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7. Februar 2009, 07:46 Uhr

"Bei Bond krieg ich das Kotzen"

Mit seinem ersten Hollywood-Thriller "The International" hat Tom Tykwer die Berlinale eröffnet. Im stern-Interview spricht er über Banker als Bösewichter und erklärt, warum Quentin Tarantino der Größte und Roger Moore der einzig wahre 007 ist.

Tom Tykwer, Interview, Berlinale, The International, Clive Owen

Tom Tykwer, 43: "Thriller sind für mich die Königsdisziplin"© Horst Galuschka

Herr Tykwer, mit Ihrem Finanzthriller "The International" eröffnen Sie die Berlinale. Stolz?

Wenn ich überlege, was da noch alles am Start ist, empfinde ich das schon als besondere Auszeichnung. Andererseits ist es aber auch ziemlich passend, weil ich ja schließlich aus Berlin komme und der größte Teil des Teams auch. Wir haben am Hauptbahnhof gedreht, im Sony Center und in den Babelsberg Studios. Berlin ist also die ideelle und kreative Heimat des Films. Hier Premiere zu feiern fühlt sich angenehm an. Als würde man nicht fremdgehen.

Dieter Kosslick hat vor sieben Jahren die Berlinale auch mit dem Ziel übernommen, das deutsche Kino nach vorn zu bringen. Wie weit ist ihm das gelungen?

Sehr gut, denn die Berlinale hat noch einmal klar gemacht, wie vielfältig das deutsche Kino ist. Am besten gefällt mir, dass von Anfang an konsequent auch die ungewöhnlicheren Filme ins Zentrum gerückt wurden - wie "Sehnsucht" von Valeska Grisebach oder "Der freie Wille" von Matthias Glasner.

Sie haben Ihren Film, wie schon die letzten drei, auf Englisch gedreht - mit Weltstars wie Clive Owen und Naomi Watts. Trifft "The International" inzwischen auch auf Sie zu?

Zu Hause bin ich eindeutig hier. Und sorge immer mehr dafür, dass der Großteil meiner Arbeit auch hier stattfindet. Das kann das tollste Drehbuch der Welt sein, wenn ich dafür richtig lange Zeit weg muss, sage ich ab. Ich mache ja außerdem meine Filme nicht allein. Ohne meinen Kameramann Frank Griebe zum Beispiel, meinen Ausstatter Uli Hanisch oder meine tolle Cutterin Mathilde Bonnefoy könnte ich gar nichts. Diese Leute, mit denen ich seit vielen Jahren arbeite, sind wie meine engste Familie.

"The International" ist ein Genrefilm, ein Thriller. Bei einem Blick auf Ihre bisherigen Arbeiten hätte man das kaum erwartet.

Irgendwie wird mir das bei jedem Film gesagt. Letztlich aber ist die Hauptfigur, ein stoischer Interpol-Agent, wieder einer, der ziemlich isoliert ist. Ein Eigenbrötler, der mit einem starren System hadert und es durchbrechen will, angetrieben von einem Impuls der moralischen Empörung. Einsame Helden sind auch Grenouille in "Das Parfum" oder Benno Fürmanns Figur aus "Der Krieger und die Kaiserin". Sogar Franka Potente in "Lola rennt" steckt in einem engen, unflexiblen System und will es sprengen. Und dass Gewalt ins Spiel kommt und moralische Fragen aufgeworfen werden, gibt es auch bei "Heaven", als Cate Blanchett die falschen Leute in die Luft jagt. Neulich habe ich ein altes Plakat von "Winterschläfer" gesehen, wo draufstand: "Ein Liebesthriller". Stimmt ja, es gibt da einen Autounfall und eine Kriminalgeschichte. Thriller sind für mich die Königsdisziplin.

Wir dachten immer, das seien Komödien.

Für mich nicht. Das liegt an meiner Prägung. Als Kind war ich begeistert von Horrorfilmen, als Jugendlicher dann von anspruchsvollen Thrillern. Alles zwischen Alfred Hitchcock, John Frankenheimer, Alan J. Pakula und Sydney Pollack. "Die drei Tage des Condor", "Der Dialog", "Zeuge einer Verschwörung" waren Schlüsselfilme für mich. Damals in den 70er Jahren bestimmte die Paranoia über das System im System die ideologische Debatte: Nicht die Regierung kontrolliert uns, sondern die Geheimdienste. Das wollten wir in die Gegenwart holen. Heute ist die Weltwirtschaft das System im System. Sie entscheidet wie ein ungewähltes Parlament darüber, wie Kriege geführt und ob sie beendet werden, wenn nicht mehr genügend Waffengeschäfte generierbar sind. Oder wie neue Konfliktherde entstehen, weil Potenzial für Ölgeschäfte vorhanden ist.

Die kriminellen Machenschaften einer Großbank: Freut es Sie als Regisseur, wenn so ein Thema plötzlich aktuell ist?

Ich sitze seit fünf Jahren an dem Film und finde es eher wahnsinnig beunruhigend, dass der Subtext der Geschichte auf eine Weise wahr geworden beziehungsweise eskaliert ist, wie wir uns das nie vorgestellt haben. Ich hatte noch während der Dreharbeiten Sorgen, dass die Zuschauer es zu konstruiert finden, wenn man eine Privatbank als Bösewicht ins Zentrum rückt.

Haben Sie vorher mit Bankern gesprochen?

Ja, die waren oft fünf Jahre jünger als ich und hatten einen privaten Jahresumsatz von ein paar Hundert Millionen Euro. Sehr umgängliche Typen, gar nicht unsympathisch. Kultivierte Leute, die sich auch im Kino auskannten.

Gefunden in ... Stern Stern
Ausgabe 06/2009

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