagslektor und habe mich mit Literatur beschäftigt. Doch als ich Ende 1998 die ersten Sätze von "Harry Potter and the Philosopher’s Stone" las, ging es mir ähnlich wie bei der Lektüre von Julian Barnes' Meisterwerk "Flauberts Papagei": Da wurde ein Ton angeschlagen, der mich sofort in seinen Bann zog. "Mr and Mrs Dursley, of number four Privet Drive, were proud to say that they were perfectly normal, thank you very much." Vor allem das gesprochen klingende "thank you very much" begeisterte mich: Diese nachgeschobenen vier Wörter charakterisierten die Dursleys vortrefflich in ihrer selbstgefälligen Spießigkeit.

"Nicht länger als zwei bis drei Stunden"

Ich hatte doppeltes Glück, dass ich bereits 1998 von der niederländischen Sängerin Fay Lovsky auf Harry Potter aufmerksam gemacht wurde: Noch war der Hype nicht ausgebrochen, der einem jede Lust nehmen kann, die Bücher zu lesen. Und vor allem: Noch war es möglich, die Autorin zu interviewen. In einem Fax schrieb Rowlings Agent Christopher Little, das Gespräch könne stattfinden unter der Bedingung, dass ich nach Edinburgh fliege und es "nicht länger als zwei bis drei Stunden" dauere. Heute ein absolut unvorstellbarer Luxus - aber damals war eben Band 3, "Harry Potter und der Gefangene von Askaban", noch nicht erschienen, mit dem der Potter- Wahnsinn erst richtig ausbrach.

Die Frau, die im "Nicolsons" auftauchte, war klein, ihr Gesicht schmal, ihre Augen waren knallblau und hellwach. Sie trug große Ohrringe, war schwarz gekleidet, und ihre Mähne war rotblond gefärbt. Man hatte sie als Spice Girl beschrieben und - natürlich - als Hexe. Dabei war sie einfach eine gut aussehende, witzige, sympathische Frau, die noch immer nicht glauben konnte, was ihr widerfahren war - und schon gar keine Ahnung hatte, was noch auf sie zukam. Sie bestellte ein Bier und zündete sich eine Zigarette an: "Entschuldigen Sie, ich habe eigentlich zu rauchen aufgehört, aber die letzten Monate waren einfach zu verrückt." Wohl eher die letzten Jahre. Joanne Rowling wurde 1965 in Chipping Sodbury geboren - am 31. Juli, wie ihr Geschöpf Harry Potter. Ihr Vater war Flugzeugingenieur, die Mutter zunächst Hausfrau und begeisterte Leserin, danach Chemielaborantin. Joanne und ihre zwei Jahre jüngere Schwester Dianne wuchsen im idyllischen Forest of Dean auf.

"Hermine ist eine Karikatur von mir"

Bereits mit sechs Jahren begann Joanne zu schreiben. "Mein erstes Buch handelte von einem Kaninchen namens Kaninchen, das die Masern bekam", erzählte sie später. Sie sei gern zur Schule gegangen, weshalb andere Kinder sie als Streberin gepiesackt hätten. "Hermine in den Potter-Büchern ist eine Karikatur von mir. Sie ist allerdings klüger, als ich es damals war." Doch an der Universität Exeter verflüchtigte sich Joannes Begeisterung. Vielleicht weil sie nicht englische Literatur, sondern auf Anraten ihrer Eltern Französisch studierte: "Ich könnte als Fremdsprachensekretärin arbeiten, meinten sie. Tatsächlich war ich in meiner kurzen Zeit als Sekretärin ein Albtraum."

Sehr wichtig aber war ein anderer Kurs, den sie an der Uni belegte: "Griechisch-römische Studien". "Wir lasen Homer und Aischylos in englischer Übersetzung, doch die Journalisten haben später kurzerhand ein Altphilologie-Studium daraus gemacht." Immerhin lernte Rowling damals die griechischen Mythen sehr gut kennen, und sie las während dieser Zeit auch Tolkiens "Herr der Ringe". Nach dem Studium arbeitete sie eine Zeitlang bei Amnesty International in London, sie recherchierte Menschenrechtsverletzungen in französischsprachigen Ländern Afrikas. Daneben schrieb sie an einem Roman für Erwachsene. Und dann kam die Zugfahrt, die ihr Leben auf den Kopf stellen sollte.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 28/2007

Wir sind keine Spielverderber Niemand muss fürchten, auf der Startseite unseres Angebots über Hinweise zu stolpern, wie das letzte Buch der Potter-Saga endet. Wer das große Finale Potter vs. Voldemort für sich entscheidet, ob Ron und Hermine sich doch noch kriegen und ob Snape auf der Seite des Guten kämpft: Das können Sie in Ruhe selbst in "Harry Potter and the Deathly Hallows" nachlesen.

Wir werden Sie schon im Teaser eines Artikels warnen, wenn der Text einen "Spoiler" enthält - also Inhalte des Buches verrät. Ob sie reinklicken oder nicht, bleibt Ihnen überlassen. Überschriften und Teaser bleiben auf jeden Fall "spoiler-frei". Viel Spaß beim Lesen wünscht stern.de!

  zurück
1 2
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Pro und Contra Soll Harry Potter sterben?

Am Samstag erscheint "Harry Potter and the Deathly Hallows", der siebte und letzte Band der Saga um den jungen Zauberer. Florian Güßgen und Angelika Unger streiten darüber, ob Harry Potter beim großen Showdown mit Lord Voldemort sterben soll. mehr...

Harry-Potter-Spekulationen Warum Hagrid dem Tode geweiht ist

Wer ist R.A.B.? Ist Snape doch ein Guter? Und wo ist Slytherins Medaillon? Kurz vor Erscheinen des siebten und letzten Harry-Potter-Buches wabern wilde Theorien durch die Fan-Community. stern.de stellt die wichtigsten vor. mehr...

Harry-Potter-Test Squib oder Zaubereiminister?

Was tun Sie, wenn Ihnen eine Gruppe Inferi begegnet? Und warum konnten die Todesser in Hogwarts eindringen? Stellen Sie sich den Fragen von stern.de und beweisen Sie, wie gut Sie über Harry Bescheid wissen. mehr...

Verwandte Fragen

Sie kennen die Antwort? Beantworten Sie die Frage hier oder senden Sie selber eine Frage

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft