Bischof Jaschkes Versuch, die Kirche zu retten

11. Februar 2013, 06:10 Uhr

Ein Bischof distanziert sich bei Günther Jauch vom Präfekt der Glaubenskongregation und versucht, die Kritiker wieder mit den Katholiken zu versöhnen. Daneben verblassen sogar Lafontaine und Kerner. Von Jan Zier

Günther Jauch, TV-Kritik, Kirche, Katholiken, Arbeitgeber, Lafontaine, Kerner

Günther Jauch hat sich wie in der vergangenen Woche wieder die Kirche als Thema vorgenommen. Sie war in den letzten Wochen wegen ihres Verhaltens nach einer Vergewaltigung mal wieder ins Gespräch gekommen.©

Fehlte bloß noch, dass einer sagt, die Katholiken sind die neuen Juden. Da hatte Gerhard Ludwig Müller, Erzbischof und Präfekt der Glaubenskongregation, eine "Pogromstimmung" gegen die katholische Kirche ausgemacht. Und Kölns Kardinal Joachim Meisner in einem Brief "Katholikenphobie" beklagt. Der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke, einst ein Schüler des heutigen Papstes, hat dem jetzt bei Günther Jauch deutlich widersprochen: "In jeder Hinsicht" wolle er sich von Müllers Äußerung "distanzieren", so Jaschke in der ARD. Und weiter: "Ich halte nichts von solchen Worten." So weit, so eindeutig des Bischofs Kritik am Kollegen.

Jaschke war angetreten, für seine katholische Kirche die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Genau an jenem Ort, an dem wieder einmal ein Sturm der Entrüstung über sie hereinbrach. Schließlich war war der "gnadenlose" und "lebensfremde" "Konzern Kirche" schon vergangene Woche Thema bei Jauch. Martin Lohmann (CDU), Chefredakteur des privaten katholischen Fernsehsendes K-TV, wollte dort im Zweifelsfall sogar seiner eigenen Tochter untersagen, das Kind eines Vergewaltigers abzutreiben. "Lohmann vertritt nicht die Position der Kirche", sagt Jaschke nun. Und dass man nicht "zum Prinzip erheben" dürfe, was jüngst zwei katholische Kliniken in Köln taten, die eine mutmaßlich vergewaltigte Frau abgewiesen hatten. Jaschke - selbst für katholische Kliniken zuständig - sagt: Keine Patientin werde dort abgewiesen, ja, man werde ihre Entscheidung respektieren, "selbst wenn wir sie nicht für richtig halten". Zwar ist er klar gegen eine "Pille danach", die der Abtreibung dient. Aber für eine, die Empfängnis verzögert.

Kerner ist "gerne drin" - in der katholischen Kirche

Sogar die Homosexuellen, die "ordentlich leben" - was auch immer das heißen soll, Jauch fragt das nicht - will Jaschke nicht als "Sünder" abqualifizieren. Und der ehemalige Küster, den Jauch eingeladen hat, weil seine katholische Kirche ihn einst von der Kanzel weg "zum Dorf hinausjagen" wollte, nachdem er sich als schwul outete? "Es bewegt sich etwas", sagt Jaschke. Nein, sagt er dann noch, so ganz streng müsse man die Dinge nicht immer auslegen, nicht mal als Priester: "Es gibt Ermessensspielräume". Die katholische Kirche habe heute zum Teil "leicht faschistische Züge", sagt indes der vertriebene Küster.

Neben dem Weihbischof verblassen an diesem Abend alle Gäste. Sogar der Linke Oskar Lafontaine, der einst Messdiener war und bis heute an "die christliche Soziallehre glaubt", ja, die Katholiken gar für ihre "Wertevermittlung" lobt. Dabei ist er sonst gerne Mittelpunkt jeder Talkshow. Aber auch der einfältige Johannes Baptist Kerner bleibt erfreulich im Hintergrund. Er ist eingeladen, weil er mal aus der katholischen Kirche austrat, nur um später wieder reumütig in ihren Schoß zurückzukehren. Er ist irgendwie "gerne drin", sagt er, weil er dort falsch singen darf. Und dass in der Kirche ja auch irgendwie viele Menschen viele sinnvolle Dinge tun. Auch die Grünen-Politikerin Sylvia Löhrmann, Vize-Ministerpräsidentin und Mitglied des Zentralkomitees der Katholiken bleibt reichlich unauffällig. Sie findet die Menschenrechtsverletzungen ihrer Kirche zwar irgendwie "schwer auszuhalten", will sie dann aber doch weiter dulden, höchstens das Grundgesetz ein bisschen "weiterentwickeln", natürlich unter Einbeziehung der Kirchen.

Lafontaine spricht von "Ferkeleien"

In die Bredouille indes gerät der einzige Protestant in der Runde, Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche. Als die diakonischen Einrichtungen seiner Kirche in die Kritik geraten, weil sie MitarbeiterInnen untertarifliche Dumpinglöhne zahlen, kann er auch nicht weiter helfen, sagt er. Nein, dass eine Pflegerin 500 Euro im Monat weniger bekommt als eine andere, die die gleiche Arbeit tut - "das gefällt mir auch nicht", sagt Schneider. Aber der Markt, Sie wissen schon, und, überhaupt: "Nur 8,7 Prozent" seiner kirchlichen Einrichtungen machen "sowas", sagt Schneider. Und er würde ja drüber reden, also hier etwa, bei Jauch. Da muss ihm am Ende doch Lafontaine beispringen: Man dürfe jetzt "nicht alles auf der Kirche abladen", verteidigt ihn der Linke - schon gar nicht alle politischen "Ferkeleien" der letzten Jahre. Und so waren am Ende doch wieder alle irgendwie versöhnlich.

Zum Thema
stern TV-Programm
Kostenlos downloaden: stern TV-Programm für iPhone, iPad und Android-Smartphones und -Tablets Mehr Infos über die App
 
Humor
Tetsche, Haderer, Mette und Co. Tetsche, Haderer, Mette und Co.
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von Amos: Wieso ensteht auf heißer Milch oder Kakao immer diese eklige Haut?

 

  von Fragomatic: Wieviele Enklaven gibt es der Europäischen Union einschl. der Schweiz?

 

  von Musca: Ist das Betrug? Es werden völlig unrealistische Werte bei der Gebäudesanierung genannt

 

  von Amos: Wenn man sich verletzt und das Blut ableckt, schmeckt es metallisch. Warum?

 

  von Amos: Wieso kommt die Steuerfahndung immer morgens um 6? Hat das bestimmte Gründe? Ich dachte,...

 

  von Amos: Darf man im Elsass Deutsch sprechen oder hören Franzosen das nicht so gerne? Z. B. im Bistro oder...

 

  von blog2011: Ich muss mal eine dumme Frage loswerden wg. der Schweizer Franken.

 

  von bh_roth: K-Wert eines Mauerwerks

 

  von Amos: Aus einem anderen Forum: heißt es schallgedämpft oder schallgedämmt?

 

  von Panda09: Gute Fotokamera?

 

  von bh_roth: Thema Holzmauerwerk

 

  von ing793: "Ein guter Gulasch brennt zweimal" heißt es - warum eigentlich?

 

  von bh_roth: Bremsen rubbeln

 

  von Amos: Warum reißt der Mercedes-Stern in der Waschanlage nicht ab? So stabil sieht das Ding nicht aus!

 

  von blog2011: Ist ein illegaler Download immer nachweisbar?

 

  von HH-Immo: Wie kann man surfen im Internet die Werbung ausblenden?

 

  von Gast 105852: gibts umschuldung für hartz 4 empänger

 

  von Gast 105846: ist Eilbek in Hamburg eine gute Wohngegend?

 

  von Amos: Im Internet hat mich alle zwei Stunden der Proxy-Server herausgeschmissen. Jetzt habe ich bei...

 

  von Gast 105824: punkte abbauen