Lässig wie Merkel und heiß wie Hehn

31. März 2013, 19:27 Uhr

Angela Merkel in Jogginghose auf Ischia, Sascha Hehn als er selbst auf dem Lerchenberg - da kann einem schon komisch werden. Schweizer Schülern wurde auf ihrer Deutschlandreise richtig schlecht. Von Mark Stöhr

Abgewatscht, Satire, Sascha Hehn, Lerchenberg, HSV

Lässig gekleidet auf Erholungsurlaub: Angela Merkel und ihr Ehemann Joachim Sauer©

So weit ist es schon gekommen. Junge Menschen reisen durch unser Land und bekommen Brechdurchfall. Einer Schweizer Schülergruppe ging es so schlecht, dass der Zug evakuiert werden musste, in dem die Jugendlichen reisten. Anfang der Woche war das. Da konnten die reihernden Eidgenossen die ersten Fotos vom Osterurlaub von Angela Merkel noch gar nicht gesehen haben.

Die Kanzlerin privat. In einer eingelaufenen Jogginghose. Die Haare: wie ein vergessenes Osternest vom vergangenen Jahr. Als hätte sie an einem Regentag vor einer roten Ampel gewartet, und ein Lastwagen wäre in voller Fahrt an ihr vorbeigebrettert. Man sollte einen Stylisten nach Ischia schicken. Auf die paar Euro kommt es auch nicht mehr an.

Vielleicht war in dem ICE, in dem sich die indisponierten Jungschweizer um die wenigen Toilettenplätze balgten, auch eine "Bunte" liegengeblieben. Da wird einem schon mal anders. Vor allem wenn der ehemalige Fernsehpfarrer Jürgen Fliege darin erzählt, was er am Ostermorgen zwischen fünf und sechs Uhr zu tun pflegt. Dann nämlich gehe er mit ein paar Osterkerzen auf einen Friedhof und singe den Verstorbenen lauthals das Kirchenlied "Christ ist erstanden" vor. Lauthals. Bei allem Respekt vor Religiosität: Der Mann ist nicht ganz dicht. Das immerhin hat er mit den Schülern gemeinsam, die in Mannheim von den Johannitern völlig dehydriert aus dem Zug geholt wurden. Ausgerechnet in Mannheim. Nur der Bahnhof in Tirana ist hässlicher. Wahrscheinlich konnten die Patienten ihre Helfer nicht einmal verstehen.

Die Welt ist ein Bagger

Vielleicht wurden die Teenager auch schlagartig inkontinent, als sie unterwegs via Smartphone erfuhren, dass ein Altersgenosse mal so eben 20 Millionen Euro eingesackt hat. Ekelhaft. Der 17-jährige Nick d'Aloisio aus London verkaufte Yahoo diese Woche eine App, mit der aus langen Texten kurze werden. So kurz, dass sie auf den Bildschirm eines Smartphones passen. Der Algorithmus dieser App weiß, was wesentlich ist und was nicht. Er findet die zentrale Botschaft - egal aus welcher Buchstabensuppe.

Die App von d'Aloisio ersetzt das Lesen und das Denken. Endlich. Mit ihrer Hilfe wird alles auf die Komplexität eines nordkoreanischen Propagandavideos heruntergerechnet. Oder auf das intellektuelle Niveau einer Baggerwette bei "Wetten, dass..?": Bagger auf Biergläsern, Bagger, die Basketball spielen, Feuerzeuge entzünden und Ehefrauen entkleiden. Die "Baggertellisierung" der Welt ist dank eines Minderjährigen wieder ein Stück vorangekommen. Danke, gewissermaßen für nichts.

Aufklärungspapst Sascha Hehn

Der Jungmillionär will jetzt erst einmal seinen Schulabschluss nachholen, liest man. Das ist natürlich Quatsch. Denn wofür sollte das gut sein? Sascha Hehn etwa wurde auch ohne Abschluss ein Gigant. Noch vor der Mittleren Reife ging er von der Schule ab. Er erfand zwar nicht die Videokassette oder den Radiowecker, dafür spielte er in seinen jungen Jahren in Filmklassikern wie "Nackt und heiß auf Mykonos" oder "Die liebestollen Apothekerstöchter" mit. Das war Aufklärung erster Kajüte, daran können sich die Rotzlöffel von heute mit ihren Verblödungs-Apps ruhig mal ein Beispiel nehmen. Ohne Sascha Hehn alias Dr. Udo Brinkmann wüsste man auch nicht, was Chirurgen genau machen oder Frauenärzte (alias Dr. Markus Merthin). Wie nett die sind und wie gut die Caprio fahren können!

Sascha Hehn ist mit seinen 57 Jahren nun endgültig auf dem Gipfel angekommen, sprichwörtlich auf dem Lerchenberg. Er spielt sich in der gleichnamigen ZDF-Serie selbst. Es ist die Quintessenz seiner Karriere. In einer Schlüsselszene rammelt er mit der Redaktionsleiterin im Auto. Hehn spielt so grottenschlecht, so übertrieben Veronika-Ferres-mäßig mies, dass man fast glauben könnte, er tue das mit Absicht. Dem ZDF ist die Sache offenbar auch nicht ganz geheuer. Es versteckte die vier "Lerchenberg"-Folgen zunächst auf ZDFneo und strahlt sie nächste Woche zu einer Zeit im regulären Programm aus, zu der man früher für Boxübertragungen aus dem Bett gekrochen ist.

Den Schweizer Schülern immerhin geht es dem Vernehmen nach wieder besser. Ihre Gastroenteritis war eine schlichte Lebensmittelvergiftung, die sie sich in einem Hamburger Restaurant geholt hatten. Wahrscheinlich war der Übeltäter derselbe Koch, der auch die Kicker des Hamburger SV bekocht hat. Vor ihrem kotzüblen Auftritt in München.

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