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26. Juli 2007, 13:44 Uhr

Hilfe, ich bin ein Star geworden

Um raus aus der Provinz zu kommen, legt sich Timo Barth mit 17 auf den OP-Tisch. Mit seiner neuen Nase sieht er aus wie Bill Kaulitz von Tokio Hotel. Das Jugendmagazin "Bravo" inszeniert ihn als dessen Doppelgänger, Timo tingelt von Talkshow zu Talkshow. Doch wer will schon der ewige Zweite sein? Von Sebastian Winter

Timo Barth lässt sich alle drei Monate bei Schönheitschirurg Werner Mang die Wangen aufspritzen© Roba Press

Als er 17 ist, ruft Timo Barth beim renommierten Schönheitschirurgen Werner Mang an. "Ich habe die Nase von Papa, schief und höckerig", sagt Timo. Mang willigt ein, ihn für 8400 Euro zu operieren. Im Juli 2004 liegt Timo auf dem OP-Tisch. Er bekommt Spritzen in die Nase, deren Flüssigkeit das Gewebe von innen auflöst. So zieht sich das Organ zusammen.

Nasen-OP statt Führerschein

Timo erinnert sich noch gut an die Schmerzen. "Klar, tut das weh, wenn die Narkose nachlässt", sagt Timo, "das ist wie in einem Horrorfilm", und lacht, wenn er das erzählt. Er hat eine hohe, klare Stimme. 3400 Euro hat Timo für die Operation zusammengespart, die restlichen 5000 Euro schenkte ihm seine Patentante zum 18. Geburtstag. Gedacht war das Geld für den Führerschein und ein Auto. Doch Timo hat das Geld nicht einfach nur für eine neue Nase ausgegeben. Für ihn erweist sich die Operation als eine Investition in die eigene Zukunft: Denn er will raus aus der schwäbischen Provinz, raus aus Aalen-Fachsenfeld, wo der Vater bei den Schwäbischen Hüttenwerken arbeitet und die Mutter im Landratsamt putzt.

Alle drei Monate zum Lippen-Aufspritzen in die Klinik

So stellt sich Timo seine Zukunft nicht vor. Er will ein Star werden, "am liebsten Model". Mit seiner schmalen Figur, den schwarzen Haaren und dem hübschen Gesicht hat er eine beinahe feminine Ausstrahlung. Er trainiert in einem HipHop-Kurs der Aalener Tanzschule. Seine Tanzlehrerin attestiert ihm zwar Talent in den lockeren Hüften, zu den Fortgeschrittenen schafft er es jedoch nicht. Er hat keine Zeit zum Üben - muss sich auf seinen Schulabschluss konzentrieren. Nach dem Hauptschulabschluss absolviert er eine Friseurlehre, die ihm aber nicht viel Spaß macht.

Der Zufall kommt ihm zu Hilfe, nach der Operation bei Professor Mang. "Da sagte der Professor plötzlich zu mir, dass ich aussehe wie Bill Kaulitz von Tokio Hotel." Tatsächlich sieht Timo dem Teenie-Star verblüffend ähnlich, wenn er sich schminkt. Und das macht er jetzt stundenweise, jeden Tag. Seit Anfang des Jahres ist er Zivi in einer Aalener Klinik, Station 48, Chirurgie. Um sieben Uhr beginnt seine Frühschicht. Timo steht um vier Uhr auf, um sich zu stylen. Er benutzt Make-up, Rouge, Wimperntusche und "auf die Spitzen meiner Fingernägel kommt Klarlack." Alle drei Monate muss er bei Professor Mang die Lippen mit dem Füllmittel Puragen neu aufpolstern lassen.

Sekt schlürfen mit dem Michael-Jackson-Double

Der Professor bleibt in der Zwischenzeit nicht untätig: Er berichtet dem Jugendmagazin "Bravo" von seinem Schützling. Dort setzt man ihn sofort als Bill-Kaulitz-Doppelgänger in Szene. Timo trifft Kaulitz im Backstage-Bereich von Tokio Hotel, als die Band in München vor tausenden kreischenden Mädchen spielt. "Bill ist ein bisschen erschrocken, als er mich sah", sagt Timo. Die beiden könnten Zwillinge sein in jenem Moment, doch sie unterhalten sich kaum. "Das ist auch überhaupt nicht meine Musikrichtung. Ich höre House oder HipHop. Wenn ich Snoop Dogg oder die Pussycat Dolls getroffen hätte, das wäre toll gewesen."

Egal, die Maschine rollt. Timo bekommt einen Exklusiv-Vertrag mit einem TV-Boulevardmagazin und darf mit dem Flieger von Stuttgart nach Berlin zur Doppelgänger-Show eines Musiksenders. Zwei Bodyguards begleiten ihn dort ins Studio. "Da hab ich dann mit dem Michael-Jackson-Double Sekt geschlürft und Erdbeeren gegessen", sagt Timo. Das Frauenmagazin "Cosmopolitan" druckt Autogrammkarten für ihn. Timo hat die Wahl, den Pro-Sieben-Doku-Soaps "Lebe Deinen Traum" und "We are Family" sagt er ab.

So langsam kommen die Liebesbriefe

Jetzt ist er ein kleiner Star, zumindest in seiner Heimatstadt Aalen. Er holt Brötchen beim Bäcker, die Leute in der Schlange erkennen ihn. Er läuft mit Diorbrille über die Straße, Mädchen rennen ihm kreischend hinterher. Vielleicht wissen sie gar nicht, wen sie da vor sich haben, dass das nur der Timo ist, der Junge aus Aalen-Fachsenfeld. Zwei Liebesbriefe hat er schon bekommen, einen davon schrieb eine über 30-Jährige. Timo hat ihn nicht beantwortet. "Ich wollte ihr keine Hoffnungen machen", sagt er.

Tokio Hotel sollte sein Schlüssel für die Zukunft sein. Doch nun, da die Tür zum glamourösen Leben auf ist, zumindest einen Spalt weit, will Timo nicht weiter im Schatten von Kaulitz stehen. "Ich wollte Bill gar nicht mehr ähnlich sehen. Mich nervt das total, immer wieder mit ihm verglichen und als Bill-Doppelgänger dargestellt zu werden", sagt Timo. "Ähnlich sind doch nur unsere Augen." Ruhm, der zum Fluch wird? Vielleicht aber auch der Sprung in eine neue Karriere: Ab November ist Timo Barth bei einer renommierten Modelagentur in München. Dann wohnt er in einer Model-WG. In eineinhalb Jahren lernt er laufen, sprechen, Interviews geben, schauspielern. Für die große Bühne. Er träumt von Paris, London und von New York.

Milchsäure für Wangen und Stirn

Dafür leidet Timo gerne. Vor einer Woche hat er Spritzen in die Wagen, in die Augenpartien und in die Stirn bekommen. Soft-Aging heißt die Methode auf Milchsäurebasis. Sie stammt aus den USA und wird auch von Hollywoodstars angewendet, bevor sie zu großen Galas gehen. Die Kosten, immerhin 1400 Euro, hat Mang Timo erlassen. Schließlich war auch eine Reporterin samt Kamerateam da. Im Herbst muss Timo noch einmal zu Professor Mang, die Augen straffen lassen. Und die Lippen spritzen. Letzteres ist inzwischen kostenlos - doch der Preis ist hoch: Wer weiß schon, welche Langzeitfolgen Schönheitsoperationen für die Gesundheit haben.

Von Sebastian Winter
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
Freaker (27.07.2007, 09:09 Uhr)
@ schlotti
Also ich hab mir diese double seite jetzt auch mal angeguckt und dort war ein impressum unten und kosten tut das scheinbar nur, wenn man sich als vip anmeldet. zumindest stehts so in den agbs.
zum artikel: der junge tut mir nicht leid, ich finds toll wenn er so an ruhm gelangen kann. obs klappt oder nicht ist eben das unternehmerische bzw. künstlerische risiko. aber manche kommentatoren können hier nicht unterscheiden zwischen "mag die lehre nicht" und "kapiert die lehre nicht" ebenso können manche tölpel hier nicht unterscheiden zwischen "hat sich die nase machen lassen" und "hat sich zum promi umoperieren lassen". So wie der junge hier laufen lernen muss, solltet ihr mal lesen lernen ;) also auf und toi toi
Mondmensch (27.07.2007, 07:06 Uhr)
nicht überraschend
ganz ehrlich, so jemand kann echt nur aus der gegend aalen-fachsenfeld kommen...
schlotti (26.07.2007, 21:28 Uhr)
Eigentlich wollte ich ja den Artikel kommentieren..
Nihil nocere
"Niemals Patienten schädigen" ist ein grundsätzliches Prinzip ärztlichen Handelns! Wer diesem Prinzip nicht Rechnung trägt darf sich nicht ARZT nennen. Auch nicht mit einem Professortitel!
Das Herr Professor Mang die günstige Gelegenheit nutzt, mal wieder in den Gazetten aufzutauchen, ist widerwärtig. Ein 17jähriger Jugendlicher mag diesem Herrn - einer gewissen Ähnlichkeit mit einem andern Jugenlichen wegen - gerade recht gekommen sein. Von ärztlicher Verantwortung ist hier jedoch nichts zu spüren.
MfG,
Schlotti
schlotti (26.07.2007, 20:52 Uhr)
chris2710
Hallo Christian,
Du hast vergessen zu erwähnen, daß die von Dir empfohlene Seite kostenpflichtig ist. Es gibt dort auch kein dem deutschen Recht entsprechendes Impressum.. Die Servicenummer, die man ggf. anrufen kann, ist ebenfalls nicht umsonst.
Firmenadresse? Fehlanzeige!
Ein Schelm, wer arges dabei denkt.
MfG,
Schlotti
chris2710 (26.07.2007, 20:14 Uhr)
Doppelgänger
Hallo, zum Thema Doppelgänger habe ich eine tolle Seite gefunden.
Bei www.doouble.de kann jetzt jeder seinen persönlichen Doppelgänger finden !
Ich finde die Idee einfach klasse und auch einfacher als eine OP!!War überfällig im www.
Gruß Christian
black-jack (26.07.2007, 19:04 Uhr)
Bedauernswert
der Junge, der für den Traum vom "Superstar" an seinem Körper rumpfuschen läßt.
Bedauernswert aber auch der Kommentator, der ihn als Wichser beschimpft und die Unlust an der absolvierten Lehre verwechselt mit "zu dämlich, um Friseur zu werden". Vielleicht sollte er sich Zeit nehmen, lesen und denken zu lernen, HAHAHAHA
oromer (26.07.2007, 18:36 Uhr)
Kaulitzimitat
Wie geistig arm muss man sein um so drauf zu sein...Friseurausbildung zu anspruchsvoll,da hoppelt man lieber als billiges Double durch die Gegend und Dr.Frankenstein hat sein Versuchskaninchen...Toll
oromer
LHStarAlliance (26.07.2007, 16:23 Uhr)
Poor guy ..
Armer Junge... Der hat wohl zu wenig Selbstbewusstsein .
js110010 (26.07.2007, 16:06 Uhr)
was für ein armer Wichser
Zu dämlich, um Friseur zu werden... aber jetzt bekommt er ja 1,5 Jahre Zeit, um laufen zu lernen HAHAHAHA
elsombrero (26.07.2007, 16:04 Uhr)
Arme Sau
Och .. der wird schon noch auf den Boden der Tatsachen kommen... Tut mir ein wenig Leid der Teenager
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