HOME

TV-Kritik "Hart aber fair": Kirche und Papst? Nichts für Plasberg

Konfusion statt Kirchenkritik: Plasberg erstickt eine sinnvolle Diskussion um Sakrales und Profanes im Keim. Auch der geistliche Beistand im Studio kann das Tohuwabohu nicht ordnen.

Von Frank Ochmann

Einen Tag vor Beginn des Konklaves in Rom hatte Frank Plasberg offenbar keine Wahl: "Viel Rauch um was eigentlich - ist die Kirche noch von dieser Welt?" stand als Frage über seiner Montagstalkshow im Ersten. Doch dauerte es nur Minuten, bis einem klar werden musste, dass an diesem Abend mit einer erhellenden Antwort nicht zu rechnen war. Und auf welche Frage überhaupt?

Nicht zum ersten Mal bei dieser Sendung lag ihr chaotischer Fortgang daran, dass ihr Moderator selbst nicht zu wissen schien, was er von seiner Runde erwartete. Konfus war darum schon der Einstieg mit dem Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke: "Warum darf die Welt eigentlich nicht wissen", fragte Plasberg ihn allen Ernstes, "wer Papst wird und wer nicht Papst wird?" War denn aber je nach dem "Habemus Papam!" vom Balkon über dem Petersplatz der Name des Gewählten verschwiegen worden? So rumpelte die Runde ins vage umrissene Thema.

Wenn Jesus auf der Welt wäre ...

Er habe die katholische Kirche vor acht Jahren vor allem verlassen, erzählte etwa der Kölsch-Rocker und Kolumnist Peter Brings, weil Männer und Frauen in ihr nicht gleichgestellt seien. Verstanden. Und die Papstwahl in Rom? "Näää, ganz ehrlich, interessiert mich nicht besonders, wie es da zugeht.“ Irgendwie war das aber doch das Thema oder wenigstens der Anlass für das Thema. Doch da hatte dann auch Frank Plasberg schon keinen Sinn mehr fürs Konklave und eröffnete die allgemeine Aussprache: Kondome, Kitas, Kirchensteuer. Von allem ein wenig und nichts richtig. Als WDR-Kollege Jürgen Domian sein "Wenn Jesus heute auf der Welt wäre ..." anstimmte, schien die Zeit für den erlösenden Griff zur Fernbedienung gekommen zu sein. Doch dann wurde es tatsächlich noch spannend, und Domian ließ vergessen, dass er eben noch eine aus allen Religionen zusammengeklaubte Spiritualität mit persönlicher Geschmacksnote propagiert hatte.

Wie kann es sein, so stellte er zur Debatte, dass Kirchen beider Konfessionen hierzulande leer stehen oder gar abgerissen werden, sich die Geistlichkeit aber mal lautstark, mal durch die Lobby in öffentliche Angelegenheiten von der Sterbehilfe über die Sexualerziehung bis zum geöffneten Supermarkt am Sonntag einmischt? Wie kann es sein, dass dies und viele Sonderrechte vom Grundgesetz weiter gedeckt werden, obwohl wir längst in einer nachchristlichen Gesellschaft leben? Lange schon ist bei uns eine Grundsatzdebatte über das Verhältnis von Staat und Kirche überfällig. Und auch, wenn die Amtskirchen an der Diskussionstheke nur mit einer B-Klasse vertreten waren - ein katholischer Weihbischof und eine Vize-Präses für den protestantischen Part -, so wäre es doch interessant gewesen, sich mit ihnen das immer offensichtlichere Missverhältnis zwischen kirchlichem Einfluss und schwindendem Rückhalt in der Bevölkerung vorzunehmen.

Thematischer Trümmerhaufen

Doch schon grätschte Frank Plasberg dazwischen und leitete zur Lebens- und Leidensgeschichte einer ehemaligen Nonne über. In bekannter Manier stoppte er damit, was noch gar nicht recht begonnen hatte und verwies entschuldigend auf "die Struktur der Sendung". So erfuhr man immerhin, dass eine Struktur vorgesehen war. Der Ablauf der abendlichen Veranstaltung verriet das nicht. Die hinterließ auch nach dem obligatorischen Auftritt von Brigitte Büscher mit ihren Zuschauerreaktionen nur einen thematischen Trümmerhaufen.

Immer wieder zeigen sich unter den ARD-Oberen Zweifel am Sinn von gleich fünf Talkshows pro Woche im Ersten. So hatte Ulrich Wilhelm, der Intendant des Bayerischen Rundfunks, kürzlich im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine Reduzierung vorgeschlagen, ohne sich dabei auf eine der Sendungen festzulegen. Sollte er tatsächlich noch einen Streichkandidaten suchen, kann er Frank Plasbergs Darbietung vor dem Konklave als Bewerbung in Betracht ziehen.