
Kinderarbeit mit Latzhose: Als Teenager moderierte Anke Engelke fürs ZDF© PR
Der Großteil war totale Grütze. Aber, und das ist sowieso ein bisschen meine Haltung im Leben, ich hab mich einfach an dem aufgerichtet, was mir gut gefiel. Da muss man halt für acht Songs die Zähne zusammenbeißen und den Brechreiz unterdrücken - und bei Song neun freut man sich.
Ein Lied war so schlimm, dass wir es schon wieder liebten: "Warum macht denn die Kuh so ein dummes Gesicht, warum lacht sie nicht mal, warum freut sie sich nicht, denn sie hat doch die Berge, das schöne Tirol, und da fühlt sich doch sonst jeder wohl. Um vier in der Früh geht der Sepp in den Stall und schaut nach der Kuh, ob ihr Euter schon prall. Dann macht er stripp strapp, pfeift vergnüglich vor sich hin, doch eins geht ihm nicht aus dem Sinn: Jaaaaaa, warum macht denn die Kuh so ein dummes Gesicht …" Da durften wir ein bisschen jodeln, das mochte ich.
Ich erinnere mich an zwei Jungs, die waren richtig blöd zu mir, die haben mir echt das Leben schwer gemacht. Rückblickend bin ich denen fast dankbar. Ich weiß nicht, wie ich geworden wäre, wenn die ständig geflötet hätten: Anke, du bist die Tollste!
Sollen wir jetzt den Menschen da draußen sagen, dass diese Liste totaler Quatsch ist?
Nein, man fragt sich: Was soll der Quatsch? Mal einfach zehn Namen hinschreiben - muss man den Zuschauern so was vorsetzen? Das ist Zeitverschwendung! Müll!
Haben die Leute echt die Zeit, nach so etwas zu suchen? Wozu?
Vielleicht schätzen die meine Arbeit. Aber ich bin niemand, den man toll findet.
Ich bin kein Star.
Ich bin jetzt 42 Jahre alt, ich muss nicht mehr kokettieren. Früher hab ich immer gesagt, in Deutschland gibt es nur einen Star, und das ist Götz George. Jetzt habe ich in einem Interview gelesen, dass auch er sich nicht als Star sieht. Vielleicht haben wir ja gar keine Stars in Deutschland, das wäre dann auch nicht schlimm. Ich finde, es muss gar nicht alles so superprominent sein, was ich mache. In den vergangenen Jahren habe ich mehrere Male Kindergruppen durch die Bundeskunsthalle in Bonn geführt, ein Riesenspaß, ich hab ja mal Museumspädagogik studiert. Vor den Führungen hab ich immer den Künstler getroffen, damit ich den Kindern sagen kann, was das für ein Mensch ist. Alex Katz. Tony Cragg. Oder Georg Baselitz, was für ein knorriger, geiler Typ.
Nee, das musste er sich erklären lassen. Finde ich super! Besser als einer, der mich aus dem Fernsehen kennt und mich in der Erwartung empfängt, dass ich auch privat immer lustig sein müsste.
Das erste Bild, wenn man reinkommt, war die "Große Nacht im Eimer", da sieht man einen Typen, der sich einen runterholt ...
Ach was, Zwölfjährige schockt doch heute nichts mehr. Nee, interessant daran ist ja nicht das Wichsen, sondern dass bei Baselitz' erster Ausstellung die Staatsanwaltschaft dieses Bild konfisziert hat - wegen Unsittlichkeit. Das ist eine dolle Geschichte, die Kinder fanden das hoch spannend.
Überhaupt nicht. Nach den Führungen sitze ich mit den Kindern da, und wir malen gemeinsam und reden. Einmal kam ein Mädchen zu mir und sagte: "Ich sollte mir ja eigentlich ein Autogramm holen, aber ich weiß gar nicht, warum." - "Wer hat dir denn gesagt, dass du ein Autogramm holen sollst?" - "Meine Mama." - "Ja, und möchtest du eins?" - "Nö."
"Ladykracher", ab dem 7. November immer freitags, ab 22.15 Uhr auf Sat1
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 45/2008