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14. September 2008, 08:00 Uhr

Der heimatverbundene Rebell

Während andere Schauspielerkollegen ein wildes Partyleben führen, lebt Maximilian Brückner mit zwei Brüdern abgeschieden in seiner Heimatgemeinde Riedering in Oberbayern. Im stern.de-Interview erklärt der "Tatort"-Kommissar, warum er der wahre Unangepasste ist. Von Carsten Heidböhmer

Maximilian Brückner, Tatort, Saarbrücken, Saarland-Tatort, Bayern, Brückner

Maximilian Brückner: Kino-, Fernseh- und Theaterschauspieler, seit einiger Zeit auch Lokalpolitiker© DDP

Wer sich in diesem Jahr im Kino einen deutschen Film angesehen hat, kam an Maximilian Brückner kaum vorbei. Gleich in drei Produktionen war er in diesem Jahr auf der großen Leinwand zu sehen, zuletzt in Marcus H. Rosenmüllers Heimatdrama "Räuber Kneißl". An diesem Sonntag hat der 29-Jährige zudem seinen dritten Einsatz als Hauptkommissar Franz Kappl im Saarland-"Tatort".

Keine Frage: der junge Schauspieler ist derzeit richtig gut im Geschäft. In auffälligem Kontrast zu seinen künstlerischen Höheflügen steht das vollauf geerdete Privatleben. Brückner wohnt mit zwei seiner insgesamt sieben Geschwister in dem 5.300-Seelen-Dorf Riedering im Chiemgau. Seit einigen Monaten sitzt er für die CSU im dortigen Gemeinderat.

Mögen andere Schauspieler seiner Altersgruppe durch ein exzessives Partyleben und ständig wechselnde Affären ein reges Zweitleben in den Klatschspalten der deutschen Magazine führen - Maximilian Brückner sucht die Abgeschiedenheit und Ruhe im Privatleben, er braucht seine Freunde und Familie um sich herum.

Der große Auftritt, das Rampenlicht liegt ihm dagegen weniger. Und so erscheint er bei seinem Interviewtermin im eleganten Hamburger Hotel Atlantic ganz lässig in Jeans und Sweatshirt, ein Buch unter den Arm geklemmt. Fast hätte ihn der vor der Tür wartende Autogrammjäger übersehen.

Herr Brückner, ich war vor vier Monaten bei den Dreharbeiten zum "Tatort" im Saarland. Dort habe ich Sie zunächst gar nicht erkannt...

Ich bin privat keiner, der im Mittelpunkt stehen muss.

Das sollte eigentlich ein Kompliment an die Maske sein. Sie hatten eine Bergmannsjacke an, die Haare waren mit Kohlenstaub bedeckt. Sie sahen eher so aus wie ein abgearbeiteter Mittvierziger.

Wenn ich einen Raum betrete, sagen die Leute normalerweise: "Herr Brückner? Tut mir leid, ich habe Sie mir irgendwie größer und stärker vorgestellt."

Sie sind für die Dreharbeiten zum "Tatort" unter Tage gefahren. Waren Sie froh, als es wieder nach oben ging?

Nein, ich fand das toll. Man hat als Schauspieler Möglichkeiten, an Orte zu gelangen, zu denen man sonst nie Zugang hätte. Dort unten zu drehen, diese Atmosphäre, dieses Enge, dieser Staub, der in alle Ritzen ist. Wir sind im Dunklen angekommen und abends im Dunkeln wieder hochgefahren. Die Kameradschaft unter Tage war ganz toll.

Haben Sie den Eindruck, dass Sie seit den Dreharbeiten die Saarländer besser verstehen?

Man sieht immer bloß diese Bergwerke von außen, aber man hat keinen Bezug dazu. Mir ist viel klarer geworden, wie diese Kultur das Saarland geprägt hat und was es heißt, Bergmann zu sein. Der Stolz, der dahinter steckt. Das hat den gleichen Stellenwert wie bei den Bayern Lederhose und Tracht. Bei uns stand immer das Bäuerliche im Vordergrund. Das hat alles mit Stolz, Tradition und Kraft zu tun. Es ist echt, weil es aus einer Kultur heraus gewachsen ist.

Haben Sie noch weitere Ähnlichkeiten zwischen Bayern und Saarländern auch entdecken können?

Grundsätzlich sind sich die Saarländer und die Bayern sehr ähnlich. Dieses Gemütliche, diese Ruhige. Ich finde aber, dass die Saarländer ein bisschen offener sind Leuten gegenüber, die sie nicht kennen. Das hat wohl damit zu tun, dass sie an der Grenze wohnen.

Es haben zudem beide den Hang zu deftiger Küche.

Das auch, obwohl natürlich die Saarländer durch den französischen Einfluss eine wahnsinnig gute Küche bekommen haben. Sie haben ihre Gerichte noch verfeinert.

Es gab im deutschen Film in den letzten Jahren die Tendenz, sich wieder viel stärker auf regionale Themen zu konzentrieren, wie in den Filmen von Marcus H. Rosenmüller und Hans Steinbichler. Wird die Beschäftigung mit Heimat oder regionaler Identität in Zeiten der Globalisierung wichtiger?

Ich denke schon, dass man wissen will, wo man hingehört. Ich finde es schade, wenn Dialekte verschwinden, denn die haben alle eine Schönheit, eine ganz eigene Kraft.

Inzwischen ist es möglich, dass man auch Heimatfilme dreht und sie so nennt. Noch vor 15 Jahren geriet man damit unter dem Verdacht, eine rechte Blut-und-Boden-Ideologie zu propagieren.

Ich glaube, unsere Generation hat sich davon gelöst. Das heißt nicht, dass man nicht vorsichtig sein sollte, gerade wegen unserer Geschichte. Aber ich finde, ein Heimatfilm hat immer etwas Starkes, Schönes. "Sissi" ist schließlich auch ein Heimatfilm, und hat Generationen von Menschen in den Bann gezogen.

Zur Person: Maximilian Brückner wurde 1979 im bayerischen Riedering geboren. Seine Schauspielausbildung absolvierte er an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule. Mit Filmen wie "Männer wie wir" oder "Mama und Papa" schaffte er 2003 den Durchbruch als Filmschauspieler. Seit 2006 ist er zudem als jüngster "Tatort"- Kommissar in Saarbrücken auf Verbrecherjagd. Brückner lebt mit zwei seiner sieben Geschwistern in einem restaurierten Bauernhof in seinem Heimatort.

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