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7. September 2010, 18:00 Uhr

Ein schlechtes Geschäft

Natürlich schweigt Alice Schwarzer nicht im Fall Kachelmann. Aber sie geht weiter: Ausgerechnet der "Bild" ist sie als Prozessbeobachterin zu Diensten. Wer nutzt hier wen aus? Die Medienkolumne von Bernd Gäbler

 
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Sie ist in Sachen Kachelmann eine gefragte Frau: Alice Schwarzer vor dem Landgericht Mannheim© Uli Deck/DPA

Blüschen an, Blüschen aus, Höschen rauf, Höschen runter." Das steht auf Seite 1 über das fast nackte Cover-Girl Leah in der Dienstagsausgabe "Bild"-Zeitung. Auf Seite 8 schreibt Alice Schwarzer: "Ihre ganze Ausstrahlung signalisiert: Ich habe nichts zu verbergen! Ich muss mich nicht schämen!" Sie meint das mutmaßliche Opfer im Fall Kachelmann. Und bereits am ersten Verhandlungstag konnte Schwarzer einen Erfolg verbuchen: Im Bericht der "heute"-Nachrichten des ZDF gab es aus dem Kreise der Prozessbeobachter nur einen einzigen O-Ton. Den lieferte Alice Schwarzer. Sonst ist es immer Gisela Friedrichsen, die Gerichtsreporterin des "Spiegel", die vom Fernsehen als maßgebliche Instanz befragt wird.

Natürlich war Alice Schwarzer klug genug, den TV-Wettermann Jörg Kachelmann nicht simpel für schuldig zu befinden. Jeder, der etwas auf sich hält, weiß, dass nur das Gericht dies tun kann. Darum steht es ja so sehr unter Beobachtung, darum die Aufmerksamkeit, darum die offene oder heimliche Parteinahme so vieler Menschen und Medien.

Der ARD-Wettermoderator Jörg Kachelmann ist unschuldig. Jedenfalls so lange, wie das Gericht das Gegenteil nicht zweifelsfrei nachweisen kann. Vor dem Landgericht Mannheim findet die Hauptverhandlung statt und dennoch sind wir längst alle in das Verfahren involviert. Es ist ein öffentlicher Prozess, der weit vor dem ersten Verhandlungstag begonnen hat. Wir kennen den Tatvorwurf und die Unschuldsbeteuerungen; wir kennen Teile der Akten ebenso wie einiges aus dem Sexualleben des Angeklagten. Wir haben Sympathien und Antipathien. Medien haben sie geschürt. Es ist nicht möglich, emotionslos zu bleiben.

Alice Schwarzer: Frauenrechte – das bin ich

Jörg Kachelmann ist angeklagt wegen schwerer Vergewaltigung. Doch nicht er muss seine Unschuld beweisen, sondern das Gericht muss seine Schuld nachweisen. Aussage steht gegen Aussage. Am Ende wird man vermutlich "die Wahrheit" nicht gefunden haben. Widersprüche und letzte Zweifel werden nicht auszuschließen sein.

Was hat Alice Schwarzer damit zu tun? Selbstbewusst hält sie sich immer noch für die Inkarnation des Feminismus. Auch wenn jüngere Frauen ihre einstige "PorNO-Kampagne" für prüde halten oder überzeugt davon sind, dass sie in ihrer Verurteilung der Helmut-Newton-Bilder ästhetisch wie politisch fehlgeleitet war, ficht sie das nicht an. Von den Frauenrechten leitet sie jedes andere Engagement ab. Sie ist die bekannteste Frauenrechtlerin, angekommen in der Mitte der Gesellschaft. Im TV talkt sie schlagfertig oder lacht in unterhaltsamen Quiz-Sendungen.

Dieser Fall Kachelmann nun fordert Alice Schwarzer heraus. Wenn das Geschlechterverhältnis die gesellschaftliche Basis ist, dann ist Vergewaltigung das Schlüsselverbrechen. Alice Schwarzer wird das Gefühl haben, dass es jetzt auf ihr Engagement ankommt. Sie fürchtet, es könnte zu einer neuerlichen gesellschaftlichen Verschiebung zum Nachteil der Frauen kommen. Also muss sie jeden Weg nutzen, um ihre Stimme zu erheben - da kommt der reichweitenstärkste doch gerade recht. Vermutlich findet sie es unglaublich raffiniert, sich via Bild in die Bewertung der Causa Kachelmann einzuschalten.

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Die Medienkolumne

Bernd Gäbler kommentiert regelmäßig die aktuellen Ereignisse aus der Medienwelt

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