4. April 2013, 07:51 Uhr

Ruth Prawer Jhabvala stirbt mit 85

Sie schrieb das Drehbuch zu den Literaturverfilmungen "Zimmer mit Aussicht" und "Wiedersehen in Howards End". Jetzt ist die Schriftstellerin Ruth Prawer Jhabvala nach langer Krankheit gestorben.

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Ein Leben auf drei verschiedenen Kontinenten: Ruth Prawer Jhabvala, hier 2002 bei den British Academy Film Awards©

Ruth Prawer Jhabvala ist tot. Die mit zwei Oscars geehrte Schriftstellerin und Drehbuchautorin starb am Mittwoch im Alter von 85 Jahren in ihrem Haus in New York. Ihr Gesundheitszustand habe sich schon seit einiger Zeit verschlechtert, berichtete die "Los Angeles Times" unter Berufung auf Jhabvalas Tochter Firoza.

Viele Menschen, die Jhabvalas Werke zum ersten Mal lasen, waren sich sicher, dass die Autorin aus Indien stamme. Dabei wurde die Tochter eines jüdischen Anwalts aus Polen in Köln geboren. In den Wirren des Zweiten Weltkriegs flüchtete sie nach London und entkam so dem Holocaust. Jhabvala studierte englische Literatur und heiratete 1951 den indischen Architekten Cyrus S. H. Jhabvala. Gemeinsam siedelte das Paar nach Neu Delhi über und lebte viele Jahre in Indien, bevor Jhabvala 1975 nach New York zog. Bekannt war die Autorin vor allem durch ihre Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Regisseur James Ivory und dem indischen Produzenten Ismail Merchant.

Das Trio drehte über ein Dutzend Filme und holte mehrere Oscars. So gewann Jhabvala den Drehbuch-Oscar für die Literaturverfilmungen "Zimmer mit Aussicht" (1986) und "Wiedersehen in Howards End" (1991), beide nach den Romanen von E.M. Forster. Für die Drehbuchadaption "Was vom Tage übrig blieb" (1993) wurde sie ein weiteres Mal für Hollywoods höchsten Preis nominiert.

Letzte Geschichte erschien vor wenigen Wochen

Dazu veröffentlichte Jhabvala im Laufe ihres Lebens 19 Romane und Kurzgeschichtensammlungen, von denen allerdings nur wenige auch in deutscher Übersetzung erschienen: Ihr Erstlingswerk "To Whom She Will" (in Deutschland 1956 als "Amrita und Hari" veröffentlicht) setzte den Ton für viele ihrer Folgewerke: Eine junge Inderin heiratet einen Mann, der ihr im Kastensystem untergeordnet ist. Letztlich scheitert die große Liebe an den gesellschaftlichen Konventionen.

Im echten Leben lief es besser: Jhabvalas Ehe hielt bis zu ihrem Tod. Auch ihrer Liebe zum Schreiben blieb die 85-Jährige bis zuletzt treu. Jhabvalas letzte Kurzgeschichte "The Judge's Will" ("Das Testament des Richters") erschien erst vor wenigen Wochen im US-Magazin "The New Yorker".

jwi/DPA
 
 
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