Mit Raab in die Charts

9. Februar 2007, 10:51 Uhr

Im Tempodrom in Berlin lässt Stefan Raab heute Abend zum dritten Mal seinen "Bundesvision Song Contest" steigen. Welche der 16 Bands gewinnt oder nicht - in die Charts kommen sie so gut wie sicher. stern.de präsentiert alle Teilnehmer mit Hörbeispielen. Von Thomas Soltau

Stefan Raab präsentiert seinen Grand Prix der Bundesländer©

Man mag ihn oder hasst ihn - doch eines steht fest: Ohne Stefan Raabs anarchische Ideen sähe die Fernsehwelt wohl nur halb so bunt aus. Welcher Entertainer außer ihm würde sonst so grenzdebil in angewärmten Wok-Pfannen Bob-Bahnen runterfahren? Oder bei Stockcar-Racing-Rennen Autos verschrotten? Und dann gibt es ja auch noch das beliebte Turmspringen, Skifahren, Springreiten, Boxen...

Als Dauerbrenner schlechthin gilt allerdings sein 2005 ins Leben gerufener "Bundesvision Song Contest". Die Alternative zum freudlosen Eurovisions-Pendant hat sich mittlerweile zum lukrativen Event gemausert. Was den Sangeswettstreit von seinen anderen Projekten unterscheidet ist der Ernst, mit dem der Witzbold an die Aufgabe herangeht. Denn Raab sieht sich hier als Unterstützer deutscher Popmusik-Talente und ist damit derzeit der einzige im Deutschen Fernsehen. "Es geht bei dieser Veranstaltung in erster Linie darum, die Vielseitigkeit deutschsprachiger Musik zu fördern. Das haben die Bands auch selbst erkannt", stellt Raab fest.

Bands und Plattenfirmen jubeln

Alle Bands die zum "Bundesvision Song Contest" wollen, gehen über seinen Tisch. Zusammen mit der Redaktion und den Plattenfirmen wird darüber diskutiert, wer einen der begehrten Plätze bekommt. Nach der Entscheidung können teilnehmende Bands und Plattenfirmen gleichermaßen jubeln: Denn die Sendung gilt als sicherer Garant für einen Platz in der Hitparade. Im letzten Jahr schafften Revolverheld mit der Ballade "Freunde bleiben" den zweiten Platz. Das bis dato eher erfolglose Album der Band katapultierte sich plötzlich auf Platz 7 der Charts und verkaufte 160.000 Einheiten. Raab sei dank. Immerhin 13 von 16 Teilnehmern konnten sich nach dem Event 2006 in den Singlecharts platzieren.

Je kleiner das Label des Künstlers dabei, desto größer die Freude. Promoterin Nina Thomsen von der Indie-Firma Tapete Records in Hamburg fiebert schon jetzt dem Auftritt ihrer Band Anajo entgegen. "Wir haben 5 Jahre auf einen Einstieg in die Singlecharts gewartet. Nach dem ersten Auftritt bei Raab war es soweit - und der Song Contest wird hoffentlich auch das Album in die Charts pusten." Der zweite Longplayer der Augsburger kommt, wie passend, heute in die Läden. Tapete Records hofft auf Albumverkäufe im mittleren bis unteren fünfstelligen Bereich - das wäre ein Riesengeschäft fürs quirlige Label aus der Hansestadt.

Der Quotenrenner schwächelte

Auch für etablierte Künstler lohnt sich der Wettbewerb. Gerade MIA. und Jan Delay, die in den Charts mit ihren Alben ganz vorne standen, haben diesmal beste Chancen auf den Sieg. Vielmehr als ein Platz auf dem Podest lockt allerdings die Aussicht, noch ein paar Tausend zusätzliche Alben zu verkaufen. Schließlich ist Raabs Liederabend ein Quotenrenner für ProSieben. Auch wenn die letzte Ausgabe vom Song Contest etwas schwächelte. Lediglich 2,14 Millionen Zuschauer schalteten ein, als die Berliner Dancehall-Kombo Seeed vor den Bremer Jungs von Revolverheld und der Thüringer Mittelalterrock-Band In Extremo auf Platz eins landete und damit den Event in die Hauptstadt holte. Die Erstausgabe, die noch am Samstag anstatt Donnerstag ausgestrahlt wurde, sahen dagegen 3,22 Millionen Zuschauer. Da ohnehin fast ausschließlich die angepeilte kaufkräftige Zielgruppe der Jugendlichen ihren Lieblingen die Daumen drückt, bietet Raab eine perfekte Marketingfläche für Plattenfirmen. Und der Sampler mit allen Songs der Teilnehmer steht natürlich ebenfalls schon heute in den Regalen.

Bundesweit planen lokale Paten-Radiosender auch diesmal wieder Partys in den 16 Bundesländern. Hoffentlich bleibt während der dreieinhalbstündigen Live-Show aus dem Berliner Tempodrom nicht allzu viel Zeit zum Plaudern mit den überdreht-nervigen Radiomoderatoren. Denn die verkünden alle Ergebnisse aus ihrer Region, nachdem alle Acts für ihr Bundesland angetreten sind und das Publikum per SMS und Telefon abgestimmt hat. Schlimmer als mit Raabs letzter Co-Moderatorin, Janin Reinhardt, kann es freilich nicht mehr kommen. Mit jedem witzlosen Spruch der "Schauspielerin" versank der Zuschauer vor Scham tiefer in seinem Sessel. Diesmal steht die Viva-Moderatorin Johanna Klum an seiner Seite. Die 26-jährige Berlinerin konnte bereits beim großen "TV total"-Parallelslalom glänzen, als sie die angespannten Promis mit humorvollen Fragen bombardierte. Ein Fiasko dürfte also ausgeschlossen sein. Außerdem garantiert die musikalisch Bandbreite in diesem Jahr viel Spaß (siehe Bilderstrecke): Vom nostalgischen Schlagerbeat über Gothic-Rock, Synthipop, Soul bis hin zum Reggae erstrecket sich die Vielfalt der Bands. Und wenn die letzten Töne des Abends verhallen, bastelt Tausendsassa Stefan Raab bstimmt schon wieder an einem neuen Format. Wie wär's mit Sackhüpfen oder Minigolf - Promis würden sich gewiss auch dafür finden...

Die Songs zum Reinhören:

Anajo: "Wenn du nur wüsstest"
Tele: "Mario"
Pohlmann: "Mädchen und Rabauken"
Oomph! feat. Marta Jandová: "Träumst du"
Northern Lite feat. Chapeau Claque: "Enemy"
Mia.: "Zirkus"
Melotron: "Das Herz"
Manja: "Es ist die Liebe"
Lea Finn: "Ich weiß und du weißt"
Kim Frank: "Lara"
Kalle feat. M.A.R.S. Allstars: "Aber Nice"
Jenna+Ron: "Jung und willig"
Jan Delay: "Feuer"
D-Flame: "Mom Song"
B-Stinged Butterfly: "Liebe"
Beatplanet: "Dreh Dich um und geh"

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