Zuckerschock und platzende Glibberperlen

14. April 2012, 17:45 Uhr

Bubble Tea heißt ein neuer Trend aus Asien. Vor allem Teenager lieben das zuckersüße Teegemisch mit Glibberperlen am Becherboden. Warum nur? Ein Selbstversuch. Von Lisa Opolka

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Bubble Tea: bunt, zuckersüß und das neue Szenegetränk bei Jugendlichen©

Sirup, Tee, Milch und kleine, geleeartige Perlen aus Stärke, die im Mund glibbern. Mit solchen Zutaten erobert der Bubble Tea derzeit Deutschland. Bubble-Tea-Läden schießen wie Pilze aus dem Boden. In Berlin hat 2010 in der Marburger Straße eine Franchise-Kette ihr erstes Teehaus aufgemacht. 80 Filialen gibt es davon mittlerweile in Deutschland, fünf weitere stehen kurz vor der Eröffnung. Das Geschäft boomt. Doch was ist so verlockend an dem "Blasentee"? In Berlin wage ich den Selbstversuch.

Der Laden ist so bunt wie die Getränke, die Wände sind quietschgrün, überall hängt das schreiorangefarbene Logo der Franchise-Kette. Hinter dem ebenfalls in Orange leuchtenden Tresen stehen vier junge Asiaten. Etwas überfordert überfliege ich die große bunte Karte an der Wand hinter ihren Köpfen. "Flavored Juice Tea, Flavored Milk (Milch mit Fruchtsirup), Yogurt (Joghurt mit Fruchtsirup) und Milk Tea (Milch mit Fruchtsirup)". Mit grünem Tee oder schwarzem Tee? Und welche Geschmacksrichtung? Mango, Strawberry, Passion Fruit? Oder vielleicht doch lieber einen Caramel Oolong Milk Tea, die ganz klassische Form mit einer typisch taiwanesischen Teesorte?

Kügelchen zerplatzen im Mund

Chen Jing Sun rät mir, mit einem Flavored Juice Tea anzufangen, der sei hier in Deutschland wegen seiner Fruchtigkeit sehr beliebt. Der Milk Tea, die ursprüngliche Form des Bubble Tea, komme wiederum bei Asiaten besser an. "Den Milktea trinken hier dann eher noch die Erwachsenen", sagt die 25-Jährige mit den rötlich-blonden Haaren. "Er besteht nur aus Schwarztee und Milchpulver und ist nicht so fruchtig wie der Flavored Juice Tea."

Also nehme ich einen Flavored Juice Tea der Sorte Mango Green. Doch damit ist es nicht getan. Das Wichtigste fehlt noch: Das sogenannte Topping. Die beliebten bunten Perlen, die es in ebenso zahlreichen Ausführungen gibt wie die Teesorten. Die sogenannten Popping Bobas, kleine geleeartige Kügelchen, die Fruchtsaft enthalten und beim Kauen im Mund zerplatzen, scheinen zumindest nicht uninteressant. Sind alle Zutaten im Becher, wird das Ganze mit gecrushtem Eis kräftig durchgeschüttelt.

Dass das bunte Ergebnis so erfolgreich ist, scheint vor allem an Teenagern zwischen 12 und 16 Jahren zu liegen. Ebenfalls im Laden ist die 14-jährige Mila mit ihren drei Freundinnen. Vor den Mädchen stehen zwei große 1-Liter-Becher Bubble Tea. "Ich mag süße Sachen sehr gern", sagt Mila. "Und der Bubble Tea schmeckt einfach extrem süß. Und mit diesen Perlen ist er ziemlich außergewöhnlich."

Ursprung liegt in Taiwan

Süß schmeckt mein Mango Green Tea in der Tat. Sehr süß sogar. Ein bisschen wie Eistee vielleicht, der Geschmack ist jedenfalls ziemlich künstlich. Durch den überdimensionalen Strohhalm versuche ich, eine der Popping Bobas einzusaugen. Plötzlich habe ich gleich zwei der glibberigen Kugeln im Mund. Als ich sie zerkaue, schmecke ich den Mangosaft. Fasziniert und gleichzeitig etwas angewidert von der glibberigen Konsistenz der Perlen sauge ich weiter, kaue und schlucke. Während ich mich auf den Bubble Tea konzentriere strömen immer wieder kleine Gruppen von Jugendlichen in den Laden. Anders als ich sind sie Profis: Die Bestellung wickeln sie in wenigen Sekunden ab und verlassen mit ihren roten, grünen und pinkfarbenen Getränken zufrieden den Laden. Teilweise reicht die Schlange bis zur Tür.

Der Ursprung des Bubble Tea liegt in Taiwan. Er sollte Kinder für normalen Tee begeistern. Die Perlen waren früher für die Kinder nur als Nachtisch gedacht. In den Tee kamen die sogenannten Tapiokaperlen aus der stärkehaltigen Maniokwurzel. Das hatte wenig zu tun mit den "Popping Bobas" aller Geschmacksrichtungen und knallbunten Geleestückchen als Topping.

Eine Kalorienbombe

Chen Jing Sun lebt seit zehn Jahren in Deutschland und kennt den Bubble Tea aus ihrer Heimat China. "Als ich nach Deutschland gekommen bin, habe ich gedacht, die mögen das nicht", sagt sie, "aber offensichtlich ist es dann doch anders gekommen."

Allerdings gibt es auch Kritik an dem erfolgreichen zuckerigen Trendgetränk: Ernährungsexperten bemängeln, dass man schon mit 0,2 Litern Bubble Tea mitunter auf 300 bis 500 Kalorien kommen kann. "Wir haben nie verbreitet, dass es ein Diätmittel ist", sagt Tan Huynh, der im Marketing der Franchise-Kette BoboQ in Berlin-Neukölln arbeitet. Offizielle Nährwertangaben hat BoboQ noch nicht gemacht. Laut Huynh seien sie "in Bearbeitung".

Den Trend wird das aber wohl kaum aufhalten. Der soll in den kommenden Jahren noch zulegen. Mehr als 24.000 Facebook-Fans hat der Bubble Tea: "Das ist mein neues Suchtmittel XD", schreibt eine Userin.

Mein persönliches Suchtmittel wird der Bubble Tea aber eher nicht. Nach der Hälfte des Bechers kann ich nicht mehr. Er ist einfach zu süß.

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