Magerkost aus Köln

21. April 2013, 21:42 Uhr

Ein Mann, zwei Familien, eine Entführung. An Handlungssträngen mangelte es dem "Tatort" aus Köln wahrlich nicht. Dafür fehlte etwas, was gute Krimis im Allgemeinen ausmacht. Spannung! Von Volker Königkrämer

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Beschwörend redet Roman Sasse (Barnaby Metschurat) auf seine Lebensgefährtin (Alma Leiberg) ein. Ihr gemeinsamer Sohn ist entführt worden.©

Über einen Mangel an Höhepunkten konnten sich die "Tatort"-Freunde in den vergangenen Wochen nun wirklich nicht beklagen: Til Schweigers Blut- und "Fuck"-Debüt, der Quotenrekord für die Kasperköppe aus Münster, Devid Striesows Debakel an der Saar, zuletzt der wehmütige Abschied von Nina Kunzendorf als Kommissarin Conny Mey aus Frankfurt.

Doch irgendwann, man hatte es kommen sehen, droht nach so viel Kür wieder das harte Los der Krimipflicht. Und bei Pflicht, auch das weiß der "Tatort"-Freund inzwischen, schlägt unweigerlich die Stunde von Max Ballauf und Freddy Schenk, jenen Kölner Kommissaren mit riesigem Empörungspotenzial und Hang zur Currywurst. Verhalf den beiden langgedienten Domstadtermittlern zuletzt noch die fabulöse Jeannette Hain als Widerpart zu ungeahntem Episodenglanz, liefert der aktuelle Rhein-Fall "Trautes Heim" wieder Kölner Magerkost.

Irrwitzige Familienkonstellation

Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Autoren Frank Koopmann und Roland Heep bei ihrem "Tatort"-Debüt ein ziemlich irrwitziges Arrangement ausgedacht haben. Der Einstieg ist dabei noch weitgehend konventionell: Wir sehen den typischen Alltag in einer - wie es scheint - glücklichen Familie. Zärtlich weckt die Mutter Simone Schäfer (Alma Leiberg) ihren achtjährigen Sohn Lukas. Der Kleine macht sich auf den Weg zum Fußballtraining, lauscht dabei auf dem MP3-Player einem Hörspiel, das ihm sein Vater, der Software-Entwickler Roman Sasse (Barnaby Metschurat), aufgenommen hat. Trautes Heim, wie es der Titel suggeriert.

Doch dann nimmt das Unheil seinen Lauf: Lukas wird auf offener Straße entführt. Ein Zeuge, der die Tat beobachtet hat, wird von den Kidnappern brutal überfahren und stirbt. Eine Sexualstraftat? Eine Erpressung? Ballauf und Schenk ermitteln.

Nur zäh kommt die Geschichte in Gang. Es wird, wie so oft in Köln, unendlich viel geredet und erklärt, statt einfach mal auf die Kraft der Bilder und die Intelligenz der Zuschauer zu vertrauen. Ganz bitter: Schon der erste übertriebene Auftritt von Lukas' Tante Heike Grabow und ihrem Mann Kai (Meike Droste, Lasse Myher) legt eine allzu deutliche Fährte zur späteren Auflösung.

Bigamist mit Moral

Schnell stellt sich raus: Der scheinbar seriös-biedere Computer-Experte Sasse hat ein dunkles Geheimnis. Erst verschweigt er der Polizei eine Lösegeldforderung der Entführer. Seiner Frau spielt er vor, bei der Bank die Summe aufzutreiben, doch in Wahrheit verschafft er sich Zugang zur Wohnung von Ruth Junghanns (Sandra Borgmann), hackt dort verzweifelt Zahlenkombinationen in einen Computer.

Was steckt hinter dem sonderbaren Verhalten? Als das Handy von Lukas gefunden wird, lichtet sich das Dunkel. Es ist zugelassen auf den Namen jener Ruth Junghans. Als Ballauf die Information überprüft, wird klar: Sasse hatte nicht nur ein "trautes Heim", sondern gleich zwei. Er ist mit Ruth Junghanns verheiratet, hat mit ihr ebenfalls einen Sohn.

Jahrelang hat Sasse ein Doppelleben geführt, spielte mal hier den treusorgenden Vater und mal ein paar Straßen weiter. Eine Alibi-Agentur samt extra abgestellter Sekretärin machen's möglich.

Doch so sehr sich Metschurat bemüht, der Rolle des Bigamisten mit Moral Tiefe und Glaubwürdigkeit zu geben - für den Zuschauer bleibt das Konstrukt mit den zwei perfekten Kleinfamilien arg unglaubwürdig. Und so richtig nahe kommen einem die Figuren auch nicht wirklich.

Schleppendes Vergnügen

Keine Spannung, keine Emotion, absehbare Wendungen - dieser "Tatort" schleppt sich bis zum Ende. Auch wegen Dialogen wie diesem: Als Ballauf Ruth Junghanns wegen des Doppellebens ihres Mannes vernimmt, bricht es aus ihr heraus: "Ich möchte ihm eine Kugel in den Kopf jagen." Ballaufs Antwort: "Kann ich ihnen nicht verübeln. Muss ich aber von abraten."

Das gilt leider auch für diesen "Tatort" aus Köln.

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