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Der alte Mann und die Akt-Modelle

Besucheransturm bei der Aktfoto-Retrospektive von Günter Rössler: Es war ein rühriges Wiedersehen des berühmten DDR-Aktfotografen mit etlichen seiner Models. Die Ausstellung in Leipzig zeigt auch seine Anfänge als Bildreporter.

Seit gut sechs Jahrzehnten setzt Günter Rössler junge Frauen vor seiner Kamera ins rechte Licht. Nun stand der Nestor der DDR-Aktfotografie selbst im Fokus der Öffentlichkeit und liess das Blitzlichtgewitter stoisch über sich ergehen. Am Dienstagabend wurde im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig die Retrospektive "es geschieht in den Augen" mit rund 120 Werken des Fotografen eröffnet. Mehrere hundert Menschen feierten den 80-Jährigen und seine «wunderbaren Bildwelten», wie Museumsdirektor Volker Rodekamp sagte.

Gleichzeitig war es für Rössler ein Wiedersehen mit einigen seiner Models, die wie Ikonen durch die Ausstellung wandelten. Die Besucher verglichen die Abbildungen hinter Glas mit den mehr oder weniger gealterten, aber nicht minder eleganten Frauen. "So etwas habe ich noch nie erlebt", sagte Rössler nach der Laudatio. Weiter kam er nicht. Der Applaus brandete auf, die Tränen schossen ihm in die Augen. Dann mischte er sich unter das Publikum, griff sich einen Stift und signierte, signierte, signierte.

Der Helmut Newton des Ostens

Wie kein anderer Fotograf rückte Rössler in Zeiten der deutsch- deutschen Teilung die Freizügigkeit als Sinnbild der kollektiven FKK- Welle ins Bild und wurde dafür zum "Helmut Newton des Ostens" stilisiert. Ein Vergleich, den er gar nicht leiden mag. "Bei Newton dominiert die Pose, bei mir geht es um höchstmögliche Authentizität der Mädchen", sagte Rössler. Er wolle sie nicht verkleiden, sondern so natürlich wie möglich abbilden. Dies wurde auch im "Playboy"- Kunstpictorial 1984 unter dem Titel "Mädchen aus der DDR" deutlich. Rösslers junge Models präsentieren sich durchweg schüchtern, strahlend oder kühl. Die meisten sprach Rössler auf der Straße oder im Café an.

Akt als Kunst der Inszenierung

Eine davon ist Eva Mahn. Im Herbst 1972 hatte Rössler die 25- Jährige in Leipzig entdeckt und kurze Zeit später in sein Atelier zu Probeaufnahmen eingeladen. "Ich war fasziniert davon, dass er nichts dem Zufall überließ", sagte Mahn über ihren späteren Mentor. Die im sachsen-anhaltischen Aschersleben geborene Frau soll das einzige nicht-sächsische Model gewesen sein und lehrt heute an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle. "Was ich mir von ihm abgeguckt habe, ist die Kunst des Inszenierens. Anders als viele der heutigen Akt- und Modefotografien sehen seine Arbeiten nicht so synthetisch aus", sagt Mahn.

Die Ausstellung zeigt auch Rösslers Berufsanfänge als Bildreporter, verweist auf seine Meriten als Modefotograf für die DDR-Zeitschriften "Sybille" oder "Das Magazin". "Günter Rössler war der 18. eingeschriebene Fotografie-Student der HGB nach 1945, aber der einzige, der noch heute einen Namen hat", sagte Strauß.

Tobias D. Höhn/DPA/DPA
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